Mehr Hochrisikoplaques bei Menschen mit Fettleber

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Menschen mit Fettleber weisen offenbar eine höhere Menge an nicht verkalkten, rupturgefährdeten Koronarplaques und ein fast doppelt so hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf wie Menschen ohne Fettleber. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie in „Clinical Gastroenterology and Hepatology“.

Eine hepatischen Steatose wurde unabhängig von anderen kardiovaskulären Risikofaktoren und dem Schweregrad der koronaren Herzkrankheit mit schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen (MACE) in Verbindung gebracht. Der genaue Zusammenhang zwischen einer Fettleber, der Zusammensetzung koronarer Plaques und MACE ist bislang jedoch noch nicht geklärt. Dem nahm sich nun eine Forschergruppe unter Leitung vom Cardiovascular Imaging Research Center des Mass General Brigham Heart and Vascular Institute in Boston (USA) an.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass die Fettlebererkrankung nicht nur eine Lebererkrankung, sondern auch ein wichtiger Marker für das Risiko von Herzerkrankungen ist“, erläutert Studienerstautor Dr. Jan Brendel. „Die Fettlebererkrankung kann in routinemäßigen Herz-CT-Scans erkannt werden und könnte eine frühere, präventive Behandlung ermöglichen.“

Beurteilung der Fettleber anhand des Herz-CTs

Um den Zusammenhang zwischen einer hepatischen Steatose und der Herz-Kreislauf-Gesundheit zu untersuchen, analysierten die Forscher um Brendel Daten von 3637 Teilnehmern der PROMISE-Studie. Dabei handelt es sich um eine große multizentrische Studie mit Patienten, die wegen Brustschmerzen untersucht wurden. Mithilfe von kardialen CT-Scans maß das Team das Volumen und die Zusammensetzung der Koronarplaques und beurteilte auch die Leberverfettung, da Teile der Leber häufig im Scanfeld sichtbar sind.

Mehr Hochrisikoplaques und MACE bei Patienten mit Fettleber

Beurteilt anhand der kardialen CT-Scans hatten etwas mehr als 25 Prozent der Studienteilnehmer eine hepatische Steatose. Ferner konnte auf Basis der Bildgebung ermittelt werden, dass Patienten mit Fettleber ein um 24 Prozent höheres Volumen nicht kalzifizierter Plaques und eine um 15 Prozent erhöhte Gesamtplaquebelastung (einschließlich nicht kalzifizierter Plaques) aufwiesen als Patienten ohne Fettleber. Nicht kalzifizierte Plaques neigen eher zu einer Ruptur und damit zur Bildung eines Blutgerinnsels als kalzifizierte Plaques.

Über einen medianen Beobachtungszeitraum von 25 Monaten traten bei Patienten mit im Vergleich zu jenen ohne hepatische Steatose häufiger schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Tod, Herzinfarkt oder Krankenhausaufenthalte aufgrund instabiler Angina pectoris auf (4,1% vs. 2,5%). Selbst nach Berücksichtigung kardiovaskulärer Risikofaktoren blieb die Fettleber mit einem um 69 Prozent erhöhten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert. Nicht kalzifizierte Plaques trugen laut Berechnungen der Forscher zu elf Prozent zum erhöhten kardiovaskulären Risiko bei, das mit der Fettleber einhergeht.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hochrisikoplaques eine wichtige Verbindung zwischen Leber- und Herzerkrankungen darstellen könnten. Die Forscher empfehlen, in zukünftigen Studien zu untersuchen, ob Therapien wie hochdosierte Statine oder GLP-1-Rezeptoragonisten die Belastung mit Hochrisikoplaques bei Patienten mit Fettleber reduzieren können.

(ah/BIERMANN)