Michel erwartet PSA-Konsens im November

DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel. Foto: Schmitz

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), Prof. Maurice Stephan Michel, glaubt, dass der Konflikt um den PSA-Test im Herbst beigelegt werden kann.

Das sagte Michel in seinem Vortrag zum Thema “PSA im Spannungsfeld zwischen Medizin und Patient” im Rahmen des Forums “Prostatakarzinom -Prävention und Screening” auf dem virtuellen 72. DGU-Kongress in Leipzig.

Es sei ein “Geburtsfehler” gewesen, dass sich das Interesse am PSA so sehr auf ein populationsbasiertes Screening bezogen habe, begann Michel sein Referat. “Jetzt wollen wir kein Screening mehr”, so die Umkehr die einst Screening-begeisterten Urologen.

Große Studien wie die PLCO-Studie hätten unter Kontaminationsproblemen gelitten, erinnerte der DGU-Generalsekretär, bezog diese Aussage aber nicht allein auf diese viel kritisierte US-amerikanische Studie. Die Urologen seien in der PSA-Thematik inzwischen “links und rechts überholt worden”, so sein Fazit.

In den USA habe man seinerzeit aufgrund der PLCO-Studie vom PSA-Test abgeraten, inzwischen empfiehlt man wieder, ihn dem “informierten Patienten” anzubieten (wir berichteten). Vor- und Nachteile müssten dabei sorgfältig abgewogen werden. Studien hätten gezeigt, so Michel, dass die psychische Belastung durch die PSA-Bestimmung nicht so hoch sei wie angenommen.

Im Streit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das jede Form des PSA-Screenings nach wie vor ablehnt (wir berichteten), gehe die DGU “sehr ruhig an die Thematik” und versuche, sich aus der Polemik herauszuhalten.

Michels Hoffnung liegt jetzt beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), an den das IQWiG berichtet. “Der G-BA liest nicht nur die Berichte des IQWiG, sondern auch die Stellungnahmen der Fachgesellschaften”, erinnerte der Generalsekretär. Die DGU habe mit über 20 Fachgesellschaften eine gemeinsame Stellungnahme pro PSA verfasst.

“Es sieht so aus, dass wir im November die Wende erreichen werden”, sagte Michel. Sehr wichtig sei dabei die Unterstützung durch die European Association of Urology (EAU) gewesen. “Ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst das Blatt gewendet bekommen”, bekräftigte er. Es gebe keinen Grund, weitere Studien abzuwarten. “Die Patienten wollen wissen, woran sie sind.”

Prof. Peter Albers, der dem Forum vorsaß, erinnerte an die verschiedenen Blickwinkel der Patienten und des IQWiG. “Das IQWiG sieht den potenziellen Schaden des Tests, aber der Patient möchte vor allem wissen, dass er keinen Krebs hat” – in wissenschaftlichem Terminus: Der negativ prädiktive könne durch richtige Anwendung des PSA-Tests erhöht werden. “Das ist die Sicht der Dinge, die nicht genug kommuniziert wird: den Patienten vor Schaden zu bewahren.”

(ms)