MRT keine gute Alternative zum Mammographie-Screening13. August 2018 Foto: © momius – Fotolia.com Zur Früherkennung von Brustkrebs wird Frauen in Deutschland das Mammographie-Screening-Programm angeboten. Könnte die Magnetresonanztomographie als Individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL, eine sinnvolle Ergänzung oder gar Alternative zum Screening sein? Weder noch, lautet das Fazit des IGeL-Monitors. Die Wissenschaftler bewerten die MRT zur Brustkrebsfrüherkennung mit „tendenziell negativ“. Die Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, gilt als sehr genaue Untersuchungsmethode. Sie wird deshalb auch als Alternative oder als Ergänzung zur Mammographie beworben. Wissenschaftler des IGeL-Monitors wollten wissen, ob die MRT Frauen, die kein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, davor bewahren kann, an Brustkrebs zu sterben. Sie fanden keine Studien, die diese Frage untersucht haben. Man weiß daher nicht, ob die MRT einen Nutzen hat. Die MRT kommt ohne Röntgenstrahlen aus, aber für ein scharfes, aussagekräftiges Bild müssen den Frauen Mittel in das Blut gespritzt werden, die den Kontrast erhöhen. Diese Mittel können Nebenwirkungen haben. Letztlich gaben die möglichen Nebenwirkungen der Kontrastmittel den Ausschlag dafür, dass die Experten des IGeL-Monitors die Schäden durch die MRT höher bewerten als die Schäden durch die Mammographie. Zur Früherkennung von Brustkrebs wurde in Deutschland im Jahr 2009 das Programm zum Mammographie-Screening eingeführt. Seitdem hat jede Frau zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie-Untersuchung im Screening-Programm. Außerdem kann jede Frau ab 30 ihre Brust bei der jährlich angebotenen Frauenarzt-Untersuchung abtasten und sich über die Selbstbeobachtung informieren. Darüber hinaus kommen auch andere Verfahren zum Einsatz, um Brustkrebs früh zu erkennen, wie der Ultraschall und die MRT. Wissenschaftler des IGeL-Monitors suchten in der Forschungsliteratur vergeblich nach Studien zu der Frage, ob eine MRT bei beschwerdefreien Frauen ohne besonders hohes Brustkrebsrisiko Todesfälle durch Brustkrebs verhindern kann. Es sollte dabei um Frauen ab 40 Jahren gehen, die die MRT als Ergänzung oder als Alternative zu einem Mammographie-Screening bekamen. Ohne solche Studien kann man nicht von einem Nutzen ausgehen. Es kann zwar sein, dass die MRT als sehr sensibles Verfahren ergänzend zur Mammographie und vermutlich auch alternativ zur Mammographie mehr Tumore findet als die Mammographie alleine. Das Problem ist aber, dass „mehr Tumore finden“ nicht heißt, dass auch mehr Menschen überleben, wie man aus anderen Studien zur Krebsfrüherkennung folgern kann. Es geht schließlich nicht darum, irgendwelche Tumore zu finden. Es müssen vielmehr frühe, noch behandelbare Tumore sein, die sich zu tödlichen Gefahren weiterentwickelt hätten. Schäden bei der MRT-Untersuchung können durch die Kontrastmittel entstehen. Die momentan verfügbaren Präparate können zum Beispiel Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel auslösen. Gelegentlich kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen und gelegentlich bis sehr selten zu heftigen Immunreaktionen oder Nierenschäden kommen. Die Wissenschaftler des IGeL-Monitors sehen für die MRT, wenn sie ergänzend oder alternativ zum Mammographie-Screening eingesetzt wird, ein Schadenspotenzial, das sie auch als gravierender einschätzen als das Strahlungsrisiko durch die Mammographie. Der IGeL-Monitor stimmt mit seiner eher skeptischen Bewertung der MRT zur Brustkrebsfrüherkennung mit der Einschätzung deutscher Fachgesellschaften überein. Eine ärztliche Leitlinie von 2017 bezeichnet die Mammographie als die einzige Methode, von der belegt ist, dass sie Frauen vor dem Brustkrebstod bewahren kann. Deshalb soll Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eine Teilnahme am die Mammographie-Programm empfohlen werden. Für bildgebende Verfahren wie Ultraschall und MRT liegen laut Leitlinie keine ausreichenden Hinweise dafür vor, dass sie Brustkrebstodesfälle verhindern können, weder als Ergänzung noch als Alternative zum Mammographie-Screening.
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