MHH: Neuer OP-Roboter dank Großspenden18. März 2026 Die HTTG-Chirurgen zeigen den Sponsoren den OP-Roboter (v. l.): Tobias Goecke, Raoul Roßmann, Dirk Roßmann, Arjang Ruhparwar, Bastian Schmack, Markus Schmieta und Günes Dogan. (Foto: ©Karin Kaiser/MHH) Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) konnte dank zwei millionenschwerer Zuwendungen einen weiteren OP-Roboter in Betrieb nehmen. Der Da Vinci SP steht den Operationsteams der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie zur Verfügung. Der Da Vinci SP ist der erste OP-Roboter dieses Typs in Deutschland. Die Kosten in Höhe von rund drei Millionen Euro trugen das Unternehmen Rossmann und die Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung mit Spenden von jeweils 1,5 Millionen Euro gemeinsam. Darüber hinaus finanzierte Rossmann mit zusätzlichen 300.000 Euro die Leihgebühr für ein Jahr für einen weiteren OP-Roboter in der Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (PÄHW). Das teilte die MHH mit. Dankbarer Patient Dirk Roßmann Hinter der Spende von Rossmann steckt ein persönlicher Beweggrund des Gründers Dirk Roßmann. Er wurde im Januar 2025 in der HTTG-Klinik von Klinikdirektor Prof. Arjang Ruhparwar am Herzen operiert. Eigentlich war er davon ausgegangen, es müsse nur ein Stent in ein Herzkranzgefäß gesetzt werden. Doch die Voruntersuchungen zeigten, dass es damit nicht getan sein würde. So bekam der Unternehmer bei einem Eingriff am offenen Herzen vier Bypässe. Es folgte die weitere Therapie auf der Intensiv- und der Normalstation sowie drei Wochen Reha. „Das war keine schöne Zeit“, erinnert sich der 79-Jährige. „Besonders das Fahrradfahren während der Reha habe ich gehasst. Ich spiele lieber Tennis oder Tischtennis.“ Doch das Training lohnte sich. Heute fühlt sich Roßmann wieder fit und ist dankbar, dass alles gut gegangen ist. Seine Spende folgt dabei einem einfachen Prinzip, das auch das Engagement seines Sohnes Raoul Roßmann für die Region Hannover prägt: pragmatische Hilfe, damit Patientinnen und Patienten die Chance auf eine bestmögliche medizinische Versorgung erhalten. Nach erfolgreicher OP eine Stiftung gegründet Bei der zweiten Spenderin, der Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung, spielen persönliches Erleben und Dankbarkeit ebenfalls eine Rolle. In diesem Fall liegt das konkrete Ereignis zwar weiter zurück, wirkt aber bis in die Gegenwart hinein. Die Stiftung wurde Ende der 80er Jahre von dem Ehepaar Hildegard Braukmann und Albert Wittenberg zur Förderung der Herz-Kreislauf-Forschung an der MHH gegründet. Der Hintergrund: Albert Wittenberg wurde 1982 in der MHH an einer Herzklappe operiert. „Die OP hat es ihm ermöglicht, noch bis 1990 im eigenen Unternehmen tätig zu sein und weitere acht glückliche Jahre mit seiner Ehefrau zu verbringen“, berichtet Markus Schmieta, stellvertretender Vorsitzender der Braukmann-Wittenberg-Herz-Stiftung. Das Ehepaar leitete lange Jahre das Kosmetik-Unternehmen Hildegard Braukmann – es ist genauso wie das Unternehmen Rossmann in Burgwedel ansässig. In den vergangenen Jahrzehnten spendete die Stiftung viele Millionen für MHH-Projekte rund um die Herzgesundheit. So finanzierte sie beispielsweise mit 13 Millionen Euro den Bau des 2008 eröffneten Hans-Borst-Zentrums für Herz- und Stammzellforschung. Mit der Spende für den OP-Roboter unterstützt die Stiftung nicht nur die moderne Patientenversorgung, sondern fördert auch Forschung und Lehre in der Herzmedizin. Komplexe minimalinvasive Eingriffe durch nur eine