Mobile Ganganalyse ohne Sensoren

Die Technologie ermöglicht präzise Messungen von Gelenkwinkeln im Vorbeigehen. (Foto: MyGoal Training®)

Gründer aus der Lausitz haben eine Software entwickelt, die eine medizinische Ganganalyse im Vorbeigehen ermöglicht. Jetzt sind sie auf Investorensuche.

Patienten mit Einschränkungen beim Gehen könnten schon bald von einer neuen Software profitieren, die ein Start-up aus der Lausitz entwickelt hat. Die dabei eingesetzte künstliche Intelligenz wird seit dem Herbst 2022 im Rahmen eines Pilotprojektes an Schlaganfallpatienten getestet und weiterentwickelt. Dafür bekommt das Team von MyGoal Training® mit der Sportwissenschaftlerin Anke Stefaniak und dem Digitalexperten Mathias Priebe eine Förderung aus dem Bundesprogramm “Unternehmen Revier”, mit dem Wertschöpfungsinitiativen in den Braunkohleregionen unterstützt werden.

Was Läufern schon hilft, soll bald Patienten zugutekommen

Seit September 2022 laufen dem Startup zufolge Datenerhebung und Feldtest für das erste von vielen möglichen medizinischen Anwendungsgebieten. Ein weiteres Jahr Forschung und Entwicklung sind dafür eingeplant.

Bereits seit Herbst 2021 sei die Lösung in der eigenen Trainingsapp integriert. Läufer und Triathleten nutzten die mobile Laufanalyse bereits, um langfristig verletzungsfrei zu bleiben. Zur Entwicklung brauchte das inzwischen dreiköpfige Team nur knapp mehr als ein Jahr, heißt es weiter.

Vorangegangen war eine wissenschaftliche Transferarbeit mit der TU Chemnitz und die technische Erschließung von hocheffizienten Systemen für Cloud-Computing. Im Ergebnis kann jedes Smartphone innerhalb weniger Sekunden alle Gelenkwinkel exakt bestimmen. Dafür sind weder Sensoren noch Markierungen am Körper nötig, so das Team von MyGoal.

Suche nach Investoren

Mit diesem sogenannten “Proof of Concept” und einem ersten Produkt als mobile WebApp bewirbt sich MyGoal Training derzeit europaweit bei Investoren, möchte aber auch regionalen Partnern eine Chance zur Beteiligung geben. Die erfolgreich eingeworbenen staatlichen Zuschüsse seien ein starker Anreiz für privates Risikokapital.

Für eine Machbarkeitsstudie zu den Marktchancen hatte das Team eine Direktförderung der EU im Rahmen von “Horizont 2020” erkämpft.

Potenzial für Patienten und Therapeuten

Die markerlose Ganganalyse bietet nach Angaben des Startups viele Vorteile im therapeutischen Bereich. Besonders in der ambulanten Nachsorge in Physio- und Ergotherapie-Praxen bestehen Einsatzmöglichkeiten. Nach der Entlassung aus der stationären Rehabilitation ist ein zielgerichtetes Eigentraining wichtig, das durch therapeutisches Personal so besser angeleitet werden kann. Regelmäßiges Feedback ist in der neurologischen Rehabilitation essenziell für den Behandlungserfolg.

Ohne teures Labor werden den Entwicklern zufolge Ganganalysen häufiger möglich und Interventionen zielgerichteter. Die Software biete im ambulanten und klinischen Bereich die Chance zur standardisierten Re-Evaluation des Gangbildes und alltagsnahen Messung von Fortschritten.