Metastasiertes nichtklarzelliges Nierenzellkarzinom: Vorteil für Kombination von zytoreduktiver Nephrektomie und systemischer Therapie

Ärzte bei einer Nierenoperation. Foto: ©Алексей Доненко – stock.adobe.com

Die Kombination von zytoreduktiver Nephrektomie (CNT) und systemischer Therapie (ST) bietet in Bezug auf das Überleben von Patienten mit metastasiertem nichtklarzelligen RCC (non-ccmRCC). einen größeren Nutzen gegenüber den Einzelbehandlungen allein. Dies belegt eine aktuelle Analyse des Registers Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER).

Stefano Luzzago und Kollegen identifizierten in SEER zwischen 2006 und 2015 alle Patienten mit papillärem, chromophobem, sarkomatoidem und Sammelrohr-mRCC und ermittelten die geschätzte jährliche prozentuale Veränderung (EAPC) als Maß für zeitliche Trends. Zur statistischen Analyse dienten Kaplan-Meier-Plots und multivariable Cox-Regressionsmodelle.

Von 1573 Patienten mit Nicht-ccmRCC erhielten 22%, 25%, 25% und 28% keine Behandlung, ST, CNT bzw. eine Kombination aus CNT und ST. Zwischen 2006 und 2015 nahmen die Raten der mit CNT und der mit Kombinationstherapie behandelten Patienten ab (EAPC: -6,3% bzw. -3,2%). Umgekehrt wurden im Laufe der Zeit mehr Patienten gar nicht oder systemisch behandelt (EAPC: 4,6% bzw. 7,5%). In multivariablen Cox-Regressions­modellen waren im Vergleich zu keiner Behandlung ST (HR 0,5; p<0,001), CNT (HR 0,4; p<0,001) und CNT plus ST (HR 0,3; p<0,001) mit einer niedrigeren Gesamtmortilität (OM) verbunden.

Die histologischen Subtypen waren im Vergleich zum papillären RCC folgendermaßen mit der OM assoziiert:
• chromophob: HR 0,7; p<0,01
• sarkomatoid: HR 2,1; p<0,001
• Sammelrohr-RCC: HR 1,9; p<0,001.

Die meisten Patienten mit non-ccmRCC werden also mit einer Kombination von CNT und ST, mit CNT allein oder mit ST allein behandelt. Eine alleinige ST wird zunehmend eingesetzt, während eine reine CNT und eine Kombinationstherapie weniger verwendet werden. CNT plus ST sowie CNT allein erreichten im Vergleich zu ST allein oder keiner Behandlung die niedrigste absolute OM.

Diskrepanz zwischen retrospektiven und prospektiven Daten

Für Prof. Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, zeigt diese Studie “wieder einmal, dass die zytoreduktive Nephrektomie die Überlebenszeit der betroffenen Patienten verlängert”. Der Herausgeber von “Kompakt Urologie” ordnet die Ergebnisse in bisherige retrospektive und prospektive Untersuchungen und seine klinische Erfahrung ein: “Es ist nicht die erste retrospektive Arbeit, die solches zeigt, während alle prospektiven Studien zum gegenteiligen Ergebnis kommen. Das Paradoxon bleibt also bestehen. Vom klinischen Bauchgefühl her wäre ich selbst, auch wenn ich die Überlegenheit prospektiver Daten niemals in Abrede stellen würde, hier eher auf der Seite der retrospektiven Daten. Die Diskussion der kritischen Punkte hat aber auch zu einer Relativierung der primären Aussagen der beiden prospektiven Studien geführt.”

(ms)