Multidisziplinärer uroonkologischer Kongress dieses Jahr digital

Arnulf Stenzl. Foto: Universitätsklnikum Tübingen

Der European Multidisciplinary Congress on Urological Cancers (EMUC) findet aufgrund der weiterhin grassierenden Corona-Pandemie dieses Jahr am 13. und 14. November komplett online statt. Dafür haben die Veranstalter das bereits bestehende Programm für den vorgesehenen Präsenzkongress in eine Online-Veranstaltung umgeändert.

Der jährliche Fachkongress zu urologischen Krebserkrankungen ist eine gemeinsame Veranstaltung der European Society of Medical Oncology (ESMO), der European Society for Radiology and Oncology (ESTRO) und der European Association of Urology (EAU). Der Kongress hat nach Veranstalterangaben jählich 1000 Teilnehmer angezogen. Dieses Jahr findet er zum zwölften Mal statt.

“Wir haben das Programm etwas ‘fokussiert’ und die Gelegenheit genutzt, um 2020 Themen vorzustellen, die sich speziell auf die Uroonkologie beziehen: die Auswirkungen von COVID-19 und die virtuelle Kommunikation mit unseren Onkologiepatienten”, sagt Prof. Arnulf Stenzl, Tübingen, der den Kongress als EAU-Vertreter leitet, gemeinsam mit Prof. Aristotelis Bamias, Athen (Griechenland) für die ESMO und Prof. Peter Hoskin, Northwood (Großbritannien) für die ESTRO. Für die Anpassung des Programms zeichnet Prof. Alberto Briganti, Mailand (Italien) von der EAU verantwortlich.

Sitzungen am Nachmittag und Abend

Da sich die virtuellen Fachkongresse inzwischen häufen, konnten die Veranstalter Erfahrungen aus früheren Online-Treffen nutzen. So finden etwa am Vormittag keine Sitzungen statt, sondern nachmittags und abends.

„Virtuelle Meetings müssen etwas kürzer sein“, begründet Stenzl, „und die Teilnehmer möchten den Vorteil haben, dass sie – da sie nicht auf Reisen sind und zu Hause bleiben – einige klinische (oder private) Besorgungen erledigen können, bevor in sie fortgeschrittene Online-Weiterbildung wie den EMUC20 eintauchen. Ein kürzeres Meeting trägt auch dazu bei, dass es angenehmer ist, hinter unseren Computern zu sitzen.“

„Durch die Verkürzung der einzelnen Blöcke lassen wir auch etwas mehr Raum für Online-Diskussionen. Dies ist jetzt besonders wichtig, da wir uns nicht persönlich treffen können”, so Stenzl weiter. Der EMUC20 bietet eine Frage- und Antwortfunktion, mit der die Teilnehmer Fragen an die Moderatoren senden können, welche dann die Fragen an die Redner oder Diskussionsteilnehmer weitergeben.

Aufgezeichnete Präsentationen mit Live-Diskussionen

Die Präsentationen selbst werden aufgezeichnet, jedoch mit Live-Moderation und mit anschließenden Diskussionen der Redner, sofern verfügbar. Auf die Frage, warum eine Voraufnahme bevorzugt wurde, sagte Stenzl:

„Wir haben auf dem virtuellen Kongress der EAU20 sowie in anderen großen virtuellen Meetings der letzten Zeit gesehen, dass es einfacher und technisch sicherer ist, aufgezeichnete Präsentationen zu erstellen. Dies trägt zur Aufrechterhaltung der Zeitdisziplin bei und stellt sicher, dass die Sprecher die technische Hilfe erhalten, die sie benötigen. Bei einer anschließenden Live-Diskussion gibt es praktisch keinen Unterschied zu regulären Meetings, sondern nur Vorteile.“

Den Veranstaltern ist es wichtig, dass ihr Kongress auch Abstract- Präsentationen enthält. Neue Forschungsergebnisse seien in den letzten Monaten teilweise unter den Tisch gefallen. „Natürlich wird der Kongress Falldiskussionen, Roundtable-Diskussionen und State-of-the-Art-Vorträge der wichtigsten Experten bieten. Aber manchmal kommt Forschung, die Dinge in ferner Zukunft verändern oder alltägliche Erfahrungen darstellen könnte, durch die Vorstellung von Abstracts, auch von ursprünglichen ‘Außenseitern’.“

Vorteile eines Online-Kongresses – abgesehen von der Kontaktvermeidung

In Anbetracht der unglücklichen, aber notwendigen Absage physischer Fachkongresse sieht Stenzl aber auch einige Vorteile: „Trotz der Tatsache, dass mehrere Umfragen zeigen, dass persönliche Treffen die bevorzugte Art von Besprechungen unter Fachleuten sind, wird dieser interdisziplinäre Kongress den Teilnehmern in einem sehr kurzen Zeitrahmen ermöglichen, Diskussionen unter den wichtigsten Meinungsführern verschiedener Disziplinen, die auf Uroonkologie spezialisiert sind, zu erleben und daran teilnzunehmen.“

Zudem hätten Die jüngsten Online-Kongresse gezeigt, dass die Anzahl der Teilnehmer bei virtuellen Treffen höher sein kann als bei Präsenzveranstaltungen, so Stenzl weiter. So könnten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mehr Spezialisten erreichen.

Prof. Stenzl weist auch darauf hin, dass gerade in der aktuellen Pandemie die zeitnahe und zeitgemäße Behandlung von Krebspatienten wichtig ist. Die Teilnehmer des Online-EMUC könnten ihre Ansichten darüber austauschen, wie sie ihren Patienten trotz der derzeitigen Einschränkungen aufgrund von COVID-19 die beste Krebsbehandlung anbieten können.

(ms)

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