Mit Physiotherapie Milliarden sparen: Neue Studie fordert Direktzugang und mehr Prävention19. Februar 2025 Bild: Halfpoint – stock.adobe.com Eine Studie der opta data Zukunfts-Stiftung und des Institutes für Zukunftspsychologie und -management an der Sigmund Freud Privat-Universität Wien zeigt: Frühzeitige Physiotherapie könnte teure OPs vermeiden, Ärzte entlasten und Milliardenbeträge sparen. Für die „PhysioStudie 2025-2035“ wurden über 1900 Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten befragt. 65 Prozent berichten, dass durch frühzeitige physiotherapeutische Intervention viele Operationen und damit enorme Kosten hätten vermieden werden können. Wenn zum Beispiel nur 20 Prozent von vier häufigen, orthopädisch begründeten Eingriffen ‒ unter anderem Knie- oder Hüftgelenkersatz ‒ durch Physiotherapie verhindert werden, ergibt sich unter anderem auf Grundlage von Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus 2023 eine Einsparung von rund 1,52 Milliarden Euro, die Kosten durch Arbeitsunfähigkeit, Krankengeld oder Medikamente nicht mitgerechnet. Die Strukturen im Gesundheitssystem verhindern laut der Studie jedoch eine effizientere Nutzung der Physiotherapie. Der Hauptkritikpunkt: Ohne ärztliche Verordnung ist eine Behandlung nicht möglich ‒ zumindest, wenn die Krankenkasse die Kosten übernehmen soll. In anderen Ländern ist der Direktzugang dagegen etabliert. Direktzugang als Schlüssel zu besserer Versorgung und geringeren Kosten Die Forderung der Physiotherapeuten ist eindeutig: 63 Prozent wünschen sich den Direktzugang, um Patienten schneller und effektiver behandeln zu können. Prof. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung und Studienleiter, erklärt: „Physiotherapie könnte viel mehr bewirken, wenn man sie ließe. Doch sie hängt finanziell am Tropf der verordnenden Ärzte. Ein Direktzugang würde Wartezeiten verkürzen, Ärzte entlasten und das gesamte System effizienter machen.“ Dass Physiotherapeuten dazu in der Lage sind, zeigt die Studie ebenfalls: 85 Prozent der Befragten trauen sich zu, eine korrekte Erstdiagnose zu stellen. Gleichzeitig erlebten 73 Prozent, dass ärztliche Diagnosen oft „ungenau“ oder „falsch“ sind. Prävention statt Reparaturmedizin: Neue Rolle für Physiotherapeuten Weiteres Potenzial liegt in der Prävention: Physiotherapeuten könnten verstärkt als Gesundheitscoaches agieren, um Beschwerden frühzeitig zu verhindern. 76 Prozent der Befragten halten die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung für zu gering. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik könnten helfen, physiotherapeutische Maßnahmen gezielter einzusetzen und langfristige Gesundheitskosten zu senken. Druyens Fazit: „Deutschland muss weg von einer krankheitszentrierten Flickschusterei hin zu einem integrierten, präventiven und KI-gestützten Gesundheitsmodell. Physiotherapie kann dabei ein zentraler Eckpfeiler sein.“
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