Mehr Frauen in O & U?

Annika Hättich auf der Online-Pressekonferenz zum digitalen VSOU. (Screenshot: ja/Biermann Medizin)

Immer mehr Frauen arbeiten im Fach Orthopädie und Unfallchirurgie, aber in leitenden Positionen sind sie nach wie vor selten. Nicht nur die Online-Pressekonferenz zum digitalen VSOU-Kongress widmete sich unter anderem diesem Thema.

Nicht nur der Frauenanteil der Medizinstudentinnen nimmt zu, immer mehr von ihnen finden auch den Weg zur Orthopädie und Unfallchirurgie. “Der Anteil der Assistenzärztinnen in unserem Fach liegt zur Zeit bei 25 Prozent”, sagte Dr. Annika Hättich, Leiterin der Sektion Nachwuchsförderung des Jungen Forums O & U und verweist auf eine aktuelle Analyse aus München1. Damit sei man in Deutschland auf “dem aufsteigenden Ast”.

Das Problem sei der Weg zur Chefärztin, so Hättich weiter. Hier gelte es, bessere Modelle für einen Übergang zu finden, etwa Teilzeitmodelle zu schaffen. Frauen sollten sich nicht scheuen eine Karriere in Orthopädie und Unfallchirurgie auch einzufordern, auch was die wissenschaftliche Arbeit betreffe. “Unterstützen und vernetzen sind dabei sehr wichtig”, betonte Hättich.

Wie Hättich bereits im Vorfeld des diesjährigen Kongresses in einem Interview ausführte, gibt es auch bei den Führungspositionen im Fach O & U einen positiven Trend. Sie sagte aber auch: “Allerdings liegen wir immer noch im einstelligen Bereich. Bei den Direktoren/-innen an deutschen Universitätskliniken liegt der Frauenanteil nur bei fünf Prozent. Auch bei den Zusatzweiterbildungen, zum Beispiel der speziellen Unfallchirurgie, kommen wir Frauen nur auf 11,6 Prozent.” Damit zeigten die Zahlen “deutliche Defizite” beim Übergang von der Ärztin in Weiterbildung zur Fachärztin, Spezialistin oder Oberärztin.

Eine Frauenquote ist für Hättich nicht die Lösung des Problems, auch das machte sie im Interview deutlich: “Es liegt ja nicht daran, dass es nicht genug und vor allem motivierte, hochqualifizierte Frauen in unserem Nachwuchs gibt. Sondern daran, dass diese auf ihrem Weg zu einer Führungsposition besser gefördert und gegebenenfalls unterstützt werden müssen und vor allem die Familienplanung hier nicht im Weg stehen darf.”

Dabei setze sich auch das Junge Forum O & U mit seiner Sektion Familie und Beruf für eine bessere Vereinbarkeit dieser beiden Lebensbereiche ein, denn: “Dies ist weiterhin ein Thema, an dem noch gearbeitet werden muss. Tatsächlich betrifft die Schichtarbeit nicht nur uns Chirurgen – es ist jedoch schwieriger, eine laufende Operation abzubrechen als andere medizinische Tätigkeiten.” Dabei betreffe das Thema nicht nur Frauen, denn auch Väter wünschten sich familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle, so Hättich weiter.

Dass man am Thema Teilzeit und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle in der heutigen Zeit nicht vorbeikommt, um die besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu halten, machte auch Kongresspräsident Prof. Thomas Wirth auf der virtuellen Pressekonferenz zum Kongress klar. Man müsse Teilezeit ganz individuell gestalten und anbieten. “In einem gut funktionierenden System kann man trotzdem optimal arbeiten”, sagte Wirth. (ja)

Literatur:
1. Lutz PM, Lenz J, Achtnich A, Geyer S. Ärztinnen in der Orthopädie und Unfallchirurgie in Deutschland: ein aktueller Status quo. Der Orthopäde 2020.