Molekulares Screening bei metastasiertem Krebs?5. September 2019 © science photo – stock.adobe.com Wie machbar ist die Erstellung molekularer Profile im Routine-Setting, wie effizient und welche therapeutische Wirkung resultiert daraus? Dieser Frage gingen Wissenschaftler um Olivier Trédan von der Université Claude Bernard nach. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine auf molekularer Basis empfohlene Therapie (MBRT) für 27% der Patienten in ihrer Studie bereitgestellt wurde, aber nur 6% der Patienten tatsächlich eine passende Therapie erhielten, bei einer Gesamtansprechrate von 0,9%. In die multizentrische prospektive ProfiLER-Studie hatten sie erwachsene oder pädiatrische Patienten mit soliden oder hämatologischen fortgeschrittenen Krebserkrankungen eingeschlossen, die zuvor in der fortgeschrittenen/metastasierten Situation behandelt worden waren und für eine kurative Behandlung nicht geeignet waren. Jedes molekulare Profil wurde anhand des Tumors, von Rezidiven oder Biopsien erstellt und von einem Molecular Tumor Board (MTB) überprüft, um MBRT zu identifizieren. Vier Zentren schlossen von 02/2013–02/2017 insgesamt 2579 Patienten ein, und das MTB überprüfte die für 1980 (76,8%) Patienten erstellten molekularen Profile. Die am häufigsten veränderten Gene waren CDKN2A (n=181; 7%), KRAS (n=177; 7%), PIK3CA (n=185; 7%) und CCND1 (n=104; 4%). Eine MBRT wurde für 699/2579 Patienten (27%) empfohlen, aber nur 163/2579 Patienten (6%) erhielten ≥1 MBRT. Bei den 182 initiierten MBRT-Linien wurden 23 (13%) partielle Remissionen beobachtet. Allerdings zeigten nur 0,9% der gesamten Kohorte ein objektives Ansprechen. Fazit Die Studienautoren bilanzieren, dass das molekulare Screening derzeit nicht als Entscheidungshilfe für die routinemäßige klinische Praxis außerhalb klinischer Studien dienen sollte. (sf) Autoren: Trédan O et al. Korrespondenz: Prof. Jean-Ives Blay; [email protected] Studie: Molecular screening program to select molecular-based recommended therapies for metastatic cancer patients: analysis from the ProfiLER trial Quelle: Ann Oncol 2019;30(5):757–765. Web: https://doi.org/10.1093/annonc/mdz080