Mit CAR-T-Zellen und mRNA gegen Keimzelltumoren

Ein chimärer Rezeptor (hellblau) auf der Oberfläche eines T-Lymphozyten bindet spezifisch an ein Antigen (rot) auf einer Krebszelle. Grafik: Juan Gärtner – stck.adobe.com

In einer internationalen Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Erlangen untersuchen Wissenschaftler einen neuen dualen Ansatz gegen Keimzelltumoren bei intensiv vorbehandelten Patienten mit Therapieversagen oder Rezidiv.

Für die Studie werden T-Lymphozyten des Patienten gentechnisch so verändert, dass sie mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) das Protein Claudin-6 als Zielstruktur des Tumors erkennen und angreifen. Bei einem Teil der Patienten kommt zusätzlich ein CAR-T-Zell-verstärkender RNA-Impfstoff (CARVac) zum Einsatz. Das onkofetale Antigen Claudin-6 (CLDN6) wird in vielen soliden Tumoren stark und spezifisch exprimiert und könnte daher eine vielversprechende Zielstruktur zur Bekämpfung der Krebszellen sein.

Die CAR-T-Zell-Immuntherapie ist bereits erfolgreich bei hämatologischen Erkrankungen wie zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs etabliert worden. „Bei soliden Tumoren, die sich an oder in Organen bilden, befindet sich die klinische Prüfung dieses Verfahrens noch in einer frühen Phase. Geeignete Zielstrukturen für die Therapie sind bisher bei nur bei sehr wenigen Tumorarten entdeckt worden“, sagt Dr. Winfried Alsdorf, II. Medizinische Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), das an der Studie beteiligt ist. Die CAR-T-Zell-Immuntherapie gegen Claudin-6 habe in ersten Studiendaten ermutigende Anzeichen für eine klinische Effektivität insbesondere bei Patienten mit intensiv vorbehandelten Keimzelltumoren, für die es bislang keinerlei etablierte Behandlungsoptionen gibt, gezeigt. “Zudem ist der innovative Ansatz einer CAR-T-Zell-Immuntherapie in Kombination mit einer mRNA-Impfung in der laufenden Studie erstmalig klinisch in der Onkologie eingesetzt worden und erscheint überaus vielversprechend“, so Alsdorf weiter.

Die Bemühungen zur Keimzelltumortherapie sind Teil der laufenden Phase-I/II-Studie BNT211-01 mit Patienten mehrerer solider Tumorentitäten. Getestet werden zunächst als primäre Endpunkte die Sicherheit und Verträglichkeit, die maximal verträgliche Dosis und die empfohlene Phase-II-Dosis (RP2D) auf zwei Dosisniveaus. Beteiligt sind mehrere Einrichtungen in Deutschland und den Niederlanden sowie das Mainzer Unternehmen Biontech. Erste Ergebnisse haben die Forscher in “Nature Medicine” publiziert. 

Erstautor Prof. Andreas Mackensen vom Universitätsklinikum Erlangen und seine Kollegen berichten darin über eine “beherrschbare” Toxizität: 10 von 22 Patienten (46%) erlitten ein Zytokinfreisetzungssyndrom, einschließlich eines Ereignisses 3. Grades, und 1 von 22 Patienten (5%) entwickelte ein immuneffektorzellassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom 1. Grades. Patienten mit Keimzelltumoren, die das höhere Dosisniveau erhielten, zeigten die höchste objektive Ansprechrate (57%; 4/7). 

(UKE/ms)