miRNA als Zielmoleküle gegen Stoffwechselkrankheiten22. Januar 2018 Foto: © farfalla2017/Fotolia Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert in den kommenden zwei Jahren das Projekt ComboMiR mit einer Million Euro. Ziel ist es, MikroRNA als neue Ansatzpunkte für die Therapie von Stoffwechselkrankheiten zu nutzen. Koordiniert wird das Vorhaben am Helmholtz Zentrum München, wo rund 500.000 Euro verbleiben. Diabetes ist eine der großen Volkskrankheiten in Deutschland – Schätzungen zufolge ist etwa jeder zehnte betroffen. Zwar lässt sich der Blutzuckerspiegel medikamentös kontrollieren, dennoch treten bei zahlreichen Patienten im späten Stadium Nerven- und Gefäßschäden auf, die sich bislang kaum verhindern und nur unzureichend therapieren lassen. „Betroffene Patienten sehen sich schließlich komplexen Medikationsplänen ausgesetzt, um gleichzeitig Blutzucker und -fette einzustellen und die Symptome der Spätschäden zu behandeln“, so Prof. Stephan Herzig, Direktor des Instituts für Diabetes und Krebs am Helmholtz Zentrum München, der das Projekt koordiniert. Die Wissenschaftler haben nun eine Gruppe von MikroRNA (MiRs) identifiziert, die eine zentrale Rolle bei der Stoffwechselregulation spielt. MikroRNA sind eine Klasse von Molekülen, die aus kurzen Abfolgen von RNA-Bausteinen bestehen. Anders als bei der Proteinsynthese wird die RNA aber hier nicht für den Aufbau von Molekülen benötigt. Im Gegenteil: viele MiR sind in der Lage, den Aufbau von bestimmten Proteinen zu verhindern, indem sie die entsprechende Bauplan-RNA abbauen. Die Ausschaltung einzelner solcher MiR durch Tough Decoys (TD)* führte im Experiment bereits zur Senkung von Blutzucker beziehungsweise Blutfetten. Durch gezieltes Design der TDs können parallel mehrere MiR mit einem TD-Molekül blockiert werden. Hierzu werden die Forscher die TD in biologisch abbaubare Transportvehikel verpacken, die es ermöglichen, MiR organspezifisch zu beeinflussen. Ebenfalls an dem Projekt beteiligt sind die Universitätskliniken in Leipzig und Heidelberg. Durch die Nähe zur angewandten Medizin soll die klinische Relevanz anhand gut charakterisierter Patientenkollektive unmittelbar im Projekt demonstriert werden. „Auf diese Weise könnten zukünftig individuell auf Patienten zugeschnitten mehrere Stoffwechselwerte mit einem einzelnen biologischen Präparat eingestellt werden“, erläutert Koordinator Herzig das Projektziel. „Dadurch besteht die Möglichkeit, die Behandlung und zur Vorbeugung von Diabetes und dessen Spätschäden substantiell zu verbessern.“ * Bei Tough Decoys (TD) handelt es sich um neuartige RNA-Oligonukleotide, die mittels spezifischer Bindesequenzen MikroRNA (MiR) neutralisieren können. Ihre spezielle räumliche Struktur erlaubt es, Antisense-Sequenzen für zahlreiche MiR in einem TD-Molekül zu kombinieren und damit gleichzeitig mehrere dieser regulatorischen RNA zu binden. Da TD unempfindlich gegen Abbau durch Nukleasen sind, erlaubt ihr Einsatz die dauerhafte Inhibition spezifischer MiR. Referenz: Haraguchi et al 2009
Mehr erfahren zu: "Eines der letzten Puzzleteile des Zelltod-Entzündungssignalwegs ist entschlüsselt" Eines der letzten Puzzleteile des Zelltod-Entzündungssignalwegs ist entschlüsselt Eine internationale Forschungsgruppe entdeckt das Protein HERC4 als Schlüsselkomponente in Signalwegen des programmierten Zelltods. Dies eröffnet neue therapeutische Ansätze für Rheuma und Schuppenflechte, Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie für entzündungsbedingte Arten von […]
Mehr erfahren zu: "ASAC-Studie zu Darmkrebs: Kein Vorteil durch Acetylsalicylsäure nach Behandlung von Lebermetastasen" Weiterlesen nach Anmeldung ASAC-Studie zu Darmkrebs: Kein Vorteil durch Acetylsalicylsäure nach Behandlung von Lebermetastasen Viele Patienten mit einem Kolorektalkarzinom – bis zu die Hälfte von ihnen – entwickelt im Krankheitsverlauf Lebermetastasen. Für diese Patienten ist die Operation, gegebenenfalls in Kombination mit einer lokalen Ablationstherapie, […]
Mehr erfahren zu: "Ballaststoffe wirken im Mikrobiom nicht allein" Ballaststoffe wirken im Mikrobiom nicht allein Warum unterscheiden sich die Darmmikrobiome von Menschen aus industrialisierten und nichtindustrialisierten Regionen? Eine neue Studie zeigt, dass die Ernährung allein die Unterschiede nicht erklärt.