Modernste Hypophysenchirurgie am UKR: Tumoren der Hypophyse können auch zum Sehverlust führen10. November 2020 Bei der Entfernung von Tumoren operieren Prof. Schebesch und Prof. Kühnelnach dem „Four hands, two minds”-Prinzip mit einem Endoskop. Foto: Franziska Holten/UKR Bei der Entfernung von Tumoren an der Hypophyse arbeiten am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) und Neurochirurgie eng zusammen. Damit, so das UKR, werde der Eingriff sicherer und schonender für den Patienten. In den meisten Fällen können die Spezialisten am UKR endoskopisch über die Nase operieren und den Zugang durch die Schädeldecke vermeiden. Nur erbsengroß ist die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die in der Mitte des Kopfes zwischen der Unterseite des Gehirns und der Sehnervenkreuzung liegt. Sie ist Schaltzentrale der Hormonproduktion und beeinflusst unser Leben über eine Vielzahl von Botenstoffen, die sie in den Körper aussendet. Tumoren der Hypophyse können nicht nur die Hormonbalance stören, sondern durch ihre Ausdehnung auch zum Sehverlust führen. Wenn eine Operation unumgänglich ist, operieren die Experten der Kliniken für Neurochirurgie und für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde überwiegend gemeinsam in diesem anspruchsvollen Gebiet. Unter der Leitung von Prof. Nils Ole Schmidt, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKR, und von Prof. Christopher Bohr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, wird der interdisziplinäre Aspekt der gemeinsamen Krankenversorgung großgeschrieben: „Die Überschneidungen unserer beiden Fachgebiete erfordert zunehmend mehr Zusammenarbeit, um für unsere Patienten stets das höchste Maß an Behandlungsqualität zu erreichen. Dies gilt vor allem, aber nicht nur für die operative Behandlung von Tumoren der Hirnanhangsdrüse“.„Die Lage von Tumoren an der Hypophyse stellt wegen der Enge des Zugangsweges und wegen der Nachbarschaft zu lebenswichtigen Strukturen eine besondere Herausforderung dar. Der Tumor muss von der Kopfschlagader und dem Sehnerv vollständig und sicher abgelöst werden, wenn er diese Strukturen bedrängt. Um dafür einen optimalen Zugang zum Tumor zu bekommen, bündeln wir die Kompetenzen der schädelbasisnahen chirurgischen Fächer Neurochirurgie und HNO“, erklärt Prof. Karl-Michael Schebesch, Leiter der interdisziplinären Schädelbasis-Konferenz. „Tumoren im Bereich der Hypophyse stellen ein typisches fächerübergreifendes Betätigungsfeld der Medizin dar. Endokrinologische, radiologische, neurochirurgische, strahlentherapeutische und rhinologische Expertise helfen, ein bestmögliches Behandlungsergebnis zu erzielen. Wir operieren nach dem ‚four hands, two minds‘-Prinzip. Das heißt, zwei Ärzte operieren in stetem Austausch über die Nasenlöcher“, erklärt Prof. Thomas Kühnel, stellvertretender Direktor der HNO-Klinik des UKR und Leiter des Bereiches Rhinologie, Frontobasis und vaskuläre Malformationen. Diese endoskopische Behandlungsmöglichkeit von Hypophysentumoren existiert am UKR nach Angaben der Klinik seit etwa vier Jahren und sei in Regensburg einzigartig. Weiterentwicklung der HypophysenchirurgieDie Therapie gutartiger Tumoren der Hirnanhangdrüse, zum Beispiel Hypophysenadenome, hat in den vergangenen Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel erfahren. „Auch wenn es neben der endoskopischen Operation noch Indikationen für mikroskopische oder transkranielle Eingriffe gibt, können wir in etwa neun von zehn Fällen endoskopisch über die Nase operieren und den Zugang durch die Schädeldecke vermeiden“, so Kühnel. „Mit der Endoskopie gelingt es, die zu operierende Stelle perfekt auszuleuchten sowie den Tumor und seine Umgebung besser und vollständiger zu erkennen“, erklären Kühnel und Schebesch. Gesichtsfeldausfälle oftmals Symptom für ein HypophysenadenomEin Adenom an der Hypophyse äußert sich für den Patienten häufig entweder durch eine Einschränkung des Sehvermögens, weil der Tumor auf den Sehnerv drückt, oder durch hormonelle Störungen. „Eine Geschwulst in der Hypophyse ist ein seltener Tumor, ist jedoch in der Regel gut behandelbar“, so Schebesch. Auch nach der Entfernung eines Hypophysentumors werden die Patienten am UKR umfassend weiter betreut. So wird beispielsweise bei hormonellen Störungen oder Ausfällen die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I mit ihrem Schwerpunkt Endokrinologie hinzugezogen. „Wir begleiten unsere Patienten auch nach der Operation weiter, weil eine konsequente Nachsorge die Genesung fördert und etwaige hormonelle Komplikationen sofort erkannt und behandelt werden können. In einigen Fällen muss auch eine konsequente Behandlung mit künstlichen Hormonen sichergestellt werden.“, erklärt Dr. Melanie Kandulski, Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Regensburg.
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