MFT und AWMF treiben Weiterentwicklung des Medizinstudiums voran

Foto: luckat/stock.adobe.com

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) haben Ideen zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums. Beide Verbände fordern, zentrale Verbesserungen nicht länger aufzuschieben.

Eine politische Entscheidung zur Verankerung der Ziele des Masterplans Medizinstudium 2020 in der Ärztlichen Approbationsordnung ist an Uneinigkeiten über die Finanzierung und die konkrete Umsetzung gescheitert. Aus der Politik gebe seit Monaten keine Bewegung mehr. Der Bedarf, das Medizinstudium weiterzuentwickeln, bestehe jedoch fort, konstatierten MFT und AWMF. Vor diesem Hintergrund veröffentlichen die Verbände Empfehlungen, wie zentrale Masterplanziele auch innerhalb der derzeit geltenden Approbationsordnung umgesetzt werden können.

„Wir können es uns nicht leisten, weitere Jahre auf politische Entscheidungen zu warten. Die veränderte Versorgungsrealität und die gesellschaftlichen Anforderungen lassen dies nicht zu. Wir setzen daher eigene Impulse zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums“, hob Prof. Martina Kadmon, Präsidentin des MFT, hervor. Mit den Empfehlungen können die Medizinischen Fakultäten ihr Curriculum jetzt eigenverantwortlich anpassen. Die Vorschläge ersetzten jedoch keine Reform der Approbationsordnung, mit der für die genannten Ziele eine höhere Verbindlichkeit erreicht und weitere Ziele adressiert werden könnten, so die Einschätzung von MFT und AWMF. Für eine solche Reform wären weiterhin zusätzliche finanzielle Mittel für die Medizinischen Fakultäten erforderlich.

Empfehlungen zur strukturellen Weiterentwicklung des Medizinstudiums

MFT und AWMF sind sich einig, dass bestimmte Punkte priorisiert werden sollten. Das sind:

  • ein longitudinales Curriculum zum wissenschaftlichen Denken und Handeln einschließlich eines Leistungsnachweises
  • ein erleichterter Zugang zu ambulanten Lehr- und Lernangeboten sowie deren Stärkung (einschließlich der Nutzung bestehender Möglichkeiten in Famulatur und Praktischem Jahr (PJ))
  • die Vermittlung und Prüfung praktischer Kompetenzen, die für Famulatur und PJ relevant sind, z.B. in Form von Parcoursprüfungen
  • verbesserte Lehr- und Lernbedingungen im PJ
  • die Weiterentwicklung schriftlicher Staatsexamensprüfungen – einschließlich der Unterstützung der digitalen Transformation und eines bestmöglichen Constructive Alignment, damit Lehre und Prüfungen konsequent zusammenpassen.

Zusätzlich sollten neue relevante Themen – wie zum Beispiel Katastrophenmedizin oder Digitalität in der Medizin – im Rahmen der Weiterentwicklung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) integriert werden, so die Empfehlung von MFT und AWMF. Der NKLM wird durch die Medizinischen Fakultäten in Zusammenarbeit mit der AWMF entwickelt und durch den MFT koordiniert. 

Weiterentwicklung des Medizinstudiums soll Fortschritt und Versorgung nachhaltig sichern

Aus Sicht der AWMF ist wissenschaftliche Kompetenz eine unverzichtbare Grundlage ärztlichen Handelns. Nur so ließen sich medizinischer Fortschritt, Leitlinienarbeit und qualitativ hochwertige Patientenversorgung nachhaltig sichern. „Wissenschaftliches Denken und Handeln muss daher expliziter als bislang Gegenstand des Studiums sein. Diesbezügliche Kompetenzen sollten noch vor Beginn einer Dissertation in Form einer wissenschaftlichen Projektarbeit nachgewiesen werden“, betonte Prof. Treede, Präsident der AWMF.

Mit ihrem gemeinsamen Vorgehen, bei dem sich beratend auch das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland eingebracht haben, senden MFT und AWMF ein deutliches Signal an Politik und Gesellschaft: Eine nachhaltige Weiterentwicklung des Medizinstudiums wird ohne politische Unterstützung nicht möglich sein.