Myopie: Wie Naharbeit und schwaches Licht Kurzsichtigkeit fördern27. Februar 2026 Eine kürzlich veröffentlichte Arbeit deutet darauf hin, dass Myopie weniger durch Bildschirme selbst entsteht, sondern vor allem durch eine weit verbreitete Sehgewohnheit in Innenräumen: längeres Fokussieren auf nahe Objekte bei schwacher Beleuchtung, was die Lichtzufuhr auf die Netzhaut reduziert.(Symbolbild).Bild:©New Africa-stock.adobe.com Eine US-amerikanische liefert eine neue Erklärung dafür, warum Naharbeit und schlechte Lichtverhältnisse Kurzsichtigkeit begünstigen können. Seit Jahren gilt die zunehmende Bildschirmnutzung – insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen – als Haupttreiber der weltweit steigenden Myopie-Raten. Eine neue Studie des College of Optometry der State University of New York (SUNY), USA, stellt diese gängigen Annahmen über die Ursachen von Kurzsichtigkeit infrage. Die in der Fachzeitschrift „Cell Reports“ veröffentlichte Arbeit legt nahe, dass Myopie weniger durch Bildschirme selbst als vielmehr durch eine verbreitete Sehgewohnheit in Innenräumen verursacht wird. Es handelt sich dabei um langes Fokussieren auf nahe Objekte in Umgebungen mit wenig Licht. Dadurch gelangt weniger Licht auf die Netzhaut. Neben Genetik beeinflussen auch Umweltfaktoren das Myopierisiko „Kurzsichtigkeit hat weltweit fast epidemische Ausmaße erreicht, doch wir verstehen noch immer nicht vollständig, warum“, erklärte Dr. Jose-Manuel Alonso, MD, PhD, SUNY Distinguished Professor und leitender Autor der Studie. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein häufiger zugrunde liegender Faktor darin bestehen könnte, wie viel Licht während längerer Naharbeit – insbesondere in Innenräumen – auf die Netzhaut trifft. Myopie hat sich zu einer weltweiten Epidemie entwickelt. Fast 50 Prozent der jungen Erwachsenen in den Vereinigten Staaten und Europa sowie fast 90 Prozent in Teilen Ostasiens sind betroffen. Zwar beeinflusst die Genetik das Risiko. Dennoch spricht der rasante Anstieg über wenige Generationen hinweg klar für den starken Einfluss von Umweltfaktoren. Einheitlicher neuronaler Mechanismus soll Entstehung und Kontrolle der Myopie erklären In Tiermodellen lässt sich Myopie sowohl durch visuelle Deprivation als auch durch den Einsatz von Negativlinsen auslösen. Bislang ging man davon aus, dass diesen Verfahren unterschiedliche neuronale Mechanismen zugrunde liegen. Auch in der klinischen Praxis wird das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit mit verschiedenen Strategien gebremst, etwa durch multifokale Linsen, Atropintropfen, Kontrastreduktion oder mehr Zeit im Freien. Jede Strategie zielt auf unterschiedliche Wirkprinzipien. Forscher des SUNY College of Optometry schlagen nun einen einheitlichen neuronalen Mechanismus vor. Dieser soll sowohl die Entstehung als auch die Kontrolle der Myopie erklären. Die Studie formuliert eine neue Hypothese, die ein zentrales Rätsel der Sehwissenschaft adressiert. Warum beeinflussen so unterschiedliche Faktoren – von Naharbeit und schwacher Innenbeleuchtung bis hin zu Atropintropfen, multifokalen Linsen oder Zeit im Freien – offenbar das Fortschreiten der Myopie? „Bei hellem Außenlicht verengt sich die Pupille, um das Auge zu schützen, während dennoch ausreichend Licht auf die Netzhaut gelangt“, erklärt Urusha Maharjan, Doktorandin an der SUNY Optometry, die die Studie durchgeführt hat. Wenn Menschen sich auf nahe Objekte in Innenräumen konzentrieren, wie Telefone, Tablets oder Bücher, kann sich die Pupille ebenfalls verengen. Jedoch geschieht das nicht aufgrund der Helligkeit, sondern um das Bild schärfer zu machen. Bei schwacher Beleuchtung kann diese Kombination die Beleuchtung der Netzhaut erheblich reduzieren. Paradigmenwechsel im Verständnis der Myopieprogression und -kontrolle Nach diesem Mechanismus entwickelt sich Kurzsichtigkeit, wenn eine schlechte Netzhautbeleuchtung keine starke Netzhautaktivität erzeugt. Dies geschieht, weil die Lichtquellen zu schwach sind und die Pupille bei kurzen Sehabständen zu stark verengt ist. Umgekehrt entwickelt sich keine Myopie, wenn das Auge hellem Licht ausgesetzt ist. Die Pupillenverengung wird dann durch die Bildhelligkeit statt durch die Sehentfernung reguliert. Die Studie zeigt, dass Negativlinsen die Beleuchtung der Netzhaut verringern, weil sie bei Naharbeit die Akkommodation verstärken – und damit die Pupille verengen. Dieser Effekt nimmt zu, je kürzer die Sehentfernung ist oder je stärker die eingesetzten Linsen sind. Hält die Akkommodation über längere Zeit an, etwa über viele Minuten, verstärkt sich die Pupillenverengung weiter – ebenso bei bereits bestehender Kurzsichtigkeit. Zusätzlich identifizieren die Forscher Augenbewegungen während der Akkommodation sowie das Blinzeln als weitere Faktoren. Diese können die Pupille verengen und damit die Myopie beeinflussen. Bestätigt sich dieser Zusammenhang, könnte er den Autoren zufolge einen Paradigmenwechsel im Verständnis der Myopieprogression und -Kontrolle einleiten. Kurzsichtigkeit ließe sich demnach kontrollieren, indem das Auge unter begrenzter akkommodativer Pupillenverengung sicherem hellem Licht ausgesetzt wird. Dies kann durch spezielle Linsen erreicht werden, die die Akkommodation reduzieren. Außerdem ist Atropintropfen möglich, die die pupillenverengenden Muskeln blockieren, oder ganz schlicht mehr Zeit im Freien, wenn der Blick entspannt in die Ferne geht. Hypothese eröffnet neue Denkweise in Bezug auf Prävention und Behandlung und Mypopie Aus Sicht der Wissenschaftler ist am wichtigsten, dass der neue Mechanismus vorhersagt, dass jeder Ansatz zur Myopiekontrolle scheitern wird, wenn das Auge über einen längeren Zeitraum hinweg in Innenräumen bei schwachem Licht einer übermäßigen Akkommodation ausgesetzt ist. „Dies ist keine endgültige Antwort“, betonte Alonso. „Aber die Studie liefert eine überprüfbare Hypothese, die die Wechselwirkungen zwischen Sehgewohnheiten, Beleuchtung und Augenfokussierung neu definiert. Es handelt sich um eine Hypothese, die auf messbarer Physiologie basiert und viele bestehende Erkenntnisse zusammenführt. Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, aber sie gibt uns eine neue Denkweise in Bezug auf Prävention und Behandlung.“ (sas/BIERMANN)
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