Öffnung Bei dem neuen OP-Roboter in der HTTG-Klinik handelt es sich um das OPerationssystem Da Vinci SP. Die Buchstaben SP stehen für Single Port. „Im Unterschied zu anderen robotischen Systemen ist bei diesem Gerät nur ein einziger, etwa drei Zentimeter langer Schnitt zur Durchführung der Operation notwendig“, erklärt Klinikdirektor Ruhparwar. Über diese eine Öffnung bringen die Chirurgen und Chirurginnen eine Videokamera und drei robotische Instrumentenarme gleichzeitig ins Innere der Brusthöhle. Erst dort werden die einzelnen Arme voneinander abgespreizt. „In der Herzchirurgie werden wir das neue System zunächst im Rahmen von Bypass-Operationen bei der Präparation der Brustbeinarterie einsetzen. Später wird sich das Einsatzspektrum des Gerätes sicher noch erweitern“, sagt Ruhparwar. Die Ein-Schnitt-Technik bedeutet für die Patientinnen und Patienten ein geringeres Trauma und eine schnellere Genesung. Ruhparwar rechnet damit, dass der da Vinci SP in der Anfangsphase etwa 100-mal pro Jahr in der Herz- und Thoraxchirurgie zum Einsatz kommen wird. Die Operationsteams der HTTG verfügen bereits über Erfahrungen mit robotergestützten Operationssystemen, das neue Gerät ist aber das erste eigene der Klinik. Weitere Rossmann-Spende für OP-Roboter in der Mikrochirurgie Gute Erfahrungen mit Operationsrobotern haben auch die chirurgischen Teams der Klinik für PÄHW bereits gemacht. Viele Eingriffe in dieser Klinik bewegen sich im Bereich der Mikrochirurgie – Millimeterarbeit, bei der unter einem extrem stark vergrößernden Mikroskop feinste Nerven und Gefäße genäht werden. Für die PÄHW-Klinik stellte Rossmann mit einer weiteren Spende von 300.000 Euro die Leihgebühren für einen mikrochirurgischen OP-Roboter zur Verfügung. Dank dieser Summe kann die PÄHW ein Jahr lang ein modernes Symani-Operationssystem nutzen. „Das Gerät verfügt über eine neue Instrumentengeneration. Sie umfasst nun auch Scheren zur Gewebepräparation“, erläutert Prof. Peter Maria Vogt, Direktor der PÄHW-Klinik. Das neue System deckt nicht nur die gesamte Mikrochirurgie der Nerven und Gefäße ab. „Es stellt darüber hinaus die Schlüsseltechnologie für das neue Gebiet der Lymphchirurgie dar“, betont Vogt. Lymphchirurgische Eingriffe werden beispielsweise bei Lymphsystemstörungen nach Krebsbehandlungen vorgenommen. Die Strukturen des Lymphsystems sind extrem fein und konnten bis vor wenigen Jahren überhaupt nicht operiert werden. Robotergestützte OP-Technik auf dem Vormarsch Die minimalinvasive robotergestützte Operationstechnik hat generell viele Vorteile. Die Patientinnen und Patienten profitieren von weniger postoperativen Komplikationen, einer schnelleren Wundheilung und einem kürzeren Krankenhausaufenthalt. Aber auch für die Operierenden bieten robotische Systeme eine Reihe von Pluspunkten: So wird beispielsweise das Operationsfeld perfekt ausgeleuchtet und auf dem Bildschirm in 3D und vielfacher Vergrößerung dargestellt. Außerdem sind gute ergonomische Bedingungen gegeben, da die Eingriffe im Sitzen durchgeführt werden können. Darüber hinaus gleicht ein Tremorfilter jedes Zittern und jede ungewollte Bewegung der Hände aus. In der MHH sind aktuell insgesamt vier OP-Roboter im Einsatz. Außer in der HTTG und PÄHW werden sie auch in der Viszeralchirurgie, der Gynäkologie und der Urologie genutzt. OP-Roboter sind aus modernen Operationssälen nicht mehr wegzudenken, sie werden die Chirurgie nachhaltig verändern – davon sind Ruhparwar und Vogt überzeugt.
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