Multistamm-Probiotika zur Vorbeugung von Rückfällen der bakteriellen Vaginose

Ein Probiotikum mit verschiedenen Stämmen kann die Vaginalflora wieder aufbauen und dadurch Rückfälle der bakteriellen Vaginose unterbinden. (Symbolbild: © designua/stock.adobe.com)

Ein internationales Forscherteam hat einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Vorbeugung von wiederkehrender bakterieller Vaginose identifiziert.

In einer randomisierten klinischen Phase-1-Studie mit Frauen in den USA und Südafrika stellten Forscher fest, dass eine kurze Behandlung mit einem Multistamm-Probiotikum die schützende Vaginalflora wiederherstellte und das Wiederauftreten der Erkrankung signifikant reduzierte. Die Ergebnisse der Studie, einer Kooperation zwischen Forschern des Mass General Brigham, dem Centre for the AIDS Programme of Research in South Africa (CAPRISA) und dem Vaginal Microbiome Research Consortium, wurden in der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe“ veröffentlicht.

Antibiotika zerstören die Vaginalflora

„Bakterielle Vaginose ist nicht nur mit lästigen und belastenden Symptomen verbunden, sondern beeinträchtigt auch die reproduktive Gesundheit“, so die korrespondierende Autorin Dr. Caroline Mitchell. „Jahrzehntelang haben wir uns auf Medikamente verlassen, die zwar die Infektion bekämpfen, aber die nützlichen Bakterien nicht wiederherstellen und so die Vaginalflora anfällig machen. Wir wollten herausfinden, ob wir diese Flora mit schützenden Bakterien neu besiedeln und den Körper dabei unterstützen können, auf natürliche Weise gesund zu bleiben.“

Weltweit sind etwa 30 Prozent der Frauen von bakterieller Vaginose betroffen. Sie verursacht Ausfluss, Geruch und Reizungen und ist mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten, HIV-Infektionen und abnormales Zellwachstum am Gebärmutterhals verbunden. Bakterielle Vaginose ist eine Störung des vaginalen Mikrobioms. Obwohl Antibiotika die Symptome kurzfristig lindern, erleiden bis zu 60 Prozent der Frauen innerhalb von sechs Monaten erneut eine bakterielle Vaginose. Nach einer Antibiotikabehandlung weisen nur sehr wenige Frauen eine optimale vaginale Bakterienflora auf, die hauptsächlich aus Lactobacillus crispatus besteht.

Frühere klinische Phase-2-Studien mit einem lebenden Biotherapeutikum aus einem einzigen Bakterienstamm reduzierten das Wiederauftreten von bakterieller Vaginose nach 12-wöchiger Anwendung. Allerdings konnten die nützlichen Bakterien bei mehr als der Hälfte der Teilnehmerinnen nicht nachweisbar gehalten werden. Um eine verbesserte probiotische Behandlung zu entwickeln, stellten die Forscher ein lebendes Biotherapeutikum mit mehreren Stämmen von L. crispatus her.

Multizentrische amerikanisch-afrikanische Studie

Ihre Studie mit dem Namen VIBRANT (Vaginal lIve Biotherapeutic RANdomized Trial) war eine multizentrische Kooperation unter der Leitung des Vaginal Microbiome Research Consortium. Mitchell fungiert als regulatorischer Sponsor und überwacht die Herstellung und das FDA-Zulassungsverfahren. Das CAPRISA-Team in Vulindlela, Südafrika, leitete in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Forschern die Rekrutierung der Teilnehmerinnen und die Probenanalyse.

Disebo Potloane, die die Studie in der ländlichen südafrikanischen Forschungsklinik von CAPRISA leitete, erklärt: „HIV stellt weiterhin eine große Herausforderung für junge Frauen in Afrika dar, und die Senkung ihres Infektionsrisikos war bisher ein schwer zu erreichendes Ziel. Die ermutigenden Ergebnisse der VIBRANT-Studie lassen auf die Entwicklung von Strategien hoffen, die eine grundlegende Ursache ihres HIV-Risikos beseitigen sollen.“

Neunzig Teilnehmerinnen aus Vulindlela, Südafrika, und Boston, USA, nahmen an der Studie teil. Jede Teilnehmerin erhielt sieben Tage lang Antibiotika und eine von drei Behandlungen: Placebo-Tabletten, Tabletten mit sechs oder mit fünfzehn Bakterienstämmen. Null, drei oder sieben Tabletten enthielten probiotische Bakterien; an den übrigen Tagen erhielten die Teilnehmerinnen Placebo.

Ziel: Langfristige Ansiedlung von L. crispatus

Die Forscherinnen und Forscher nutzten Genomsequenzierung, um fünf Wochen lang wöchentlich auf nützliche Bakterien zu testen. Die Forscher fanden heraus, dass das vaginale Mikrobiom von zwei Drittel der Teilnehmerinnen (66 %) innerhalb der ersten fünf Wochen schützende L. crispatus-Bakterien enthielt. Fast die Hälfte dieser Gruppe wies die Bakterien auch noch in der verlängerten Nachbeobachtungsphase nach 12 Wochen auf, obwohl einige nur drei Tage lang aktiv behandelt wurden. Teilnehmerinnen mit schützenden Bakterien nach fünf Wochen hatten ein signifikant geringeres Risiko, während des Studienzeitraums erneut an bakterieller Vaginose zu erkranken.

Das Forschungsteam plant eine Folgestudie zur Optimierung der Behandlung, bevor größere klinische Studien zur FDA-Zulassung vaginaler Lebendbiotherapeutika gegen bakterielle Vaginose initiiert werden. Neben den klinischen Implikationen bietet die VIBRANT-Studie einen seltenen Einblick in die biologischen Mechanismen des vaginalen Mikrobioms.

„Wir wissen leider noch immer zu wenig über die grundlegende Biologie des vaginalen Milieus“, so Mitchell. „Diese Studie ist mehr als nur die Prüfung eines neuen Produkts; sie ist eine der wenigen Möglichkeiten, diese nützlichen Bakterien zu untersuchen und die Faktoren zu identifizieren, die zu ihrer Besiedlung führen.“

(lj/BIERMANN)

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