Mehr als Phantomschmerz: Studie zeigt komplexe Schmerzrealität nach Amputation19. März 2026 Die Ursachen für Schmerzen nach einer Amputationen sind oft komplex. (Symbolfoto: ©Serhii/stock.adobe.com) Nicht selten kommt es nach Amputation eines Beines zu anhaltenden Schmerzen. Diese sind nicht nur auf Phantomschmerzen zurückzuführen. Vielmehr können verschiedene Schmerzarten beteiligt sein, zeigt eine aktuelle Studie. Forscher der University of Colorado Anschutz (USA) haben eine entscheidende Lücke bei der Beurteilung und Behandlung von Schmerzen nach einer Amputation aufgedeckt. Ihre Studie zeigt, dass Schmerzen nach einer Amputation der unteren Extremitäten kein einheitliches Krankheitsbild darstellen. Stattdessen handelt es sich um eine Reihe unterschiedlicher Erfahrungen, die je nach Aktivitätsniveau und Art der Prothese variieren. „Unbehandelte oder falsch behandelte Schmerzen können die Mobilität stark einschränken, die Rückkehr an den Arbeitsplatz verzögern, den Schlaf stören und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit eines präziseren, personalisierten Versorgungsansatzes“, erläutert Dr. Danielle Melton den Ausgangpunkt der Studie. Melton ist leitende Studienautorin und Professorin für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Co-Direktorin für Amputationsmedizin und Rehabilitation an der University of Colorado Anschutz. Drei Arten von Schmerzen nach einer Amputation Die Studie umfasste 83 Erwachsene mit einseitiger Oberschenkel- oder Unterschenkelamputation und Schaft- oder osseointegrierter Prothese. Das Team um Melton untersuchte diese hinsichtlich ihrer Schmerzen in Ruhe sowie bei Bewegungen im Alltag, um die täglichen Herausforderungen besser zu verstehen. Ihre Erkenntnisse publizierten sie in „PM&R“, der wissenschaftlichen Fachzeitschrift der American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation. Die Studie zeigte, dass die meisten Teilnehmer mehr als eine Art von Schmerzen hatten. Neben Phantomschmerzen berichteten die Patienten auch über Schmerzen in der verbleibenden Extremität (Stumpfschmerzen) sowie über Muskel-Skelett-Schmerzen im Rücken, der Hüfte und den Gelenken, die aufgrund von Veränderungen in der Gangmechanik entstehen können. Ferner entdeckten die Autoren, dass sich diese Schmerzarten bei Aktivitäten unterschiedlich verhielten. Erkenntnisse zu Schmerzen und Aktivität Im Detail zeigte sich, dass Muskel-Skelett-Schmerzen beim Gehen und bei alltäglichen Bewegungen mit Schaftprothesen deutlich zunahmen. Das deutet darauf hin, dass Verbesserungen des Gangbildes und der Lastverteilung dazu beitragen können, sekundäre Schmerzen zu lindern. Stumpfschmerzen standen in engem Zusammenhang mit Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und einer verminderten Lebensqualität bei Teilnehmern, die herkömmliche Schaftprothesen verwendeten. Bei Teilnehmern mit osseointegrierten Prothesen wurde diese Problematik jedoch nicht beobachtet, was den Einfluss des Prothesendesigns auf das allgemeine Wohlbefinden unterstreicht. Phantomschmerzen zeigten allgemein ein variableres Muster und nahmen nicht durchgängig mit der Aktivität zu, insbesondere bei Personen, die osseointegrierte Prothesen verwendeten. Die Studie verdeutlicht zudem, wie sich das Prothesendesign auf die Schmerzen auswirkt. So berichteten vornehmlich Nutzer von Schaftprothesen über stärkere Schmerzen bei Bewegung. Bei Nutzern von osseointegrierten Prothesen waren die Schmerzwerte hingegen oft stabil und unabhängig von der Aktivität. Diese Unterschiede unterstreichen, wie das Prothesendesign den Komfort bei Bewegungen im Alltag direkt beeinflussen kann, mit Auswirkungen auf Mobilität, Alltagsfunktionen und Lebensqualität. Detaillierte Schmerzbeurteilung für gezielte Maßnahmen „Nicht alle Schmerzen nach einer Amputation sind gleich, und die Unterscheidung der Schmerzarten könnte Ärzten helfen, Mobilität, Komfort und langfristige Ergebnisse zu verbessern“, sagt Dr. Eric J. Earley, Assistenzprofessor für Orthopädie an der CU Anschutz School of Medicine und Hauptautor der Studie. „Allzu oft werden Patienten gebeten, ihre Gesamtschmerzen mit einer einzigen Zahl zu bewerten. Wenn wir nicht zwischen ihnen unterscheiden, verpassen wir möglicherweise Gelegenheiten, die eigentliche Ursache des Problems zu behandeln.“ Die Studie legt nahe, dass bei Patienten mit Amputation einer unteren Extremität jede Art von Schmerz separat beurteilt werden sollte. Eine detailliertere Beurteilung kann dabei helfen, folgende Maßnahmen zu steuern: Gezielte Anpassungen der Prothese Gangorientierte Physiotherapie Spezifische Behandlungen bei Phantomschmerzen Rehabilitation bei Belastungen des Bewegungsapparates. „Unterschiedliche Schmerzen erfordern unterschiedliche Lösungen“, resümiert Melton. „Eine detailliertere Schmerzbeurteilung kann zu besseren Behandlungsentscheidungen und einer verbesserten Alltagsfunktionalität für Menschen mit Gliedmaßenverlust führen und ihnen so eine bessere Lebensqualität verschaffen.“ (ah/BIERMANN)
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