Meningokokken-Erkrankungen gehen weiterhin mit hoher Mortalität einher1. Mai 2023 BILTHOVEN (Biermann) – Ähnlich wie in anderen Ländern hat sich auch in den Niederlanden die Epidemiologie von invasiven Meningokokken-Erkrankungen (IMD) verändert. Ein Forscherteam hat daher aktuelle Daten über die Belastung durch IMD in den Niederlanden zusammengetragen. Dazu analysierten Marit Middeldorp vom National Institute for Public Health and the Environment (RIVM) in Bilthoven und Kollegen retrospektiv die niederländischen Überwachungsdaten zu IMD von Juli 2011 bis Mai 2020. Klinische Informationen entnahmen die Wissenschaftler aus Krankenhausakten. Zielparamter der Untersuchungen waren die Auswirkungen von Alter, Serogruppe und klinischer Manifestation auf den Krankheitsverlauf und das Outcome der Patienten, die mithilfe multivariabler logistischer Regressionsanalysen analysiert wurden. Klinische Informationen lagen den Autoren für 278 IMD-Fälle vor, von denen die Mehrheit an Meningokokken der Serogruppe B (55 %) erkrankt waren, gefolgt von MenW (27 %), MenY (13 %) und MenC (5 %). Die meisten Patienten entwickelten eine Meningitis (32 %) oder Sepsis (30 %). Krankenhausaufenthalte von mindestens zehn Tagen waren bei den 24–64-Jährigen am häufigsten (67 %). Ebenso kam es in dieser Altersgruppe am häufigsten zu einer Einweisung in die Intensivstation (60 %). Hauptgründe hierfür waren Sepsis (70 %) und Sepsis plus Meningitis (61 %). Die Krankheitsfolgen bei der Entlassung waren bei Patienten mit leichter Meningokokkämie geringer als bei Patienten mit Sepsis plus Meningitis (OR 0,19; 95 %-Konfidenzintervall 0,07–0,51). Die Gesamtmortalitätsrate betrug sieben Prozent und war bei Patienten mit IMD-Y (14 %) und IMD-W (13 %) am höchsten. Die Autoren schlussfolgern auch diesen Ergebnissen, dass IMD nach wie vor eine Krankheit mit hoher Morbidität und Mortalität ist. Eine Sepsis (mit oder ohne Meningitis) ist im Vergleich zu anderen klinischen Manifestationen mit einem schwereren Krankheitsverlauf und schlechteren Outcome verbunden. Die hohe Krankheitslast könne teilweise durch die Meningokokken-Impfung verhindert werden, geben die Autoren zu bedenken. (ej) Autoren: Middeldorp M et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: The burden of invasive meningococcal disease in the Netherlands, 2011-2020 Quelle: Vaccine 2023 Apr 17;41(16):2664–2670. Web: https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2023.03.017