Mikrosatelliten-Instabilität bei Darmkrebs13. März 2024 Foto: © Saiful52 – stock.adobe.com Die Mikrosatelliten-Instabilität (MSI) ist ein genetischer Marker, der in jüngster Zeit zunehmend an Bedeutung für die Behandlung von Darmkrebs gewonnen hat. Inzwischen wird kaum ein Biomarker in der Onkologie so breit klinisch angewendet wie die Bestimmung des Mikrosatellitenstatus. Prof. Jens Neumann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Gastroenteropathologie in der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), hat sich nun in einem Interview zur MSI geäußert und warum der Marker so einen Aufschwung erlebt. Ist dieser Marker etwas Neues? Neumann: „Nein, so kann man das nicht sagen. MSI-Testungen gibt es bereits eine Weile, ursprünglich aber nur bei Verdacht auf erblich bedingten Darmkrebs, auch Lynch-Syndrom genannt. Später lernten wir, dass die MSI bei allen Dickdarmtumoren Prognosen über den Krankheitsverlauf erlaubt. Zum Bei-spiel ist für Menschen mit Darmkrebs die Mikrosatelliten-Instabilität de facto eine gute Nachricht für den Krankheitsverlauf: Es bestehen bessere Chancen für das Ansprechen auf bestimmte Therapieformen, und es entwickeln sich seltener Fernmetastasen. Trotzdem war die MSI-Testung lange ein Nischenthema, eine Spezialdiagnostik. Das ist heute grundlegend anders.” Warum ist das so? Neumann: „Weil wir neue Medikamente wie die Immuncheckpoint-Therapie haben und klar sagen können, dass bei einem MSI-Tumor Betroffene für eine Immuntherapie in Frage kommen. Das betrifft ca. 15 bis 20 Prozent aller Dickdarmtumoren, bei denen das der Fall ist. Ohne MSI ist der Erfolg sehr gering. Der Marker beeinflusst also die Therapieentscheidung und hat nicht nur bei Darmkrebs, sondern auch bei Gebärmutterkrebs (über 30 Prozent MSI-Tumoren) und Magenkarzinom (nahezu 20 Prozent) eine prädiktive Funktion. Wenn in fortgeschrittenen Stadien anderer Krebsarten eine Immuncheckpoint-Therapie erwogen wird, wird der Mikrosatellitenstatus ebenfalls bestimmt. Es ist also ein sehr wichtiger Marker für personalisierte Behandlungsmethoden bei Krebs. Und möglicherweise ist die MSI bei Frauen mit Darmkrebs sogar von größerer Bedeutung für die Tumortherapieauswahl als bei Männern, wie kürzlich auf dem Deutschen Krebskongress 2024 berichtet wurde – Stichwort: geschlechtersensible Krebstherapie. Hier wird künftig noch stärker geforscht.” Neumann abschließend: „Wir haben in Deutschland eine sehr gute Infrastruktur, was die Testung des Mikrosatellitenstatus bei Darmkrebs angeht. Wir können die Testung flächendeckend anbieten, und zwar qualitätsgesichert. Die Qualitätssicherungs-Initiative Pathologie (QuIP) organisiert für pathologische Praxen, Institute und Klinikpathologien national und international zertifizierte Ringversuche für alle Biomarker, die eine therapeutische Konsequenz haben, so auch für MSI. Die Ergebnisse werden dokumentiert und fließen in die Qualitätssicherung ein – ein lernendes System. Auf diese Struktur kann die Pathologie in Deutschland wirklich stolz sein.“
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