Muskelinvasiver Blasenkrebs: Enfortumab-Vedotin als neoadjuvante Therapie für Cisplatin-ungeeignete Patienten7. März 2022 Bei muskelinvasivem Blasenkrebs hat sich eine neoadjuvante Therapie vor der Zystektomie als vorteilhaft erwiesen. Grafik: SciePro – stock.adobe.com Die neoadjuvante Behandlung von Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs (MIBC), die für Cisplatin nicht geeignet sind, mit Enfortumab-Vedotin (EV) zeigt ersten Daten zufolge vielversprechende Antitumoraktivität. Dies ergab eine Zwischenauswertung der Kohorte H der Phase-Ib/II-Studie EV-103. Dr. Daniel P. Petrylak vom Yale Krebszentrum in New Haven (CT, USA) präsentierte die Ergebnisse am 18.02.2022 beim Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO-GU). Wie er erklärte, verlängert eine Cisplatin-haltige neoadjuvante Chemotherapie vor radikaler Zystektomie und pelviner Lymphknotendissektion (RC+PLND) das Gesamtüberleben von MIBC-Patienten. Für Patienten, die aus medizinischen Gründen nicht für eine Cisplatin-Chemotherapie geeignet sind, fehlt aber bisher eine neoadjuvante Therapiemöglichkeit. Um diesen ungedeckten Bedarf zu erfüllen, wird in der besprochenen Studie EV getestet. Hierbei handelt es sich um ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das gegen Nectin-4 gerichtet ist, welches im Urothelkarzinom stark exprimiert wird. In anderen Phase-II- und -III-Studien hat EV bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, einschließlich Cisplatin-ungeeigneter Patienten, Erfolge gezeigt.In die Kohorte H der Studie EV-103 (NCT03288545) wurden Patienten mit Cisplatin-ungeeignetem cT2-T4aN0M0-MIBC aufgenommen, die für RC+PLND geeignet waren und einen Performance-Status von 0-2 nach Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG) aufwiesen. Die Patienten erhielten 3 Zyklen neoadjuvantes EV (1,25 mg/kg) an den Tagen 1 und 8 jedes 3-wöchigen Zyklus vor RC+PLND. Der primäre Endpunkt der Studie war die Rate vollständigen pathologischen Ansprechens (pathological complete response rate, pCRR; ypT0N0) gemäß zentraler Überprüfung. Zu den wichtigsten sekundären Endpunkten gehörten die Rate des pathologischen Downstagings (pDS) (yp T0, Tis, Ta, T1, N0) und die Sicherheit. 22 Patienten wurden behandelt. Die Tumorstadien waren cT2 (68,2%), cT3 (27,3%) und cT4 (4,5%). Bei 68,2% war histologisch das Urothelkarzinom vorherrschend; 31,8% hatten eine gemischte Histologie. 19 Patienten absolvierten alle 3 Zyklen. 21 Patienten wurden RC+PLND unterzogen und 1 hatte eine partielle Zystektomie. 36,4% der Patienten sprachen pathologisch vollständig auf die Therapie an. pDS wurde bei 50,0% der Patienten beobachtet, bei 1 Fall steht eine zentrale pathologische Überprüfung aus. Die häufigsten (behandlungsbedingten) unerwünschten Ereignisse ([treatment-related] adverse events, [TR]AEs) waren Müdigkeit (45,5%), Alopezie (36,4%) und Dysgeusie (36,4%). 18,2% der Patienten hatten EV-bedingte TRAEs von Grad ≥3. Aufgrund der neoadjuvanten Therapie wurde keine Operation verzögert. 3 Patienten hatten während der Studie AEs vom Grad 5, die nicht mit EV in Zusammenhang standen; bei 2 Patienten traten diese AEs >30 Tage nach RC+PLND auf. Vielverprechende Ergebnisse – aber auch mit klinischem Effekt? Wie sind diese Ergebnisse zu bewerten? “Die beobachtete pCRR nach neoadjuvanter EV-Therapie zeigte eine vielversprechende Aktivität bei Cisplatin-ungeeigneten Patienten mit MIBC”, fasste Petrylak zusammen. Die beobachteten TRAEs stimmten mit dem bekannten Sicherheitsprofil von EV überein. Die Daten unterstützen ihm zufolge die laufenden Phase-II- und -III-Programme zur Bewertung von EV bei MIBC. Zum Vergleich: Auch bei der neoadjuvanten Therapie mit Cisplatin liegt pCRR <50%. Dr. Guru P. Sonpavde vom Dana-Farber Cancer Institute und der Harvard Medical School in Boston (MA, USA) unterzog die Ergebnisse der Studie einer kritischen Würdigung. So gab er zu bedenken, dass in der ohnehin kleinen Patientenzahl ein hohe Anteil von cT2N0-Tumoren vorlag, was die beobachtete pCRR beeinflusst haben könnte. Er nannte die erreichte pCRR zwar beeindruckend, betonte aber, dass die klinischen Auswirkungen unbekannt seien. „Wird pCR zu verbesserten Langzeitergebnissen führen und mehr Patienten heilen? Ich denke, das bleibt abzuwarten“, schloss er und wies darauf hin, dass mehrere laufende Phase-III-Studien EV-haltige Regime im neoadjuvanten Setting evaluieren, einschließlich Kombinationen von EV mit verschiedenen Checkpoint-Inhibitoren. (ms)
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