Metaanalyse identifiziert Risikofaktoren für postoperative Opioidabhängigkeit

Sowohl soziale als auch psychologische Faktoren beeinflussen das Risiko, eine postoperative Opioidabhängigkeit zu entwickeln. (Symbolfoto: ©steheap/stock.adobe.com)

Vom postoperativen Schmerzmittel zur Abhängigkeit: Forschende aus den USA identifizieren zentrale Risikofaktoren für chronischen Opioidkonsum nach Operationen.

Viele Amerikaner kommen im Rahmen eines Routineeingriffs erstmalig in Berührung mit Opioiden. Während die meisten die Einnahme dieser Medikamente nach der Genesung beenden, entwickeln andere eine chronische Opioidabhängigkeit – sie nehmen die Medikamente also weit über die übliche Genesungsphase hinaus ein.

Metaanalyse identifiziert spezifische patientenbezogene Risikofaktoren

Welche Personen ein besonders hohes Risiko haben, eine chronische Opioidabhängigkeit zu entwickeln, untersuchten Wissenschaftler unter Leitung von Forschenden der University of Pennsylvania School of Nursing in Philadelphia (USA) anhand einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse. In der Fachzeitschrift „Pain Medicine“ berichten sie von vier spezifischen patientenbezogenen Risikofaktoren, die sie dabei identifiziert haben. Demnach erhöhen die Inanspruchnahme von Medicaid, die präoperative Einnahme von Benzodiazepinen, affektive Störungen und Angstzustände die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Opioidabhängigkeit nach einer Operation signifikant.

„Die Identifizierung von Risikopatienten vor dem ersten Schnitt ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen die Opioidkrise“, sagt die Hauptautorin und Doktorandin Yoonjae Lee. „Unsere Ergebnisse bieten Klinikern einen Leitfaden für gezielte Interventionen, um sicherzustellen, dass Hochrisikopatienten eine intensivere Überwachung und alternative Schmerztherapien erhalten.“

Medicaid-Empfänger und Benzodiazepin-Anwender besonders gefährdet

Durch eine sorgfältige Metaanalyse der Daten aus 27 hochwertigen Studien ermittelte das Forschungsteam gepoolte Odds Ratios, die quantifizieren, wie stark die einzelnen Faktoren mit der Wahrscheinlichkeit eines fortgesetzten Opioidkonsums (mehr als drei Monate der Operation) assoziiert sind. Dabei waren die Inanspruchnahme von Medicaid und die präoperative Anwendung von Benzodiazepinen mit einem um 77 Prozent erhöhten Risiko die stärksten Prädiktoren für die Entwicklung einer chronischen Opioidabhängigkeit. Patienten mit einer Vorgeschichte von Depressionen oder anderen affektiven Störungen hatten ein um 24 Prozent höheres Risiko für einen fortgesetzten Opioidkonsum und jene mit vorbestehenden Angststörungen ein um 17 Prozent höheres Risiko.

Plädoyer für ein ganzheitliches präoperatives Screening

Die Studienergebnisse unterstreichen laut den Autoren, dass der Status „Opioid-naiv“ keine alleinige Garantie für Sicherheit darstellt. Ihnen zufolge haben soziale Determinanten (wie die Art der Krankenversicherung) und psychologische Faktoren (wie Angstzustände) einen ähnlich großen Einfluss auf die Entwicklung einer langfristigen Opioidabhängigkeit wie der Eingriff selbst.

Daher plädieren die Forscher für einen umfassenderen Ansatz im präoperativen Screening. Sie hoffen, dass die Integration dieser datengestützten Erkenntnisse in die klinische Praxis dazu beiträgt, unerwünschte Folgen der perioperativen Schmerztherapie zu vermeiden und die Langzeitergebnisse für Patienten zu verbessern.

(ah/BIERMANN)