Mehr Sicherheit für Medikamente9. September 2022 Prof. Nico Lachmann mit einer Flasche Natriumchlorid-Infusionslösung. Der Forscher will die Sicherheit von Medikamenten, die durch eine Injektion parenteral verabreicht werden, revolutionieren. (Foto: Karin Kaiser / MHH) Prof. Nico Lachmann, Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), erhält einen „ERC Proof of Concept Grant“, um die Sicherheit von injizierbaren Arzneimitteln zu verbessern. Arzneimittel, die gespritzt werden, müssen im Rahmen ihrer Herstellung und Freigabe kontinuierlich auf Verunreinigungen getestet werden, da diese Fieber oder sogar eine Blutvergiftung verursachen können. Bisher geschieht dies meist mit Tierversuchen, Tierprodukten oder mit dem sogenannten Monozyten-Aktivierungstest (MAT). Doch den Einsatz von Tierversuchen und -produkten gilt es zu vermeiden – auch, weil sie die menschliche Physiologie zum Teil nicht ausreichend widerspiegeln und weil die europäischen Behörden sie ab 2026 nicht mehr akzeptieren. Der auf gespendeten Blutzellen basierende MAT spiegelt die menschliche Physiologie zwar besser wider, wird jedoch von der Industrie nicht ausreichend akzeptiert, weil Blutspenden knapp sind und die Blutzellen stark variieren. Bisher gibt es als einzige Alternative nur künstliche, aus Krebsgewebe gewonnenen Zellen, mit denen jedoch nicht alle Verunreinigung detektiert werden können. Daher werden dringend neue Ansätze gesucht. Die Lösung könnte sein, innovative Zellprodukte, die für neuartige Therapien entwickelt werden, auch zur Sicherheitsbewertung von Medikamenten einzusetzen. Menschliche Immunzellen – Im Labor hergestellt Prof. Nico Lachmann, Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Forscher des Exzellenzclusters RESIST, entwickelt aus diesen Gründen die sogenannte iPYRO-Methode. Dabei werden neuartige, künstlich erzeugte Immunzellen eingesetzt, um Verunreinigungen in Medikamenten aufzuspüren. Dafür hat ihn der Europäische Forschungsrat nun mit dem „ERC Proof of Concept Grant“ ausgezeichnet. „Unsere iPYRO-Methode wird die Sicherheit der Medikamente revolutionieren, die durch eine Injektion parenteral verabreicht werden – also alle Injektionslösungen, Infusionen sowie Impfstoffe“, ist Lachmann überzeugt. Lachmanns Methode basiert auf menschlichen Zellen des Immunsystems, welche voll definiert und ohne Spender im Labor hergestellt werden können. Dabei handelt es sich um Makrophagen, die von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) abstammen und in industrietauglichen Bioreaktoren gezüchtet werden. „Die Zellen werden schon im Rahmen der Entwicklung zellbasierter Therapien eingesetzt und werden nun zusätzlich Millionen Menschen zugute kommen, da mit ihnen sichere Arzneimittel hergestellt werden können“, meint Lachmann. Die neuen Immunzellen ermöglichen es auch, weitere Testverfahren zu entwickeln, um die Gesundheitsforschung in Deutschland voranzubringen. Die Innovation konnte dank der interdisziplinären Zusammenarbeit der Bereiche Regenerativen Medizin (REBIRTH-Forschungszentrum für Translationale und Regenerative Medizin) sowie der Infektionsforschung (RESIST) an der MHH vorangetrieben werden.
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