Mit Essen spielt man nicht7. September 2018 Foto: © Anja Roesnick – Fotolia.com Bei Kindern unter sieben Jahren verleitet das Spielen mit Essen zu einem erhöhten Konsum von Süßigkeiten. Ältere Kinder können dabei hingegen lernen, Versuchungen zu widerstehen. Das berichten Wissenschaftler der Universität Wien. Süßigkeiten sind heute für Kinder ständig verfügbar. Zuhause, bei Freunden, auf dem Weg zum Sport und oft sogar in der Schule locken süße Verführungen. Die Folgen einer oft nicht mehr angemessenen Ernährung sind offensichtlich: Die Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern ist in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Es ist daher ein wichtiges Ziel in der Forschung, Möglichkeiten zu identifizieren, wie der Umgang mit stark kalorienhaltigen Lebensmitteln erlernt werden kann. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Vorgehensweise ist, Kinder mit Süßigkeiten zu konfrontieren, ihnen aber eine Aufgabe zu geben, die nichts mit Essen zu tun hat. So sollen beispielsweise aus Buchstabenkeksen Worte gebildet oder aus Fruchtgummi Kunstwerke gestaltet werden. Der Grundgedanke dabei ist einfach: Um die Aufgabe angemessen auszuführen, müssen die Kinder den Impuls zu essen unterdrücken. Sie sollten damit lernen, das unmittelbar auftretende Verlangen zu essen zu reduzieren und sich nicht von ihrer Aufgabe ablenken zu lassen. Die bisherigen Studien wurden mit Kindern in einem Alter von über sieben Jahren durchgeführt. “Da die Fähigkeiten der Selbstregulation in jüngeren Lebensjahren noch weniger stark ausgeprägt sind, stellt sich die Frage, ob Spiele mit Essen auch einer jüngeren Zielgruppe helfen könnte, den Konsum von Süßigkeiten zu reduzieren”, erklärte Arnd Florack, Psychologie an der Universität Wien. In einer Studie mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren sollte an einem Tag ein Memoryspiel mit Fruchtgummi und an einem anderen Tag das gleiche Spiel ohne diese Süßigkeiten gespielt werden. Nach dem Spiel konnten die Kinder für eine vorgegebene Zeit Fruchtgummi und Kekse nach Belieben konsumieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Spiele dieser Art bei den Kindern zwischen drei und sechs Jahren noch nicht in angemessener Weise zur Reduktion des Konsums von Süßigkeiten eingesetzt werden können. Wurden die Kinder im Spiel mit Süßigkeiten konfrontiert, aßen Sie danach mehr. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch Hinweise auf beginnende erwünschte Effekte in der untersuchten Altersgruppe. Die Kinder aßen in der Bedingung mit Verwendung von Süßigkeiten im Spiel mehr von den Keksen, aber nicht mehr von verwendeten Süßigkeiten. Dünnere Kinder aßen sogar weniger davon. Da diese Effekte aber nur auf das im Spiel verwendete Produkt beschränkt waren und sich nicht auf den Konsum anderer Produkte ausgeweitet haben, kann eine Verwendung von verlockenden Süßigkeiten im Spiel im Augenblick bei Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren nicht empfohlen werden. Originalpublikation: Florack A. et al.: Playing with food: The effects of food pre-exposure on consumption in young children. Physiology and Behavior 2018;195:76-81.
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