Migräne: Neue Medikamente revolutionieren Therapie und Vorbeugung

Aussenansicht des Congress Center Rosengarten. Foto: ©mcon/Ben van Skyhawk

Vom 19. bis 22. Oktober findet der diesjährige Deutsche Schmerzkongress in hybrider Form im Mannheimer Congress Center Rosengarten statt. Ein Schwerpunkt werden CGRP-basierte Therapien und ihre neuesten Möglichkeiten für die weitere Anwendung bei Migräne sein.

Täglich erleiden etwa 350.000 Menschen in Deutschland Migräneattacken. Die Kopfschmerzerkrankung schränkt Betroffene in fast allen Lebensbereichen ein und verursacht jährlich über 100.000 Ausfalltage am Arbeitsplatz. Doch eine neue, moderne Therapie-Option verspricht, Migräneattacken rechtzeitig zu vermeiden – ohne die Nebenwirkungen bisheriger Mittel. Therapien, die auf dem Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) basieren, nehmen in der Migränebehandlung und -prophylaxe mittlerweile eine Vorreiterrolle ein, sagen Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG).

Das Molekül CGRP spielt bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Chronifizierung der Migräne eine bedeutsame Rolle. „Zahlreiche Studien zeigen, dass CGRP und CGRP-Rezeptoren an nahezu allen wichtigen Prozessen der Migräne direkt oder indirekt beteiligt sind“, erklärt Dr. Robert Fleischmann, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Greifswald. Werden das CGRP oder sein Rezeptor blockiert, kann der Migräneschmerz ausgeschaltet werden. Für Patientinnen und Patienten mit episodischer und chronischer Migräne sind die CGRP-basierten Therapien somit eine revolutionäre Möglichkeit zur Vermeidung von Migräne.

„In der Akutbehandlung wird die Freisetzung von CGRP schon seit Jahren indirekt erfolgreich mit sogenannten Triptanen verhindert. Die Weiterentwicklung der Gepante-Medikamente, die das CGRP direkt blockieren, erlebte zunächst einen Rückschlag durch eine erhebliche Leberschädigung“, erklärt Fleischmann. In der Folge wurden neue Wege der gezielten Blockade des CGRP-Signalwegs gesucht und gefunden: Mittlerweile stehen monoklonale Antikörper als nebenwirkungsarme Alternative zur Verfügung. Sie unterdrücken entweder das CGRP selbst oder den CGRP-Rezeptor und wirken so prophylaktisch.

„Auf dem deutschen Markt gibt es mittlerweile vier Antikörper, die meist innerhalb der ersten zwei Behandlungswochen zu einer deutlichen Verbesserung der Migräneattacken führen und dazu kaum Nebenwirkungen haben“, sagt Fleischmann. In der Zwischenzeit wurde eine neue Generation Gepante entwickelt, deren Anwendung in der Praxis mit Spannung erwartet wird. Neueste Erkenntnisse dazu werden auch beim Schmerzkongress in Mannheim vorgestellt.

„Interessant bleibt, ob CGRP-basierte Signalwege auch bei anderen Kopfschmerzarten oder sogar anderen chronischen Schmerzerkrankungen eine therapeutische Rolle spielen können“, sagt Fleischmann. Dies sei Gegenstand mehrerer Studien. Für den Cluster-Kopfschmerz liegen bereits erste Ergebnisse vor, die den Experten vorsichtig optimistisch stimmen.