Mit lytischem Interferon-gamma gegen Krebs18. März 2026 Dr. Hsin Fang Chang und PD Dr. Elmar Krause leiten eine Forschergruppe an der Universität des Saarlandes. Foto: ©Hsin Fang Chang Wissenschaftler der Universität des Saarlandes haben einen körpereigenen Abwehrmechanismus gegen Krebs entdeckt. Er könnte Grundlage für neue Therapien sein. Seit Langem weiß die Wissenschaft, dass es sich lohnen könnte, die körpereigenen Abwehrmechanismen gegen Krebs genauer zu erforschen und therapeutisch zu nutzen. So gibt es bereits Therapien mit monoklonalen Antikörpern oder CAR-T-Zellen, die auf diesem Prinzip beruhen und in vielen Fällen vielversprechende Ergebnisse zeigen. Einer von Dr. Hsin Fang Chang und PD Dr. Elmar Krause geleiteten Forschergruppe des Centrums für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin (CIPMM) an der Universität des Saarlandes ist es nun – unter Beteiligung internationaler Kooperationspartner aus Großbritannien, Italien, Spanien und Taiwan – gelungen, einen weiteren körpereigenen Mechanismus zu identifizieren, der bei der Bekämpfung von Krebs eine Rolle spielen könnte. Lytisches IFNγ verpackt mit anderen zellabtötenden Proteinen Dieser Mechanismus beruht auf dem gut bekannten Molekül Interferon-gamma (IFNγ), das seit vielen Jahren als ein zentraler Regulator von Entzündungsreaktionen bekannt ist. Das Team um Chang entdeckte jedoch, dass ein erheblicher Anteil des von Immunzellen produzierten Moleküls – den die Wissenschaftler als „lytisches IFNγ“ bezeichnen – tatsächlich direkt in den „Munitionsdepots“ der Zelle, den zytotoxischen Granula, gespeichert wird. Von dort kann es gemeinsam mit anderen lytischen Proteinen zur Abtötung von Krebszellen beitragen. Indem die Immunzelle dieses „lytische IFNγ“ im selben Depot wie direkt zellabtötende Proteine (etwa Granzym B) verpackt, kann sie einen hochkonzentrierten Schlag punktgenau an der Kontaktstelle zur Tumorzelle ausführen. Dadurch wird verhindert, dass das Molekül frei diffundiert und an anderer Stelle Entzündungssignale auslöst. Stattdessen wirkt es lokal zusammen mit anderen Proteinen und trägt dazu bei, das „Selbstmordprogramm“ der Krebszelle − die Apoptose − zu aktivieren. Neues Prinzip zur Krebsbekämpfung „Diese Ergebnisse enthüllen eine bisher unbekannte Art und Weise, wie Immunzellen ihre molekulare ‚Bewaffnung‘ organisieren“, erklärt Chang. „Wenn wir verstehen, wie diese Zellen ihre Signale koordinieren, um ihre Schlagkraft zu maximieren, eröffnet dies neue Möglichkeiten zur Verbesserung immunbasierter Krebstherapien.“ Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „Cellular and Molecular Immunology“ veröffentlicht und beschreibt ein neues Prinzip, wie die Medizin die natürlichen Abwehrmechanismen der körpereigenen Zellen künftig gezielter nutzen könnte, um Krebs zu bekämpfen.
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