Melanomzellen sabotieren Immunabwehr durch extrazelluläre Vesikel21. Januar 2026 © Evgeniy Kalinovskiy – stock.adobe.com (Symbolbild) Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Gray Faculty of Medical & Health Sciences der Universität Tel Aviv (Israel) hat herausgefunden, dass Melanomzellen Immunzellen dadurch lähmen, dass sie extrazelluläre Vesikel sezernieren. Die Studie wurde geleitet von Prof. Carmit Levy von der Medizinischen Fakultät der Universität Tel Aviv, in Kooperation mit weiteren Forschungsgruppen in Israel, Belgien, Frankreich und der Schweiz. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Cell“ publiziert. Vesikel inaktivieren zytotoxische Immunzellen Das maligne Melanom stellt die aggressivste Form von Hauttumoren dar. In der Initialphase der Erkrankung proliferieren melanozytäre Zellen unkontrolliert in der Epidermis. In der nächsten Phase infiltrieren die Tumorzellen die Dermis und metastasieren über das lymphatische und hämatogene System. In früheren Arbeiten konnte Levy und ihr Team zeigen, dass Melanomzellen bereits während des Wachstums in der Epidermis große extrazelluläre Vesikel, sogenannte Melanosomen, freisetzen, die Blutgefäße sowie Dermiszellen penetrieren und so eine prämetastatische Nische schaffen. Die aktuelle Studie belegt, dass diese Vesikel zusätzlich die Fähigkeit besitzen, zytotoxische Immunzellen zu inaktivieren. Melanomzellen (grün) in Kokultur mit patienteneigenen Immunzellen. Rote Zellen sind CD8⁺‑Lymphozyten (zytotoxische T-Killer‑Zellen), blaue Zellen sind CD4⁺‑Lymphozyten (T-Helfer‑Zellen). Das Melanom sezerniert Vesikel (kleine grüne Punkte), die sich an CD8⁺‑Zellen anheften und deren Fähigkeit blockieren, die Tumorzellen zu attackieren. (© Tel Aviv University) „Wir begannen, diese Vesikel genauer zu untersuchen“, erklärt Prof. Levy. „Ich stellte fest, dass sich auf der Vesikelmembran ein Ligand befindet – ein Molekül, das an einen spezifischen Rezeptor bindet, der ausschließlich auf Lymphozyten exprimiert wird, insbesondere auf solchen, die Tumorzellen durch direkten Zellkontakt eliminieren können. Ich stellte daraufhin die Hypothese auf, dass dieser Ligand an die Lymphozyten andockt, die das Melanom angreifen wollen. Diese Idee war neu und ungewöhnlich, und wir begannen, sie experimentell zu prüfen. Nachdem sich zunehmend Hinweise für die Richtigkeit dieser Annahme fanden, nahm ich Kontakt zu Kollegen weltweit auf – aus Harvard, dem Sheba Medical Center, dem Pathologischen Institut des Ichilov-Krankenhauses, dem Weizmann-Institut, Zürich, Belgien und Paris – alle beteiligten sich an dem gemeinsamen Projekt, um das Verhalten der Tumorzellen zu entschlüsseln. Das Ergebnis ist außerordentlich: Wir konnten zeigen, dass die Tumorzellen diese Vesikel gezielt gegen Immunzellen abschießen, ihre Aktivität stören und sie teilweise sogar zerstören.“ Neue therapeutische Perspektiven Levy betont, dass diese Entdeckung zwar vielversprechend sei, jedoch noch weitere Forschung erforderlich ist, um sie in eine klinisch nutzbare Therapie zu überführen. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns“, sagt Levy, „aber bereits jetzt ist klar, dass diese Entdeckung erhebliche therapeutische Perspektiven eröffnet. Sie könnte es ermöglichen, Immunzellen zu stärken, damit sie dem Gegenangriff des Melanoms standhalten. Parallel dazu können wir versuchen, die Ligand‑Rezeptor‑Interaktion zu blockieren, die es den Vesikeln erlaubt, an Immunzellen zu binden. Auf diese Weise lassen sich die Tumorzellen enttarnen und für das Immunsystem angreifbarer machen. In jedem Fall eröffnet diese Studie neue Wege für wirksame immuntherapeutische Strategien gegen das Melanom.“ (ins)
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