Metastasiertes Urothelkarzinom: Sinkende membranöse Nectin-4-Expression mit Therapieresistenz gegen Enfortumab Vedotin verbunden

Enfortumab Vedotin ist ein Konjugat aus einem Antikörper und einem zytotoxischen Wirkstoff. Grafik: huenstructurebio.com – stock.adobe.com

Die membranöse Nectin-4-Expression nimmt während der Metastasierung des Urothelkarzinoms häufig ab und ist mit einer Resistenz gegen Enfortumab Vedotin (EV) verbunden. Dies hat eine deutsche Forschergruppe herausgefunden und plädiert daher für eine Nectin-4-Bestimmung vor EV-Therapie.

Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat EV setzt durch Bindung an den Membranrezeptor Nectin-4 einen zytotoxischen Wirkstoff in Tumorzellen frei. EV wurde kürzlich für Patienten mit metastasiertem Urothelkarzinom (mUC) ohne vorherige Beurteilung des Tumorrezeptorstatus zugelassen, da von einer ubiquitären Nectin-4-Expression ausgegangen wird. Ziel der Forscher um Dr. Niklas Klümper vom Universitätsklinikum Bonn war es, die Prävalenz der membranösen Nectin-4-Expression in Primärtumoren (PRIM) und zum gleichen Patienten gehörenden Fernmetastasen (MET) zu bestimmen.

Die Wissenschaftler maßen die membranöse Nectin-4-Epression mittels Immunhistochemie in PRIM und MET jeweils desselben Patienten (n=137) und in einer multizentrischen EV-behandelten Kohorte (n=47). Sie bewerteten das progressionsfreie Überleben (PFS) nach Beginn der EV-Behandlung für die Untergruppe mit fehlender oder schwacher Nectin-4-Expression (H-Score 0–99) im Vergleich zu der Subgruppe mäßiger oder starker Expression (H-Score 100–300).

In der untersuchten Kohorte nahm die membranöse Nectin-4-Expression während der Metastasierung signifikant ab (Wilcoxon-gematchte Paare p<0,001; medianer H-Score 40; Interquartile Range 0–140), wobei 39,4% der MET keine membranöse Nectin-4-Expression aufwiesen. In der multizentrischen, mit EV behandelten Kohorte war eine fehlende oder schwache membranöse Nectin-4-Expression (34,0% der Kohorte) mit einem signifikant verkürzten PFS unter EV assoziiert (Log-Rank-p<0,001).

„Zu beachten ist, dass der klinische Nutzen von EV stark von der membranösen Nectin-4-Expression abhängt“, betonen Klümper und Kollegen. „Daher sind unsere Ergebnisse von höchster klinischer Relevanz, sprechen für eine kritische Überprüfung der derzeitigen Praxis und legen nahe, dass der Nectin-4-Rezeptorstatus (idealerweise bei einer metastasierten/progredienten Läsion) vor Beginn der EV-Therapie bestimmt werden sollte.“

(ms)