Mehr Suizide unter Jugendlichen während der Pandemie

© fizkes – stock.adobe.com (Symbolbild)

Im Jahr 2021, dem zweiten Jahr der Corona-Pandemie, rief die American Academy of Pediatrics den Notstand hinsichtlich der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus. Nun zeigt eine Studie aus Cambridge und Harvard, USA, dass die Suizidrate unter Jugendlichen während der Pandemie tatsächlich zugenommen hat.

In Zusammenarbeit mit 14 staatlichen Gesundheitsämtern sammelten Marie-Laure Charpignon und Kollegen dazu Daten zu 85.102 bestätigten Suiziden aus den Jahren 2015–2020 und verglichen zunächst die Anzahl der Suizide im Zeitraum vor der Pandemie (2015–2019) mit dem Zeitraum der Pandemie (2020). Zudem bestimmten sie für beide Zeiträume den Anteil der Suizide unter Jugendlichen an den Suiziden insgesamt. In Summe umfassten die Daten 32% aller US-Bürger (33% Jugendliche).

Danach stieg in den Bundesstaaten Georgia, Indiana, New Jersey, Oklahoma und Virginia die absolute Zahl der Selbstmorde bei Jugendlichen während der Pandemie an. In diesen Bundesstaaten sowie in Kalifornien stieg auch der Anteil der Suizide unter Jugendlichen insgesamt. Im Gegensatz dazu gingen in Montana sowohl die absolute Zahl als auch der Anteil der Selbstmorde unter Jugendlichen während der Pandemie zurück, während in Alaska nur der Anteil abnahm. Bei Aggregation der Daten für alle 14 Bundesstaaten stieg der Anteil der Suizide unter Jugendlichen während der Pandemie.

„Obwohl andere Studien berichten, dass Suizide in der Allgemeinbevölkerung während der Pandemie zurückgingen, stellten wir fest, dass bei Jugendlichen nicht die gleichen Muster wie bei Erwachsenen zu beobachten waren. Eine Stratifizierung nach Altersgruppen und Regionen ist erforderlich, um die Heterogenität der psychischen Gesundheit im Zusammenhang mit der Pandemie aufzudecken. Und es sind weitere Arbeiten erforderlich, um die Variabilität in ethnisch geprägten Untergruppen zu erfassen“, erklärten die Forscher.

Fazit
Die Ergebnisse machten deutlich, wie wichtig es sei, die nachgelagerten Folgen der Pandemie für das Wohlbefinden von Jugendlichen zu mildern. Maßnahmen, die der zunehmenden Suizidalität unter jungen Menschen in den USA entgegenwirken könnten, seien die Ausweitung der Trauerberatung zur Bewältigung des Verlustes von Bezugspersonen und bessere Ansätze zur Bewertung des Suizidrisikos, resumieren die Autoren. (ej)

Autoren: Charpignon M-L et al.
Korrespondenz: Maimuna Shahnaz Majumder; [email protected]
Studie: Evaluation of Suicides Among US Adolescents During the COVID-19 Pandemic
Quelle: JAMA Pediatr 2022;176(7):724–726.
Web: https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2022.0515