Monoklonaler Antikörper: Studie zur gezielten Therapie bei Colitis ulcerosa1. Oktober 2024 Die Ergebnisse einer neuen Studie werden möglicherweise die Behandlung von Colitis ulcerosa und Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen insgesamt beeinflussen. Foto: © SewcreamStudio/stock.adobe.com Eine Phase-II-Studie zeigt, dass eine von Forschenden des Cedars-Sinai Medical Center (USA) entwickelte Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Tulisokibart bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa wirksam ist. Die Resultate der internationalen, placebokontrollierten Studie ARTEMIS-UC lassen die Schlussfolgerung zu, dass die untersuchte gezielte medikamentöse Behandlung sicher und wirksam ist und bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa Unterstützung beim Erreichen einer klinischen Remission bietet. Publiziert wurden die Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“. „Die Ergebnisse dieser Studie werden voraussichtlich einen erheblichen Einfluss auf die Behandlung von Colitis ulcerosa und Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) insgesamt haben“, glaubt Seniorautor Dr. Stephan Targan, unter anderem Geschäftsführer des F. Widjaja Inflammatory Bowel Disease Institute am Cedars-Sinai Medical Center. „Die experimentelle Therapie wurde auf Grundlage des Konzepts der Präzisionsmedizin entwickelt. Sie ist vielversprechend, da sie sowohl entzündungshemmend als auch antifibrotisch wirkt.“ Targan hält die Behandlung für einen „potenziellen Wendepunkt in der Arzneimittelentwicklung und -entdeckung“ – sie könne die Therapie dieser komplexen Krankheit in Zukunft verändern. Gegenstand der Studie war die Bewertung des künstlich hergestellten monoklonalen Antikörpers Tulisokibart (vormals PRA023), der wie endogene Antikörper wirkt. Er zielt darauf ab, das Protein TL1A anzugreifen und zu blockieren, das zur Ausprägung beziehungsweise dem Schweregrad der C. ulcerosa beitragen kann. Der Antikörper reduziert die Entzündung und zielt auf die Fibrose ab, die viele der Komplikationen verursacht und für den Schweregrad der Erkrankung verantwortlich ist. Tulisokibart mit doppelter Wirkung „Im Gegensatz zu anderen CED-Therapien, die zu einer Verstärkung von Inflammation oder die natürlichen entzündungshemmenden Reaktionen des Körpers unterdrücken können, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Tulisokibart Inflammation und die entzündungshemmenden Mechanismen des Körpers moduliert“, berichtet Targan. „Diese doppelte Wirkung könnte zu einer ausgewogeneren und wirksameren Behandlung der C. ulcerosa führen.“ Targan und Kollegen am Cedars-Sinai Medical Center forschen zur Rolle von TL1A als Hauptregulator der Entzündung bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten. Dabei erkannten sie, dass TL1A zwar vor eindringenden Krankheitserregern schützt, in hohen Konzentrationen jedoch auch zu Entzündungen und Fibrosen bei CED beiträgt. Bei ARTEMIS-UC handelt es sich um eine über zwölf Wochen laufende Studie mit 178 Erwachsenen aus 14 Ländern. Sie umfasste auch einen genetisch basierten begleitenden diagnostischen Test, um das Ansprechen auf die Therapie vorherzusagen. In einer Phase-III-Studie soll die Sicherheit und Wirksamkeit von Tulisokibart bei Patienten weiter untersucht werden, die für mehr als zwölf Wochen mit dem Wirkstoff behandelt werden. Dr. Dermot McGovern, Leiter der translationalen Forschung am F. Widjaja Inflammatory Bowel Disease Institute am Cedars-Sinai Medical Center und ebenfalls an der Studie beteiligt, hat sich in seiner Forschung auf die Identifizierung genetischer Varianten konzentriert, die mit C. ulcerosa und anderen Autoimmunerkrankungen in Zusammenhang stehen. Ebenfalls Gegenstand seiner Arbeit sind die Erforschung von Arzneimittelzielen und die Weiterentwicklung der Therapie durch einen Ansatz der Präzisionsmedizin. Vor beinahe zwei Jahrzehnten hatten McGovern und Kollegen an der Universität Oxford (Großbritannien) in der ersten genomweiten Assoziationsstudie zu CED festgestellt, dass eine Variation im Gen der TNF-Superfamilie 15 (TNFSF15) mit der Entwicklung sowohl von C. ulcerosa als auch von Morbus Crohn in Zusammenhang steht. Das Protein TL1A, das im Zentrum auch der aktuellen Forschung steht, wird durch TNFSF15 kodiert. „Die Ergebnisse der ARTEMIS-UC-Studie zeigen beispielhaft, wie die Kombination von Genetik und Biologie die CED-Therapie verändern kann“, unterstreicht McGovern.