Mit EEG-Haube zuhause romantisch sein

Romantische Situationen lassen sich im Labor nicht so gut nachstellen wie zuhause erleben. Ein Bochumer Team hat daher einen neuen Untersuchungsansatz gewählt. (Foto: ©Antonioguillem – stock.adobe.com)

Küssen, kuscheln, plaudern – dank modernem Forschungsequipment konnten Wissenschaftler die Hirnaktivität von Paaren in emotionalen Situationen zuhause aufzeichnen.

Forschung zu den neuronalen Grundlagen der Emotionsverarbeitung hat bislang meist im Labor, also unter realitätsfremden Bedingungen stattgefunden. Bochumer Biopsychologen sind nun neue Wege gegangen: Mittels Elektroenzephalografie (EEG) zeichneten sie die Hirnaktivität von Paaren auf, während diese sich zuhause umarmten, küssten oder über gemeinsame glückliche Erinnerungen unterhielten. Die Ergebnisse bestätigten die Theorie, dass positive Emotionen hauptsächlich in der linken Hirnhälfte verarbeitet werden.

In früheren Studien zu den neuronalen Korrelaten der Emotionsverarbeitung wurden Gefühle bei Probanden in der Regel durch die Präsentation von bestimmten Bildern oder Videos im Labor hervorgerufen. „Unklar war, ob das wirklich das Er- und Ausleben von Gefühlen widerspiegelt“, sagt Dr. Julian Packheiser. „Schließlich umfassen Emotionen nicht nur das Wahrnehmen von Gefühlen, sondern auch deren Ausdruck.“

Mobile EEG-Geräte erlauben Messungen zuhause

Daher maßen die Forscher in der aktuellen Studie die Hirnströme von 16 Paaren in positiven emotionalen Situationen im eigenen Zuhause. Mit herkömmlichen EEG-Systemen wäre eine solche Messung nicht möglich gewesen, denn die Bewegungen, die beim Küssen, Umarmen oder Gestikulieren entstehen, erzeugen Artefakte in den Daten. „Wir haben ein mobiles EEG-System genutzt, das nicht nur die Hirnströme, sondern auch die Bewegungsmuster der Probanden aufzeichnet“, erklärt Packheiser. So konnte das Team die Artefakte in den Daten kontrollieren.

Positive Situationen, vor allem emotionale Kuss- und Sprachsituationen, gingen mit einer stärkeren Aktivität in den vorderen Bereichen der linken Hirnhälfte einher. Die Studie bestätigte somit die Ergebnisse aus Laboruntersuchungen und das sogenannte Valenzmodell emotionaler Lateralisierung, welches besagt, dass positive Emotionen eher in der linken Hirnhälfte, negative Emotionen eher in der rechten Hirnhälfte verarbeitet werden.

Für die Studie werteten die Forscher die EEG-Daten in einem bestimmten Frequenzbereich aus, dem sogenannten Alpha-Frequenzband zwischen 8 und 13 Hertz und dem Beta-Frequenzband zwischen 13 und 30 Hertz.

Originalpublikation:
Packheiser J et al. Investigating real-life emotions in romantic couples: a mobile EEG study. Scientific Reports 2021;11:1142.