Modellsystem für Schlaganfallforschung erhält Forschungspreis für Tierversuchsalternativen

Für die Entwicklung einer Plattform, die aus humanen Stammzellen Hirngewebe als Modell für die Schlaganfallforschung erzeugt, sind Dr. Philipp Mergenthaler und Dr. Harald Stachelscheid von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und vom Berlin Institut of Health (BIH) mit den Preisen des Landes Berlin zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in Forschung und Lehre ausgezeichnet worden.

Alle zwei Jahre prämiert das Land Berlin Forschungsprojekte, die dazu beitragen, die Verwendung von Versuchstieren zu vermeiden, zu verringern oder die Belastung für Tiere bei Tierversuchen zu mindern. Dr. Philipp Mergenthaler und Dr. Harald Stachelscheid von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institut of Health (BIH) haben eine Modellplattform entwickelt, die humanes Hirngewebe in zwei- und dreidimensionalen Systemen nachbildet. Diese humanen Nervenzellen und Hirnorganoide sollen zur Untersuchung komplexer Krankheitsvorgänge und der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden bei Schlaganfall dienen.

Ziel des Projektes ist es, die komplexen Krankheitsvorgänge der akuten Neurodegeneration im Schlaganfall zu erforschen und die Wirkstoffentwicklung zu deren Behandlung zu verbessen. Dabei kommen Verfahren der Stammzellbiologie, der Genomeditierung, der chemischen Biologie, der phänotypischen High Content Analyse sowie biophysikalische Messungen der Targethemmung in lebenden humanen Nervenzellen und strukturbiologische Untersuchungen zum Einsatz. Künftig soll es somit möglich werden, Experimente mit Mäusen und Ratten zu reduzieren, anhand derer bislang ein wesentlicher Teil der Schlaganfallforschung durchgeführt wird.

„Unsere Modellsysteme werden mit Hilfe von induzierten pluripotenten Stammzellen aufgebaut, die von Zellen erwachsener Menschen abstammen“, erklärte Stachelscheid, Stammzellbiologe am Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien der Charité und Leiter der BIH Stammzell-Core Facility.

„Für die Untersuchungen an diesen Modellen setzen wir automatisierte Mikrokopie und Bildanalyse ein. Wir wollen nicht nur zeigen, dass sich auf diese Weise Erkenntnisse reproduzieren lassen, die bereits auf herkömmlichem Wege gewonnen wurden, sondern auch neue Wege in der Entwicklung neuer Wirkstoffe für die Schlaganfalltherapie beschreiten“, ergänzte Mergenthaler, Neurowissenschaftler und Arzt in der Abteilung für Experimentelle Neurologie, Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, dem NeuroCure Clinical Research Center und der Klinik für Neurologie der Charité.

„Die neu entwickelte Modellplattform ermöglicht es, komplexe neurologische Zusammenhänge zu untersuchen und eine Vielzahl von Proben zu testen, ohne dabei auf Tierversuche zurückzugreifen. Dies führt nicht nur zu einer Reduktion von Tierversuchen, sondern trägt gleichzeitig wesentlich zu einer erhöhten Validität und Reproduzierbarkeit von Ergebnissen gerade im Bereich der Schlaganfallforschung bei“, sagte Prof. Ulrich Dirnagl, Leiter der Abteilung für Experimentelle Neurologie der Charité zur Bedeutung des Projektes.

Quelle
Charité – Universitätsmedizin Berlin
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