Mikroben auf Mikroskop-Okularen: Das kann ins Auge gehen…10. Juni 2020 Foto: © Hochschule Furtwangen An der Hochschule Furtwangen haben Wissenschaftler untersucht, inwieweit Mikroskope mögliche Überträger von Infektionserregern sein können. „Wir wollten unsere Mikroskope einmal nicht als Hilfsmittel zum Beobachten von Mikroorganismen nutzen, sondern ihre Rolle als potenzielle Überträger von Infektionserregern näher untersuchen. Über diesen Aspekt war bislang kaum etwas bekannt“, erläutert Studienleiter Prof. Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen Mikrobiologie und Hygiene lehrt. Im Fokus standen dabei die Okulare der Mikroskope, da sie besonders intensiven Kontakt mit den Händen und Augen eines Benutzers haben. Für die Studie wurden die Okulare von zehn Mikroskopen aus einem Hochschullabor unmittelbar nach einem Praktikumskurs beprobt. Von allen linken Okularen und Augenmuscheln wurden Bakterien und Pilze auf verschiedenen Nährmedien kultiviert, alle rechten Okulare und Augenmuscheln wurden umfassend molekularbiologisch untersucht. Die Untersuchungen erfolgten vor und nach einer 30-sekündigen Reinigung mit 70-prozentigem Isopropanol.„Wir konnten Spitzenwerte von bis zu 1700 lebenden Bakterien pro Quadratzentimeter nachweisen, darunter vor allem typische Hautbakterien wie Cutibakterien und Staphylokokken, aber auch Umwelt- und Wasserbakterien wie Parakokken. Pilze haben wir nicht gefunden“, berichtet Studienleiter Egert. Die molekularbiologischen Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse weitgehend; insgesamt wurden 262 verschiedene Gattungen von Bakterien auf den untersuchten Okularen identifiziert. Mit Staphylococcus epidermidis, Paracoccus yeei, Cutibacterium acnes und Brevibacterium casei wurden auch vier potenziell pathogene Bakterien von den Okularen isoliert, die bei empfindlichen Menschen unter anderem Augenerkrankungen wie Keratitis oder Augenlidentzündungen hervorrufen können. „Mikroskop-Okulare haben also durchaus Potenzial, als Überträger von Infektionserregern zu fungieren. Die gute Nachricht: Eine Reinigung mit Isopropanol reduzierte die Keimbelastung deutlich um 99 Prozent. Sie sollte regelmäßig durchgeführt werden, insbesondere wenn verschiedene Personen dasselbe Mikroskop benutzen“, fasst Egert zusammen.Die neue Studie wurde durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen, der Universität Tübingen und der Carl Zeiss Vision International GmbH, Aalen, erstellt und im Rahmen des CoHMed(Connected Health in Medical Mountains)-Projektes der Hochschule Furtwangen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (Förderkennzeichen 13FH5I02IA). Erschienen ist sie im „Journal of Clinical Medicine“ mit dem Titel „Eye-Catching Microbes – Polyphasic Analysis of the Microbiota on Microscope Oculars Verifies Their Role as Fomites“. Originalpublikation: Birgit Fritz et al. Eye-Catching Microbes – Polyphasic Analysis of the Microbiota on Microscope Oculars Verifies Their Role as Fomites. J Clin Med 2020;9(5):1572. https://doi.org/10.3390/jcm9051572
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