„Moving to a headache-less future“: Kongressbericht zum 16. Europäischen Kopfschmerzkongress5. Mai 2023 Foto: ©alisseja – stock.adobe.com Nach zwei Jahren, in denen der Kongress der European Headache Federation (EHF) nur virtuell stattfinden konnte, wurde er im Dezember 2022 als hybrider Kongress in Wien durchgeführt. Entsprechend dem Kongressmotto „Moving to a headache-less future“ wurden neue Entwicklungen und Forschungsergebnisse zur Prävention, Diagnostik und Therapie von Fachexperten vorgestellt und diskutiert. Die Jahrestagung war erstmals in der Geschichte des Kopfschmerzkongresses weltweit komplett online zugänglich. Damit wurde neben den 1500 Besuchern vor Ort auch 300 Interessierten die Online-Teilnahme ermöglicht. Sie alle konnten die zahlreichen Vorträge und Poster zum Thema „Aufbruch in eine kopfschmerzfreie Zukunft“ verfolgen. Mit der Diskussion neuer Erkenntnisse und einer spezialisierten Weiterbildung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie weiterer Fachkräfte aus der Gesundheitsbranche, die Menschen mit Kopfschmerzen behandeln, gab es ein Update zum aktuellen Forschungsstand. Zum ersten Mal waren auch beteiligte Patientenorganisationen eingeladen. Tagungspräsident Christian Lampl, Präsident der EHF (European Headache Federation) und Professor für Neurologie am Konventhospital der Barmherzigen Brüder in Linz (Österreich) sowie Direktor des Headache Medical Center Linz, wurde unterstützt von der EHF-Vizepräsidentin Antoinette Maaßen van den Brink, Professorin für Neurovaskuläre Pharmakologie, Erasmus MC, Abt. Innere Medizin für Pharmakologie und Gefäßmedizin, Rotterdam (Niederlande). Mit dem europaweiten interdisziplinären Austausch und in Kooperation verschiedener Fachgesellschaften setzte der EHC 2022 ein neues Format der Auseinandersetzung und des Austauschs für die Kopfschmerzforschung und die Versorgung der Patientinnen und Patienten. „Weg von starren aufeinanderfolgenden einzelnen Lectures, hin zu neuen Möglichkeiten, eines verstärkten Austauschs auch zwischen den Sessions“, wie Lampl betonte. Ein „Headache-Theatre“ bot einen ganz neuen Rahmen, in dem sich spontan Gruppen interdisziplinär und interkulturell austauschen konnten. Dabei wurden neben Themen wie Spannungskopfschmerzen und Migräne auch sekundäre Kopfschmerzen und die Belastungsfaktoren diskutiert, die bei Kopfschmerz auftreten können. Schwerpunkte des Kongresses waren unter anderem neue Erkenntnisse zur Klassifikation von Kopfschmerzen, zum interiktalen Zustand des Kopfschmerzes sowie zum zirkadianen Rhythmus und Cluster-Kopfschmerz. Neben internationalen Expertenvorträgen und breit gefächerten Postersessions zu allen Bereichen der Kopfschmerzforschung waren auch die Round-Table-Diskussionen zur kritischen Aufarbeitung der oralen Prophylaxe, zu Ansätzen der nichtmedikamentösen Migränetherapie und zu neuen Leitlinien gut besucht. Dazu gab es ein Update zur Attacken- und Prophylaxetherapie der Migräne 2023. Bei der Frage der Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen wurde diskutiert, ob die Verschreibung prophylaktischer Medikamente aufhören sollte. In einer Sitzung speziell zum Kinderkopfschmerz wurde die Problematik der Prophylaxe breit gefächert vorgetragen. Unter anderem ging es auch um neue Medikamente, die in der Migräneprophylaxe zum Einsatz kommen. Hochaktuelle Themen waren mehrere aktuelle medizinisch-wissenschaftliche Vorträge im Bereich der Covid-Kopfschmerzen, etwa zu impfstoffbedingten Kopfschmerzen und Cluster-Kopfschmerzen sowie ein Vergleich des primären Kopfschmerzes, des COVID-19-Kopfschmerzes und des COVID-19-Impfkopfschmerzes bei Beschäftigten im Gesundheitswesen. Auch in den Postervorträgen gab es dazu viele Individualansätze, zum Beispiel kamen einige junge Forscher aus Spanien und Italien und berichteten über neue Untersuchungen. Vier spannende Tage lang ging es auch um neue Entwicklungen im Bereich Epidemiologie. „Globale epidemiologische Studien belegen, dass Kopfschmerzen und Migräne generell eine weltweite Erkrankung sind, mit einer Häufung bei Frauen unter 40 Jahren und insgesamt weit verbreitet – häufiger als Multiple Sklerose, Parkinson und Epilepsie!“, wie Prof. Lampl betonte. Der Kongress bot eine Erweiterung der Kopfschmerzthemen über Europa und die Staatengrenzen hinaus, indem nicht nur große internationale Kopfschmerzzentren eine Plattform hatten, sondern auch kleinere Länder und neue Mitgliedstaaten der EHF wie zum Beispiel Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Erkenntnis der weltweiten Forschung, dass die Krankheit neben der großen internationalen Ausbreitung mit weniger Lebensbedrohlichkeit, aber erhöhtem Leidensdruck verbunden ist, wurde auch an die jungen Mediziner herangetragen: „Für manche erscheint vielleicht Multiple Sklerose oder Schlaganfall mehr sexy als der Kopfschmerz“, so Lampl. Um das zu ändern, war ein wichtiger Tagungsschwerpunkt die Neugründung des „Juniors Forum“. Die „Future headache Expertengruppe“ wurde von den jungen Medizinern in ihrer frühen Ausbildungsphase gut angenommen. Schon früh an den Kongresstagen starteten die „Educational Lectures“, in denen sie in wichtigen Kopfschmerzthemen unterrichtet wurden. Entsprechend dem im Kongressmotto angesprochenen „Aufbruch in eine kopfschmerzfreie Zukunft“ ging es bei dem internationalen Expertenaustausch um das Ziel von mehr kopfschmerzfreien Tagen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus verschiedenen Kontinenten – zum Beispiel auch aus Indien, aus dem Iran, aus den Golfstaaten – führten zu interessanten Diskussionen und konstruktiven Anstößen, die von den Teilnehmenden als große Bereicherung angenommen wurden. Zu dem gelungenen fachlichen Austausch trugen spezielle internationale Erfahrungen bei, etwa aus den Vereinigten Staaten im Bereich Kinderkopfschmerzen und im Bereich der COVID-Therapie bei Kopfschmerzen. Internationale Expertinnen und Experten stellten sehr unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten vor. Die Bandbreite der Kopfschmerztherapien ist groß: von nichtmedikamentösen Therapieverfahren (Stimulations-Devices) bis hin zur Entwicklung von Migränemedikamenten wie CGRP-Antikörpern (Small Molecules) zur Akutbehandlung, die in Zukunft vielleicht auch schon zur Vorbeugung eingesetzt werden können. Die spannenden Diskussionen können beim 17. Europäischen Kopfschmerzkongress EHC 2023 in Barcelona/Spanien fortgeführt werden. Der weitere Austausch zur Forschung und Weiterbildung der Ärzte und des Behandlungsteams für Kopfschmerzpatienten findet vom 6. bis 9. Dezember 2023 statt.
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