Metaanalyse zur isolierten diastolischen Hypertonie21. Dezember 2021 © Proxima Studio – stock.adobe.com (Symbolbild) Es ist umstritten, ob eine isolierte diastolische Hypertonie (IDH), wie in der Leitlinie des American College of Cardiology (ACC)/American Heart Association (AHA) von 2017 definiert (systolischer Blutdruck <130 mmHg, diastolischer Blutdruck ≥80 mmHg), mit kardivaskulären Erkrankungen (CVD) verbunden ist. Eine amerikanische Arbeitsgruppe prüfte in einer Metaanalyse daher eine mögliche Assoziation von IDH mit subklinischen CVD in Form einer Verkalkung der Koronararterien (CAC, gemessen mittels Calcium-Score), systolischer Hypertonie und CVD-Ereignissen. Im Ergebnis konnten sie keinen konsistenten Anstieg von CAC oder CVD durch eine IDH feststellen. Jedoch war die IDH mit dem Auftreten von systolischer Hypertonie assoziiert. Erstautor Dr. Alan P. Jacobsen vom Ciccarone Center for the Prevention of Cardiovascular Disease am Department of Medicine der Johns Hopkins Medical Institutions in Baltimore (USA) und Kollegen verwendeten für ihre Analyse eine multivariable bereinigte logistische Regression und Cox-Regression von Studiendaten der Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA). In einer Metaanalyse mit zufälligen Effekten zum Zusammenhang zwischen IDH und CVD-Ereignissen kombinierten sie die MESA-Ergebnisse mit denen aus 7 anderen zuvor veröffentlichten Kohortenstudien. Von den 5104 untersuchten MESA-Teilnehmenden hatten 7,5% eine IDH nach den ACC/AHA-Kriterien von 2017. Es bestand kein Zusammenhang zwischen IDH und CAC, wie die Forschenden im „European Heart Journal“ berichten. Zudem war IDH zwar mit dem Auftreten von systolischer Hypertonie assoziiert, es gab jedoch keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem Auftreten von CVD (HR 1,19; 95%-KI 0,77–1,84) oder Tod (HR 0,94; 95%-KI 0,65–1,36) über 13 Jahre in der MESA-Studie. In einer stratifizierten Metaanalyse von 8 Kohortenstudien (10.037.843 Teilnehmende) fanden die Forschenden nach der IDH-Definition von 2017 ebenfalls keine konsistente Assoziation mit CVD und das relative Ausmaß einer möglichen Assoziation stuften sie als numerisch gering ein. So reichten die bereinigten HRs je nach den bei der Stratifizierung angewandten Einschlusskriterien von 1,04 (95%-KI 0,98–1,10) bis 1,09 (95%-KI 1,03–1,15). Den Autoren zufolge deutet das Fehlen eines konsistenten Anstiegs von CAC oder CVD darauf hin, dass Erwachsene ≥ mittleren Alters, die die derzeitigen IDH-Kriterien erfüllen, keine medikamentöse Therapie benötigten, sondern eine Betonung eines gesunden Lebensstils ausreichend sei. Eine Nachuntersuchung auf eine neu auftretende systolische Hypertonie sei jedoch angebracht. Die Autoren betonen zudem, dass ihre Studienergebnisse möglicherweise nicht auf Erwachsene <40 Jahren übertragbar seien und dass in dieser Altersgruppe weitere Studien benötigt würden. Fazit In der Metaanalyse konnte kein konsistenter Anstieg von CAC oder CVD durch eine IDH feststellt werden. Jedoch war die IDH mit dem Auftreten von systolischer Hypertonie assoziiert. (ah) Autoren: Jacobsen AP et al. Korrespondenz: John W. McEvoy; [email protected] Studie: A cohort study and meta-analysis of isolated diastolic hypertension: searching for a threshold to guide treatment Quelle: Eur Heart J 2021;42(21):2119–2129. Web: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab111
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