Mythos oder Medizin? Grüner Tee bei Amyloidose

Oft ist sie eine Herzensangelegenheit. Manchmal geht sie an die Nieren oder auf die Nerven. Und bisweilen spielen Magen und Darm verrückt. Eine Amyloidose kann zahlreiche Organe betreffen und ganz unterschiedliche Beschwerden hervorrufen. Welche das sind und wie man diese lindern kann, das sind die Themen auf dem 1. Würzburger Amyloidose-Patienten- und dem Expertentag.

Der Patiententag im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz am Samstag, den 20. Januar, richtet sich an Betroffene und Angehörige. Von 9 Uhr bis 15:30 Uhr werden Ärzte die unterschiedlichen Gesichter dieser Krankheit vorstellen, bei der sich fehlgefaltete Eiweiße im Körper ablagern, und die je nach Art des Eiweißes, Ort der Ablagerung und betroffenem Organ unterschiedlich in Erscheinung tritt. Ferner geht es um Diagnosen und Behandlungsmethoden. Mit großer Spannung wird der Vortrag von Prof. Stefan Schönland aus Heidelberg erwartet, der über die Wirkung des grünen Tees bei Amyloidose spricht.

Einen Tag zuvor, am Freitag, den 19. Januar findet von 8 bis 18 Uhr im ZIM/ZOM der Expertentag statt. Weltweit führende Spezialisten aus Europa werden die aktuelle Diagnostik und Therapie dieser tückischen Erkrankung diskutieren, Prof. Giovanni Palladini aus dem italienischen Pavia wird zum Beispiel ausführlich über die Diagnostik und Therapie der Leichtkettenamyloidose berichten, während Dr. Teresa Coelho aus Porto (Portugal) zum Thema ATTR-Amyloidose Stellung nehmen wird. Ergänzend werden Experten aus dem Uniklinikum Würzburg und aus kooperierenden nationalen Kliniken zu diversen Themen wie Bildgebung des Herzens und Pathologie der Erkrankung sprechen. Zum Expertentag sind Ärzte und Interessierte mit medizinischem Hintergrund herzlich eingeladen.

Interdisziplinäres Amyloidosezentrum Nordbayern:
Ansprechpartnerin: Dr. med. Sandra Ihne
Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI)
Am Schwarzenberg 15, Haus A15
D-97078 Würzburg
Terminvereinbarung: 0931 / 201 46301
E-Mail: amyloidose@ukw.de
Internetauftritt in Kürze: www.zese.ukw.de

1. Würzburger Amyloidose-Patiententag
Informationstag für Patienten, Angehörige und Interessierte
Samstag, 20. Januar 2018, Beginn: 9:00 Uhr
Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz

1. Würzburger Amyloidose-Expertentag:
„What’s new in amyloidosis“
am 19.01.2018, Beginn: 8 Uhr im ZIM/ZOM
Für Ärzte und Interessierte mit medizinischem Hintergrund
Beide Veranstaltungen inklusive Getränke und Snacks sind kostenfrei.
Anmeldung bitte bis zum 10. Januar im Sekretariat der Hämatologie:
Telefon: 0931 / 201 40003 oder E-Mail: amyloidose@ukw.de

Hintergrund:

Die Amyloidose ist eine Erkrankung, die meist den gesamten Organismus betrifft, und deren Diagnosestellung nicht einfach ist. Da eine rasche und zielgerichtete Diagnostik jedoch entscheidend für die Behandlung und mitunter für das Überleben ist, wurde am Universitätsklinikum Würzburg jetzt das erste Interdisziplinäre Amyloidosezentrum Bayerns und somit das zweite deutschlandweit gegründet.

Spezialisten aus mehr als zehn Fachrichtungen des Uniklinikums arbeiten hier eng zusammen, um die systemische Amyloidose zu erforschen und die Patienten zielgerichtet zu versorgen. Die Sprechstunde für Patienten mit vermuteter oder gesicherter Amyloidose findet im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) statt. Hier erhalten die Patienten laut DZHI rasch Zugang zu einer zielgerichteten Diagnostik und effektiven Therapie auf höchstem Niveau. Jeder Patient wird in einer interdisziplinären Fallkonferenz besprochen. Unklare Fälle werden im Zweifel international diskutiert.

Mit dem Amyloidosezentrum haben Betroffene erstmals eine Anlaufstelle in Bayern. Viele erleben eine kräftezehrende und häufig frustrierende Odyssee, bis sie endlich wissen, was die Ursache ihrer Beschwerden ist Es gibt nämlich keine eindeutigen Frühzeichen, die auf diese Erkrankung hindeuten. Nur knapp 40 Prozent der Betroffenen mit einer Leichtkettenamyloidose erhalten ihre Diagnose innerhalb von sechs Monaten, 20 Prozent erst nach mehr als zwei Jahren, wie eine Studie ergab. Dann ist es jedoch oft bereits zu spät, die Organe sind so stark beeinträchtigt, dass trotz Therapie keine Besserung der Funktion erreicht werden kann und effektive Behandlungsmöglichkeiten verwehrt bleiben.

Doch was genau ist Amyloidose? Es handelt sich dabei um einen krankhaften Ablagerungsprozess von fehlgefalteten Eiweißstoffen in Form von Fibrillen. Rudolf Virchow erfand übrigens im Jahr 1853 in Würzburg die histologische Färbemethode, um Amyloid-Ablagerungen nachzuweisen. Die Erkrankung tritt je nach Art des Eiweißes, Ort der Ablagerung und betroffenem Organ sehr unterschiedlich in Erscheinung.

Bei der häufigsten Form, der Leichtkettenamyloidose (AL-Amyloidose), produzieren die Plasmazellen im Knochenmark unkontrolliert Antikörper-Bausteine, so genannte Leichtketten. Diese lagern sich im Gewebe ab, führen zu Organfehlfunktionen und schädigen unter anderem auch Herzmuskelzellen. Letzteres ist fatal, denn etwa ein Drittel der Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche stirbt innerhalb des ersten Jahres. Umso wichtiger ist eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung. Sie kann für den Therapieerfolg sehr entscheidend sein.

Quelle
Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz, 20.12.2017
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