Monoklonaler Antikörper gegen Vasoinhibin entwickelt22. April 2026 Nürnberger Forschende haben erfolgreich einen monoklonalen Antikörper gegen Vasoinhibin entwickelt. Vasoinhibin wird bei verschiedenen schwerwiegenden Erkrankungen eine pathogenetische Rolle zugeschrieben, darunter Netzhauterkrankungen wie Diabetische Retinopathie und Makula-Ödeme, Peripartum-Kardiomyopathie sowie Präeklampsie.(Symbolbild.)Bild:©ustas-stock.adobe.com Wissenschaftlern des Klinikums Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität ist es gelungen, den ersten monoklonalen Antikörper zu entwickeln, der Vasoinhibin — auch bekannt als 16-kDa-Prolaktin (16K PRL) — spezifisch und sensitiv erkennt. Die internationale Patentanmeldung PCT/EP2024/073698, veröffentlicht unter der Nummer WO2025098661A1, schützt den Antikörper selbst sowie seine spezifische Anwendung in standardisierten diagnostischen Testsystemen. Dazu zählt auch ein neuartiges ELISA-Kit. Mit der Patentanmeldung werden zugleich die Weichen für den Aufbau eines internationalen Referenzlabors für die Vasoinhibin-Messung gestellt. Vasoinhibin entsteht durch proteolytische Spaltung des Hypophysenhormons Prolaktin und umfasst dessen N-terminales, 16 Kilodalton großes Fragment. Das Protein besitzt ausgeprägte anti-angiogene Eigenschaften. Es hemmt die Bildung neuer Blutgefäße, reguliert die vaskuläre Permeabilität und moduliert die Endothelfunktion. Eine pathogenetische Rolle von Vasoinhibin wird für mehrere schwerwiegende Erkrankungen angenommen. Hierzu zählen die Peripartum-Kardiomyopathie, Präeklampsie sowie Netzhauterkrankungen wie Diabetische Retinopathie und Makula-Ödeme. Vasoinhibin: Ein ungedeckter diagnostischer Bedarf Die Bedeutung von Vasoinhibin als diagnostischer und prognostischer Biomarker wird derzeit in internationalen klinischen Studien evaluiert. Bislang steht den Forschern zufolge kein standardisierter, kommerziell verfügbarer quantitativer Test für Vasoinhibin zur Verfügung. Diese Lücke wollen die Wissenschaftler mir der vorliegenden Entwicklung schließen. Antikörperentwicklung und kommerzielle Verwertung Der monoklonale Antikörper wurde mittels Hybridom-Technologie erzeugt und vollständig sequenziert. Die spezifische Erkennung von Vasoinhibin in Abgrenzung zu vollständigem Prolaktin war für die Forschenden eine besondere technische Herausforderung. Denn Vasoinhibin stellt lediglich ein N-terminales Fragment des Prolaktins dar. Zudem besitzen beide Proteine eine weitgehend identische Aminosäuresequenz. Die Herstellung und der kommerzielle Vertrieb des Antikörpers für den internationalen Markt (Research Use Only) wird in Kooperation mit der Davids Biotechnologie GmbH, Regensburg, erfolgen. ELISA-Kit und internationales Referenzlabor: Die nächsten Schritte Die Wissenschaftler berichten, dass auf Grundlage des patentierten monoklonalen Antikörpers derzeit ein vollständiger ELISA-Kit zur quantitativen Bestimmung von Vasoinhibin in humanem Serum entwickelt wird. Der Kit wird neben dem monoklonalen Capture-Antikörper einen spezifischen polyklonalen Detektor-Antikörper sowie Standards auf der Basis von rekombinantem Vasoinhibin umfassen. Das Ziel sei zunächst ein standardisiertes, reproduzierbares Messsystem. Dieses soll den Anforderungen klinischer Studien (Research Use Only) gerecht werden und langfristig auch der klinischen Diagnostik (Regulatorische Zulassung) dienen. Darüber hinaus sei die Einrichtung eines internationalen Referenzlabors für die Vasoinhibin-Messung geplant. Ein solches Referenzlabor soll als Qualitätssicherungsinstanz für klinische und wissenschaftliche Laboratorien weltweit fungieren, Referenzmaterialien bereitstellen und zur Etablierung international anerkannter Normalwerte und klinischer Grenzwerte für Vasoinhibin beitragen. Die institutionelle Anbindung und der Betrieb des Referenzlabors sind Gegenstand laufender strategischer Planungen, wie die Wissenschaftler informieren. Der internationale Patentschutz für den monoklonalen Antikörper bilde dabei eine wesentliche Grundlage. Er sichert die methodische Unabhängigkeit des Labors, gewährleistet definierte Qualitätsstandards und schafft die Voraussetzung für eine nachhaltige internationale Vernetzung. „Vasoinhibin ist ein klinisch bedeutsamer Biomarker, dessen diagnostisches Potenzial bei der Peripartum-Kardiomyopathie und anderen Vasoinhibin-assoziierten Erkrankungen bislang unausgeschöpft ist — nicht zuletzt, weil eine standardisierte Messmethode fehlte. Mit dem patentierten Antikörper, dem ELISA-Kit in Entwicklung und dem geplanten Referenzlabor schaffen wir die messtechnische Infrastruktur, die für einen klinischen Einsatz dieses Biomarkers notwendig ist“, erklärte Prof. Jakob Triebel, Klinikum Nürnberg.
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