microRNA entdeckt vitales Seminom vor Lymphknotenausräumung – mit einer Einschränkung23. Juni 2023 microRNAs sind kleine einzelsträngige, nichtkodierende RNA-Moleküle, die bei der RNA-Stummschaltung und der posttranskriptionellen Regulierung der Genexpression eine Rolle spielen. Grafik: Love Employee – stock.adobe.com Die microRNA (miR) 371a-3p als Tumormarker kann dabei helfen, bei Seminompatienten vor der retroperitonealen Lymphknotendissektion (RPLND) zu erkennen, ob metastasiertes reines Seminom vorliegt – allerdings nur bei chemonaiven Patienten. Dies berichtet eine US-amerikanische Forschergruppe im Journal „Andrology”. Das Problem: Herkömmliche Serumtumormarker für testikuläre Keimzelltumoren bieten nur eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit mit insbesondere schlechter Sensitivität bei minimaler Resterkrankung und reinem Seminom. Es gibt zwar zunehmend Evidenz dafür, dass miR-371a-3p ein überlegener Biomarker ist, jedoch ist ihre Bedeutung für den Nachweis reiner Seminome bei Rezidiven bisher nicht umfassend untersucht worden. Diese Lücke wollten die Wissenschaftler um Aditya Bagrodia von der University of California in San Diego (USA) mit ihrer Studie füllen. Dazu isolierten sie zunächst die RNA aus Patientenserumproben, die vor deren RPLND entnommen worden waren. Basierend auf der pathologischen Bestätigung eines lebensfähigen Seminoms ordneten sie dann 15 Patienten der „benignen“ (n=6) oder der „Seminom“-Gruppe (n=9) zu. 5 Patienten erhielten eine Chemotherapie vor RPLND (PC-RPLND) und 10 waren Chemotherapie-naiv. Die miR-371a-3p-Expression wurde mittels RT-quantitativer Polymerase-Kettenreaktion quantifiziert. Die Cq-Werte wurden statistisch ausgewertet, um Performance-Messungen zu erhalten. Die mittlere relative Expression von miR-371a-3p war in der Seminom-Gruppe höher als in der benignen Gruppe, aber dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant (Rq = 3705 bzw. 241; p=0,2844). Von den 10 Chemotherapie-naiven Patienten hatten 9 lebensfähige Seminome bei RPLND und 7 hatten eine erhöhte miR-371a-3p-Expression. Unter den 5 Patienten nach Chemotherapie hatte keiner einen lebensfähigen Keimzelltumor bei RPLND und 2 hatten eine erhöhte miR-371a-3p-Expression. Die Gruppe mit primärer RPLND wies eine Sensitivität von 78% und eine Spezifität von 100% auf. Die Spezifität in der Post-Chemotherapie-RPLND-Gruppe betrug 60%. Ein optimaler Rq-Schwellenwert von 28,62 wurde mittels Youden’s-J-Statistik bestimmt, was eine Sensitivität von 78% und eine Spezifität von 67% ergab. Die Analyse der Receiver Operating Characteristic ergab eine Fläche unter der Kurve von 0,704 (95%-KI 0,43–0,98; p=0,1949). Trotz mittelmäßiger Performance zeigte miR-371a-3p eine verbesserte Sensitivität und Spezifität im Vergleich zu herkömmlichen Serumtumormarkern. Fazit: miR-371a-3p übertraf die herkömmlichen Serumtumormarker bei Patienten mit primärer RPLND, jedoch war sie kein robuster Prädiktor für die Pathologie bei Patienten mit RPLND nach Chemotherapie. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass ein reines Seminom bei RPLND ein klinischer Kontext ist, bei dem der miRNA-Assay möglicherweise weiter verfeinert werden muss“, vermuten die Autoren. (ms)
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