Musiktherapie lindert bei Demenzkranken möglicherweise depressive Symptome1. April 2025 Selbst mit kognitiven Einschränkungen können Senioren oft noch musizieren. (Foto: © Kzenon – stock.adobe.com) Eine neuer Cochrane Review hat Hinweise darauf gefunden, dass Menschen mit Demenz von einer Musiktherapie profitieren können, insbesondere durch einen Rückgang depressiver Symptome. Manche Menschen mit Demenz verlieren in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium die Fähigkeit, sich klar und verständlich mit Worten auszudrücken. Sie können jedoch oft weiterhin Melodien summen oder sich musikalisch beteiligen. Die World Federation of Music Therapy (WFMT) definiert Musiktherapie als „die professionelle Nutzung von Musik und ihren Elementen zur gezielten Intervention in medizinischen, pädagogischen und alltäglichen Kontexten“. Selbst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien kann sie eingesetzt werden, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Ein niederländisches Cochrane-Team untersuchte in einem aktuellen Cochrane Review nun die Ergebnisse von 30 Studien mit 1720 an Demenz erkrankten Personen, die mindestens fünf Sitzungen Musiktherapie erhielten. Die Studien wurden hauptsächlich in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, darunter Australien, Taiwan, die USA und verschiedene europäische Länder. Fast alle Therapien enthielten aktive Elemente wie das Spielen von Instrumenten, oft kombiniert mit rezeptiven Komponenten, beispielsweise dem Hören von live dargebotener Musik. Die meisten Teilnehmenden lebten in Pflegeheimen. Die Therapien wurden entweder individuell oder in Gruppen durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Musiktherapie im Vergleich zur üblichen Versorgung wahrscheinlich direkt nach der Intervention depressive Symptome verbessert (moderate Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Möglicherweise verbessern sich auch allgemeine Verhaltensprobleme (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Ob sich die Musiktherapie auf Unruhe, Aggression, emotionales Wohlbefinden oder Kognition auswirkt, ist unklar. Die derzeit vorliegende, begrenzte Evidenz zeigt hierauf keinen Effekt. Im Vergleich zu anderen Aktivitäten wie Malen, verbessert eine Musiktherapie direkt nach der Intervention möglicherweise das Sozialverhalten und verringert möglicherweise Ängste (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Ob die Effekte länger anhalten (vier Wochen oder länger nach Behandlungsende) ist aufgrund der begrenzten Anzahl von Studien, die die Auswirkungen nach Beendigung der Behandlung beobachten, noch ungewiss. Weitere Forschung zu den Langzeiteffekten von Musiktherapie sei erforderlich. Da ein Großteil der vorhandenen Erkenntnisse aus Pflegeheimen stammt, wäre eine Ausweitung der Studien auf gemeindenahe Umgebungen wünschenswert, resümieren die Autoren des Reviews. In der aktuellen Fassung der Living Guideline „Demenzen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird die Musiktherapie ebenfalls als psycho- und soziotherapeutische Therapieoption vorgeschlagen.
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