Mit Wölfen leben: Würzburger Studien zeigen Wege auf8. April 2026 Wölfe sind scheue Tiere. Was der Mensch von ihnen in der Regel zu sehen bekommt, sind Kotreste. Foto: Quelle: © Marlis Heyer Die Rückkehr der Wölfe sorgt für Konflikte. Doch zwei neue Dissertationen am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie und Empirische Kulturwissenschaft der Uni Würzburg zeigen nun auf, wie Menschen und Wölfe künftig koexistieren können. Wölfe leben wieder in ganz Deutschland. Die meisten Territorien befinden sich in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. „Nach den aktuellen Monitoringdaten für 2024/25 leben in Deutschland circa 219 Rudel, 43 Wolfspaare und 14 Einzeltiere“, heißt es auf den Webseiten der Bundesregierung.Doch die Rückkehr der Wölfe bringe Probleme mit sich, besonders für die Weidetierhaltung. Zudem habe das Konfliktpotenzial mit Teilen der Bevölkerung zugenommen.Vor diesem Hintergrund entschied der Bundesrat Ende März 2026, den Europäischen Grauwolf (Canis lupus) ins Jagdrecht aufzunehmen. Damit erhalten Bundesländer, in denen es viele Wölfe gibt, die Möglichkeit, die Bestände über die Jagd einzuhegen. Jagd ist nur eine Strategie der Koexistenz „Den Wolf zu bejagen, ist aber nur eine von vielen Strategien, um das Zusammenleben mit den großen Beutegreifern zu gestalten“, sagt Professorin Michaele Fenske, Leiterin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie und Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Würzburg.Unter ihrer Leitung wurde am Würzburger Lehrstuhl über Wölfe geforscht – im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Die Rückkehr der Wölfe. Kulturanthropologische Studien zum Prozess des Wolfsmanagements in der Bundesrepublik Deutschland“. Dabei kooperierte Fenskes Team mit einem Schweizer Schwesterprojekt sowie mit Forschenden in Finnland, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Portugal und Russland.Im Kontext der Würzburger kulturwissenschaftlichen Umweltforschung (Environmental Humanities) verortet, fragten die Promovendinnen Irina Arnold und Marlis Heyer danach, was die Rückkehr der Wölfe mit den Menschen macht. Ihre exemplarischen Untersuchungsgebiete waren das Bundesland Niedersachsen und die Lausitz. Dissertationen plädieren für Wechsel der Perspektive Die Dissertationen der zwei Forscherinnen wurden vor kurzem veröffentlicht. Sie plädieren für einen Perspektivwechsel, der neue Wege für das Zusammenleben mit Wölfen eröffnet.Irina Arnolds Buch „Wo Schafe arbeiten…und Wölfe leben“ setzt sich mit den Praktiken niedersächsischer Schäfereien im 21. Jahrhundert auseinander. Die Autorin rückt die komplexen Lernprozesse in den Fokus, die in Schäfereien durch die Rückkehr der Wölfe notwendig wurden. Nah am Alltag der Schäferinnen und Schäfer sowie ihrer Herden fängt Arnold die Herausforderungen ein und präsentiert Ansätze für ein konfliktärmeres, artenübergreifendes Zusammenleben.Derweil untersucht Marlis Heyer in ihrem Band „Wölfe erzählen“, wie die Rückkehr der Wölfe von Erzählungen begleitet und narrativ mitgestaltet wird. Heyer lotet Fragen nach dem Zusammenleben von Menschen und Wölfen aus und nimmt anhand unterschiedlicher Theorien auch die Möglichkeiten und Grenzen der Erzählforschung über Menschen hinaus in den Blick.Beide Arbeiten verfolgen den Ansatz der Multispecies Studies. Wölfe, Schafe, Hunde, Pflanzen und Landschaften bereichern ihre Analysen um Perspektiven über die des Menschen hinaus. „Die dichten Beschreibungen laden auch zum Nachdenken über eine Ko-Existenz mit den Wölfen jenseits von Abschussgenehmigungen ein“, so Michaela Fenske. Originalpublikation: Beide Studien sind online kostenlos als pdf-Dateien verfügbarIrina Arnold: „Wo Schafe arbeiten und Wölfe leben. Eine Multispezies-Ethnografie niedersächsischer Schäfereien“, Würzburg 2025https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/frontdoor/index/index/docId/42186Marlis Heyer: „Wölfe erzählen. Eine Ethnografie vielartiger Narrative der Lausitz“, Berlin 2026https://www.frank-timme.de/de/programm/produkt/woelfe_erzaehlen
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