Molekulare Entzündungsbiomarker bei CED: Transkriptionsbasierte Scores für eine verbesserte Bewertung der Darmentzündung

NEW YORK (Biermann) – Moderne CED-Therapien entwickeln sich zunehmend hin zu einem Erreichen deutlich tieferer und anhaltender Remissionsstufen. Molekulare Analysen können dabei die derzeitigen Behandlungsendpunkte ergänzen und bieten darüber hinaus das Potenzial für weniger invasive und belastende Untersuchungen.

Aus diesem Grund griffen nun US-amerikanische Wissenschaftler auf Transkriptomanalysen von insgesamt 712 endoskopisch definierten inflammatorischen (Inf) und 1778 nichtinflammatorischen (Non-Inf) Darmbiopsien (n=498 Morbus Crohn; n=421 Colitis ulcerosa und 243 Kontrollen) des Mount Sinai Crohn‘s and Colitis Registry zu. Dabei identifizierten sie Gene, die in Inf- und Non-Inf-Biopsien unterschiedlich exprimiert werden und erstellten einen molekularen Entzündungs-Score (bMIS) mittels Gen-Set-Varianzanalyse. Einen zirkulierender MIS-Score (cirMIS), der die molekulare Entzündung des Darms widerspiegelt, etablierten die Forschenden anhand von Transkriptomdaten aus dem Blut. Die bMIS/cirMIS-Scores validierten sie anschließend als Indikatoren für die Entzündung des Darms in 4 unabhängigen CED-Kohorten.

Die bMIS/cirMIS-Scores waren stark mit klinischen, endoskopischen und histologischen Krankheitsaktivitätsindizes assoziiert. Patienten mit gleichem histologischem Entzündungsscore wiesen unterschiedliche bMIS-Werte auf, was darauf hindeutet, dass der bMIS ein tiefer reichendes Spektrum der Entzündung beschreibt. Dabei wiesen beide Scores ein Ansprechen auf die CED-Behandlung nach.

Trotz vergleichbarer endoskopischer und histologischer Ausgangsaktivität sprachen C.-ulcerosa-Patienten mit niedrigeren Ausgangswerten für den bMIS eher auf eine Behandlung an als Patienten mit höheren Werten. Unter den Patienten mit einer C. ulcerosa in endoskopischer und histologischer Remission war die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Krankheitsschub bei den Betroffenen mit niedrigeren bMIS-Werten deutlich geringer.

Transkriptionsbasierte Scores können somit eine alternative objektive und aussagekräftigere Quantifizierung der Darmentzündung erlauben, um die derzeitigen klinischen Beurteilungskriterien einer Krankheitsüberwachung zu ergänzen. Diese Scores haben das Potenzial, das Ansprechen auf eine Therapie vorherzusagen und Patienten mit einem höheren Rezidivrisiko schneller zu identifizieren. (bi)

Autoren: Argmann C et al.
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Studie: Biopsy and blood-based molecular biomarker of inflammation in IBD
Quelle: Gut 2023;72(7):1271–1287.
doi: 10.1136/gutjnl-2021-326451