Mit einer genomweiten Assoziationsstudie der bipolaren Störung auf der Spur28. Januar 2025 (v. l.): Die Bonner Forschenden Prof. Markus Nöthen, Prof. Andreas Forstner und Friederike David waren an der weltweiten Studie zur Genetik von Bipolarer Störung beteiligt. (Quelle: © Rolf Müller | Universitätsklinikum Bonn) Forschende aus Bonn und der ganzen Welt haben das Erbgut von über 150.000 Menschen mit bipolarer Störung untersucht und dabei 267 neue Regionen des Genoms identifiziert, in denen genetische Varianten das Risiko für die Erkrankung erhöhen. Bei der Entstehung von bipolaren Störungen spielen genetische Faktoren eine große Rolle. In dem Bemühen, die zugrundeliegende Biologie besser zu verstehen, untersuchen Forschende immer wieder das Erbgut von Menschen mit der psychischen Störung. Die genomweite Assoziationsstudie (GWAS) des Psychiatric Genomics Consortiums ist die größte ihrer Art. In der Studie werden Daten von Personen mit europäischer, ostasiatischer, afroamerikanischer und lateinamerikanischer Abstammung analysiert. „Je mehr über die Biologie hinter der Erkrankung und über die Risikofaktoren bekannt ist, desto höher wird die Chance auf verbesserte Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten durch Präzisionsmedizin“, erklärt Prof. Andreas Forstner vom Institut für Humangenetik am UKB. Er ist Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life and Health“ der Universität Bonn und auch am Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1) des Forschungszentrums Jülich tätig. In der Studie wurden die Gene von mehr als 2,9 Millionen Teilnehmenden, darunter mehr als 150.000 Menschen mit einer bipolaren Störung, verglichen. Die Idee dahinter ist, dass viele Menschen mit einer bipolaren Störung die gleichen, für die Erkrankung mitverantwortlichen, genetischen Varianten haben. Neue verantwortliche Gene entdeckt Insgesamt wurden in der Studie 298 Regionen des Genoms identifiziert, in denen genetische Varianten das Risiko für eine bipolare Störung erhöhen – 267 davon wurden in der aktuellen Ausführung der GWAS neu entdeckt. Durch die Studie wurde auch eine neue Region identifiziert, die speziell in den Stichproben mit ostasiatischer Herkunft mit einem erhöhten Risiko für bipolare Störungen einhergeht. In den identifizierten Regionen stehen 36 konkrete Gene im Verdacht, für die bipolare Störung relevant zu sein. Die nächsten Schritte der Forschung könnten darin bestehen, diese Gene genauer zu untersuchen. Sie könnten auch zur Erforschung neuer Angriffspunkte für Medikamente gegen bipolare Störungen verwendet werden. „Wir fanden in der Studie zudem genetische Unterschiede zwischen verschiedenen klinischen Ausprägungen der bipolaren Störung. Dies kann für die Forschung zu neuen Diagnose- und Behandlungsansätzen wichtig sein“, erklärt Prof. Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik am UKB. Er ist Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Life and Health“ und dem Exzellenzcluster ImmunoSensation2 der Universität Bonn. „Unsere Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass verschiedene Nervenzelltypen im Gehirn bei der bipolaren Störung eine Rolle spielen, und möglicherweise auch bestimmte Zellen außerhalb des Gehirns. Hier kann weitere Forschung ansetzen“, ergänzt Friederike David, Doktorandin der Universität Bonn am Institut für Humangenetik des UKB. Beteiligte Institutionen und Förderung: Die Studie wurde durch das Psychiatric Genomics Consortium (PGC) durchgeführt, ein internationales Konsortium von Forschenden, die die Genetik psychischer Erkrankungen erforschen. Das PGC umfasst mehr als 800 Forschende von über 150 Institutionen aus über 40 Ländern. Im deutschsprachigen Raum waren neben dem UKB und der Universität Bonn unter anderem das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, das Klinikum der Universität München, die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Marburg, die Klinik für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Münster und das Universitätsspital Basel beteiligt. Die Studie wurde unter anderem vom US-amerikanischen National Institute of Mental Health gefördert.
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