Mit der Sonnenaufgang-Brille gegen Depressionen20. Oktober 2017 Die Lichttherapie-Brille stört kaum – Lesen oder Essen sind ganz normal möglich. (Foto: LWL/Suilmann) Um die Wirkung der Lichttherapie auf Depressionen bei jungen Menschen zu untersuchen, erhalten Wissenschaftler der LWL-Universitätsklinik Hamm Forschungsmittel in Höhe von knapp 1,8 Millionen Euro. Welche Wirkung hat eine Lichttherapie bei Depressionen im Kindes- und Jugendalter? Dieser – nicht nur in der kommenden dunklen Jahreszeit akuten – Frage spürt die Forschungsabteilung der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Hamm (Träger: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL) nach. Für eine entsprechende Lichttherapie-Studie hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel in Höhe von knapp 1,8 Millionen Euro genehmigt. Depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen zeigen eine hohe Zuwachsrate. Trotz der großen Bedeutung dieser Erkrankung im Kindes- und Jugendalter sind Effektivität und Sicherheit der gängigen medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlungsansätze immer noch unzureichend untersucht. Ergänzende Behandlungen wie die Lichttherapie, die ohne Nebenwirkung auskommen, gelten aber als sehr vielversprechend. Hierbei kommt eine Lichttherapiebrille zum Einsatz: Sie wird morgens für eine halbe Stunde wie eine normale Brille aufgesetzt. In dem Gestell sind spezielle LED-Leuchten eingebaut, die mit der Lichtintensität eines Sonnenaufgangs auf die Netzhaut wirken. Normale Alltagshandlungen wie Frühstücken und Lesen sind damit möglich. Die handliche Brille könnte eine Alternative zur apparativ ungleich aufwändigeren Leuchtlampen-Therapie in Extra-Behandlungsräumen sein. “Studien an Erwachsenen belegen, dass eine morgendliche Lichttherapie nicht nur bei Winterdepression effektiv ist”, sagte Prof. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik Hamm und einer der Studienleiter. “In unseren Vorstudien mit Jugendlichen konnten wir zeigen, dass sich vor allem der Schlaf der jungen Probanden verbessert hat”, ergänzte Prof. Tanja Legenbauer, Leiterin der Forschungsabteilung. “Vermutlich wird darüber die Depression günstig beeinflusst.” Dies wollen Legenbauer und Holtmann in der geplanten Studie bei stationär behandelten depressiven Jugendlichen näher untersuchen. Ziel der Studie ist es, die Lichttherapie an einer größeren Patientengruppe zu erforschen und die Behandlungsdauer von derzeit zwei auf vier Wochen auszudehnen.
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