„Mit einer Stimme sprechen“

DGU-Präsidentin Margit Fisch. Foto: DGU

Der 74. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Hamburg hat begonnen. Präsidentin Prof. Margit Fisch will das Fach einen und grüner machen. Die Urologischen Nachrichten sprachen darüber mit der Hamburger Klinikdirektorin.

Besonders wichtig ist der DGU-Präsidentin, dass die Urologen nach außen mit einer Stimme sprechen, anstatt sich zu zerstreiten. “Der Anteil der Urologen am Gesamtanteil der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland beträgt zwei Prozent. Wenn wir uns dann noch weiter auf­teilen und nach Partikularinteressen sehen, sprich Berufsverband (BvDU) versus DGU, niedergelassene versus in Kliniken arbeitende Urologen, dann wird der Einzelprozentsatz so verschwindend gering, dass sich niemand dafür interessiert”, warnt sie. “Insofern begrüße ich die Annäherung der DGU und des BvDU. Die beiden Vorstände haben in der letzten Zeit viel zusammen gemacht und sich in regelmäßigen Abständen getroffen. Ich denke, da sind wir auf einem ganz guten Weg.”

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für Fisch “wahnsinnig wichtige Themen”, die jedoch in den letzten zwei Jahren wegen der Pandemie und jetzt auch durch den Krieg in der Ukraine an den Rand gedrängt worden seien. Beim DGU-Kongress räumt sie dem Thema ein eigenes Plenum „Urologie und Umwelt“ ein: “Wir haben dort einen Vortrag zum ‘grünen’ Krankenhaus, was man beispielsweise baulich verbessern kann. Die ‘grüne’ Praxis: Was kann der Einzelne in einer niedergelassenen Praxis tun? Sind Hygiene und Umweltschutz ein Widerspruch? Wie ist es mit dem ganzen Verpackungsmaterial, wie ist es mit Einmalinstrumenten versus resterilisier­baren Instrumenten?”

Auch wenn sich Urologinnen und Urologen beim 74. DGU-Kongress wieder persönlich begegnen und austauschen können, beeinflusst die Corona-Pandemie doch auch weiterhin die Medizin und Krankenversorgung. Denn nun gilt es, die Lehren aus den vergangenen beiden Jahren zu ziehen. Dafür ist nicht nur eine engere Zusammenarbeit von Nieder­gelassenen und Klinikern notwendig, sondern auch die weitere Digitalisierung der Medizin, ist die DGU-Präsidentin überzeugt. “Wie wichtig eine digitale Datenerhebung ist, hat uns die Corona-Pandemie gezeigt. Man hat als Folge eine Kostenersparnis, im Endeffekt verbessert sich die Patientenversorgung”, erklärt Fisch im Interview mit den Uro­logischen Nachrichten. Wenn es darum geht, die Zusammenarbeit der Sektoren zu verbessern, helfen ihrer Überzeugung nach keine Patentrezepte: “Ich glaube, dass es nicht nur ein Modell für ganz Deutschland gibt, weil wir komplett unterschiedliche lokale Gegebenheiten und Strukturen haben, die eine entsprechende Rolle spielen. (…) Es gilt also zu schauen, welche der möglichen Modelle vor Ort implementierbar sind, und diese dann proaktiv mitzugestalten.” 

Beim diesjährigen Kongress setzt die Präsidentin verstärkt auf die Zusammenarbeit mit dem Publikum. “Nachdem wir jahrelang vor dem Monitor gesessen haben, wollte ich nach Möglichkeit viele interaktive Sitzungen einbringen. Insofern gibt es ein Tumor­board zum Prostatakarzinom und eines zu urologischen Tumoren, in denen anhand von Patientenfällen interdisziplinär diskutiert wird. (…) Wir haben in einem ähnlichen Format ein ‘Interdiszipli­näres Beckenbodenzentrum’: Auch dort wird anhand von Fällen interdisziplinär mit Gynäko­logen, Rektal­chirurgen und Urologen diskutiert: Wie soll man behandeln?”

(ms)

Lesen Sie das vollständige Interview mit Prof. Margit Fisch in der DGU-Kongressausgabe der Urologischen Nachrichten.