Muskelschmerzen unter Statintherapie

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Ein Großteil der Schmerzen ist nicht auf die Behandlung zurückzuführen, wie die Cholesterol Treatment Trialists‘ Collaboration veröffentlicht hat.

Statine werden regulär zur Prävention artherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Dass es unter dieser Therapie – anders als vielfach angenommen – eher selten zu den gefürchteten Muskelschmerzen und -schwäche kommt, zeigte im September die Cholesterol Treatment Trialists‘ Collaboration in „The Lancet“. Ihr Fazit: Die nur geringen Risiken von Muskelbeschwerden sind viel niedriger als die bekannten kardio­vaskulären Vorteile.

Die Studiengruppe wertete hierzu die individuellen Teilnehmerdaten von 19 großen, randomisierten Doppelblindstudien in einer Metaanalyse aus, in denen bei 123.940 Patien­ten (mittleres Alter 63±8 Jahre; 27,9 % Frauen) ein Statin mit einem Placebo verglichen wurde. Zudem analysierten sie weitere 4 Studien mit 30.724 Teilnehmern, in denen ein intensiviertes mit einem weniger intensiven Statin-Behandlungs­konzept verglichen wurde.

Muskelschmerzen oder -schwäche meldeten während der gewichteten mittleren Nachbeobachtungszeit von 4,3 Jahren 16.835 (27,1 %) Patienten unter Statin sowie 16.446 (26,6 %) unter Placebo (Ratenverhältnis [RR] 1,03; 95 %-KI 1,01–1,06). Im ersten Jahr führte die Statintherapie zu einem relativen Anstieg der Muskelschmerzen oder -schwäche um sieben Prozent (RR 1,07; 95 %-KI 1,04–1,10), was einer absoluten Überschreitungsrate von elf (95 %-KI 6–16) Ereignissen/1000 Personenjahre entspricht. Den Autoren zufolge deutet dies darauf hin, dass nur 1/15 dieser muskelbezogenen Berichte tatsächlich auf das Statin zurückzuführen war. Nach dem ersten Jahr wurden muskelbezogene Symp­tome nicht mehr signifikant häufiger gemeldet (RR 0,99; 95 %-KI 0,96–1,02).

Für alle Jahre zusammen ergab sich für intensivere Statintherapien (d. h. 40–80 mg Atorvastatin oder 20–40 mg Rosuvastatin 1-mal täglich) im Vergleich zu Placebo ein höheres RR als für weniger intensive oder mäßig intensive Therapien (1,08; 95 %-KI 1,04–1,13 vs. 1,03; 95 %-KI 1,00–1,05). Außerdem gab es auch noch nach dem ersten Jahr einen kleinen Überschuss (1,05; 95 %-KI 0,99–1,12) für intensivere Therapien.

Die Forscher konnten keine eindeutigen Hinweise darauf finden, dass sich das RR bei verschiedenen Statinen oder unter verschiedenen klinischen Bedingungen unterscheidet. Die Statintherapie führte zu einem geringen, klinisch unbedeutenden Anstieg der medianen Kreatinkinase-Werte um das 0,02-Fache der oberen Grenze des Normalwertes. Den Autoren zufolge sollte die klinische Behandlung von Muskelsymptomen bei Patienten, die ein Statin einnehmen, überprüft werden. (ah)