Menopause verringert das Hirnvolumen und verschlechtert die psychische Gesundheit9. Februar 2026 Die Menopause führt neben Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen auch zu dem Verlust grauer Substanz im Gehirn, Schlafstörungen und Depressionen. Eine Hormonersatztherapie kann diese Effekte nur teilweise auffangen. (Bild: © InsideCreativeHouse/stock.adobe.com) Laut einer neuen Studie der Universität Cambridge geht die Menopause mit einem verringerten Volumen der grauen Substanz in wichtigen Hirnregionen sowie mit verstärkten Angstzuständen, Depressionen und Schlafstörungen einher. Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Psychological Medicine“ veröffentlichte Studie ergab, dass eine Hormonersatztherapie (HRT) diese Auswirkungen offenbar nicht abmildert, obwohl sie den Rückgang der Reaktionszeit verlangsamen kann. Die Menopause wurde bereits mit kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Sprachdefiziten in Verbindung gebracht. Um den Auswirkungen der Menopause – insbesondere depressiven Symptomen und Schlafstörungen – entgegenzuwirken, wird vielen Frauen eine HRT verschrieben. In England erhielten im Jahr 2023 15 Prozent der Frauen diese Behandlung. Allerdings sind die Auswirkungen der Menopause und der anschließenden HRT-Anwendung auf das Gehirn, die Kognition und die psychische Gesundheit noch wenig erforscht. Daten von fast 1.250.000 Frauen mit einbezogen Um diese Frage zu beantworten, analysierten Forschende der Universität Cambridge Daten der UK Biobank von fast 125.000 Frauen. Diese wurden in drei Kategorien eingeteilt: prämenopausal, postmenopausal ohne vorherige Hormonersatztherapie (HRT) und postmenopausal mit HRT-Anwendung. Neben der Beantwortung von Fragebögen zu ihren Erfahrungen in den Wechseljahren, ihrer subjektiven psychischen Gesundheit, ihrem Schlafverhalten und ihrem allgemeinen Gesundheitszustand absolvierten einige Teilnehmerinnen kognitive Tests, darunter Gedächtnis- und Reaktionszeittests. Rund 11.000 Teilnehmerinnen unterzogen sich zudem einer Magnetresonanztomographie, um die Struktur ihres Gehirns zu untersuchen. Das durchschnittliche Alter bei Beginn der Wechseljahre lag bei den Teilnehmerinnen bei etwa 49,5 Jahren, während das durchschnittliche Alter bei Beginn der HRT-Behandlung bei etwa 49 Jahren lag. Die psychischen Auswirkungen der Menopause Frauen nach den Wechseljahren suchten häufiger als Frauen vor den Wechseljahren wegen Angstzuständen, Nervosität oder Depressionen Hilfe bei ihrem Hausarzt oder Psychiater und wiesen in Fragebögen zu Depressionssymptomen höhere Werte auf. Ebenso bekamen sie häufiger Antidepressiva verschrieben. Obwohl Frauen in der HRT-Gruppe im Vergleich zur Nicht-HRT-Gruppe stärkere Angstzustände und Depressionen aufwiesen, zeigte eine weitere Analyse, dass diese Symptomunterschiede bereits vor der Menopause bestanden. Die Forschenden vermuten, dass Hausärzte in manchen Fällen die HRT verschrieben, weil sie befürchteten, dass sich die Symptome durch die Menopause verschlimmern könnten. Frauen nach der Menopause berichteten häufiger über Schlaflosigkeit, weniger Schlaf und Müdigkeit. Frauen mit HRT fühlten sich von allen drei Gruppen am müdesten, obwohl sich ihre Schlafdauer nicht von derjenigen der Frauen nach der Menopause unterschied, die keine HRT einnahmen. Auch die Kognition nimmt ab Die Menopause schien auch Auswirkungen auf die Kognition zu haben. Postmenopausale Frauen, die keine Hormonersatztherapie HRT erhielten, reagierten langsamer als Frauen, deren Menopause noch nicht begonnen hatte oder die eine HRT anwendeten. Bei Gedächtnisaufgaben zeigten sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen. Dr. Katharina Zühlsdorff vom Fachbereich Psychologie der Universität Cambridge erklärt: „Mit zunehmendem Alter verlangsamen sich unsere Reaktionszeiten tendenziell – das ist ein natürlicher Teil des Alterungsprozesses und betrifft Frauen wie Männer. Stellen Sie sich vor, Sie werden in einem Quiz gefragt: Auch wenn Sie vielleicht auf die gleiche richtige Antwort kommen würden wie Ihr jüngeres Ich, würden jüngere Menschen zweifellos viel schneller darauf kommen. Die Menopause scheint diesen Prozess zu beschleunigen, während die HRT ihn anscheinend etwas verlangsamt.“ Dr. Christelle Langley von der Psychiatrischen Klinik erklärt: „Die meisten Frauen durchlaufen die Wechseljahre, und das kann ein einschneidendes Erlebnis sein, unabhängig davon, ob sie eine HRT anwenden oder nicht. Ein gesunder Lebensstil – beispielsweise Bewegung, sportliche Aktivität und eine gesunde Ernährung – ist in dieser Zeit besonders wichtig, um einige der Auswirkungen abzumildern. Wir alle müssen jedoch sensibler für die körperliche, aber auch für die psychische Gesundheit von Frauen in den Wechseljahren sein und erkennen, wenn es ihnen nicht gut geht. Es sollte kein Grund zur Scham sein, anderen von den eigenen Problemen zu erzählen und um Hilfe zu bitten.“ Verlust von Gehirnvolumen könnte anfälliger für Demenz machen Bei beiden Gruppen von Frauen nach den Wechseljahren stellten die Forschenden eine signifikante Verringerung des Volumens der grauen Substanz fest. Diese Veränderungen traten insbesondere im Hippocampus (zuständig für die Bildung und Speicherung von Erinnerungen), im entorhinalen Kortex (dem „Tor“ für den Informationsaustausch zwischen Hippocampus und dem Rest des Gehirns) und im anterioren cingulären Kortex (einem Teil des Gehirns, der bei der Emotionsregulation, Entscheidungsfindung und Konzentration beteiligt ist) auf. Prof. Barbara Sahakian, die leitende Autorin der Studie, fügt hinzu: „Die Hirnregionen, in denen wir diese Veränderungen beobachteten, sind häufig von Alzheimer betroffen. Die Menopause könnte diese Frauen später anfälliger für diese Krankheit machen. Dies erklärt zwar nicht die ganze Geschichte, könnte aber dazu beitragen, zu erklären, warum wir fast doppelt so viele Demenzfälle bei Frauen wie bei Männern beobachten.“ (lj/BIERMANN) Außerdem interessant zum Thema Menopause: Menopause: Höherer Gewichtsverlust durch Tirzepatid bei zeitgleicher Hormontherapie Reproduktive Faktoren beeinflussen das Demenzrisiko bei postmenopausalen Frauen mit Typ-2-Diabetes
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