MHH unterstützt Perinatalzentrum in der Ukraine

Im Operationssaal des Perinatalzentrums Lwiw: Die Zentrumsleiterin Dr. Maria Malachynska (rechts) zeigt Dr. Mariana Tsap (links) und Prof. Halyna Shcherbata (Mitte) von der MHH das neue 4D-Laser-Hysteroskopie-System. Copyright: Perinatalzentrum Lwiw

Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde in der westukrainischen Stadt Lwiw ein Labor für moderne genetische Diagnostik für Neugeborene aufgebaut.

Seltene Erkrankungen sind meist erblich bedingt. Sie verlaufen oft schwer, sind chronisch und lebensverkürzend. Eine möglichst frühe Diagnose, etwa durch genetische Analysen, kann existenziell sein. Doch nicht überall gehören solche Untersuchungen zum diagnostischen Standard. Auch im Perinatalzentrum in Lwiw sind diese Möglichkeiten noch relativ neu.

Das neue Projekt gehört zum Förderprogramm „Klinikpartnerschaften“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ investiert rund 1,2 Millionen Euro in das Vorhaben.

Größtes Perinatalzentrum in der Westukraine

Das Perinatalzentrum in Lwiw ist nach Angaben der MHH die größte Klinik dieser Art im Westen der Ukraine. Das Perinatalzentrum in Lwiw gibt es bereits seit 38 Jahren. Wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine fliehen viele schwangere Frauen in den Westen des Landes und bringen dort ihr Kind zur Welt. 2024 wurden dort rund 6000 Kinder geboren.

„Bestand bei einem Neugeborenen der Verdacht auf eine seltene genetisch bedingte Erkrankung, mussten die Proben zur genetischen Diagnostik in die USA geschickt werden. Das war umständlich und sehr teuer“, beschreibt Prof. Halyna Shcherbata die frühere Situation in Lwiw. Sie arbeitet am MHH-Institut für Zellbiochemie und koordiniert die deutsch-ukrainische Klinikpartnerschaft. Gemeinsam mit Kollegen des Instituts für Humangentik, der Pädiatrischen Stoffwechselmedizin, der Pädiatrischen Mukoviszidose-Ambulanz sowie mit großer Unterstützung des MHH-Präsidiums gelang es, in enger Kooperation mit den Fachleuten vor Ort die genetische Diagnostik in Lwiw auf neue Beine zu stellen.

Exomsequenzierung im Fokus

Nachdem das Projekt 2023 gestartet war, konnten 2024 schon die ersten Untersuchungen per Next-Generation-Sequencing (NGS) durchgeführt werden. Beim NGS handelt es sich um ein modernes Verfahren zur schnellen, kostengünstigen und detaillierten Entschlüsselung genetischer Informationen. In dem neuen Labor konzentrieren sich die Fachleute auf die Exomsequenzierung. So können im Perinatalzentrum schon in den ersten Lebenstagen seltene erbliche Erkrankungen diagnostiziert und behandelt werden, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

„Wenn unsere klinische Exomsequenzierung unzureichende Ergebnisse liefert, schicken wir DNA-Proben zur umfassenderen Genomanalyse in die MHH.“ erklärt Dr. Maria Malachynska, Leiterin des Perinatalzentrums.

Die Kooperation zwischen Lwiw und Hannover gehe aber noch darüber hinaus. Die Einrichtungen kümmern sich nicht nur gemeinsam um die Ausrüstung und die Infrastruktur des Labors, sondern auch um die Ausbildung des Fachpersonals, betont die MHH. Vier Laborexperten, eine Molekularbiologin und eine Kinderärztin waren bereits zu umfassenden Schulungen an der MHH.

Weitere Zentren im Land sollen profitieren

Aus der Klinikpartnerschaft ist mittlerweile ein großes Kooperationsnetzwerk geworden. Das regionale Neugeborenen-Screening-Zentrum am Perinatalzentrum Lwiw teilt seine neuen Analysemöglichkeiten auch mit anderen ukrainischen Screening-Zentren, die kein NGS-Labor haben, und baut so ein landesweites Netzwerk für genetische Diagnostik und Kompetenzen auf. Das Team nimmt an internationalen Konferenzen und Forschungsprojekten teil und arbeitet daran, die genetische Diagnostik in der Ukraine weiter auszubauen, so die MHH.

Neben der genetischen Diagnostik konnten durch die Klinikpartnerschaft im Perinatalzentrum zwei weitere Maßnahmen realisiert werden: Zum einen wurde ein weiteres Labor eingerichtet, in dem Blutproben von Neugeborenen auf nicht genetische Hormon- und Stoffwechselerkrankungen untersucht werden können. Auch dieses Labor arbeitet mit anderen Laboren in der Ukraine zusammen. Zum anderen wurde ein 4D-Laser-Hysteroskopie-System installiert, mit dem die Chirurgen komplexe offene und minimalinvasive gynäkologische Eingriffe vornehmen können. Außerdem können mit dem System Verklebungen und Verwachsungen in der Gebärmutter behandelt sowie fruchtbarkeitsrelevante Strukturen rekonstruiert werden, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.