Nach spektakulären Erfolgen beim Mastdarmkrebs: Bei welchen Tumoren wirkt die Immuntherapie?

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Jüngst haben US-amerikanische Forschende einen im Rahmen der Immuntherapie verwendeten Checkpoint-Inhibitor mit dem Wirkstoff Dostarlimab bei zwölf Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs eingesetzt. Daraufhin bildete sich der Tumor bei allen Patientenen komplett zurück – ohne weitere Chemotherapie, Bestrahlung oder OP.

Insbesondere bei fortgeschrittenen oder inoperablen Tumorerkrankungen gilt die Immuntherapie inzwischen als wichtiger neuer Ansatz und wird bei einigen Krebsarten bereits sehr erfolgreich eingesetzt. Wie die neuen Ergebnisse beim Mastdarmkrebs einzuordnen sind und wie die Zukunft der Immuntherapie bei Krebs im Magen-Darm-Trakt aussehen könnte, werden Experten im Rahmen des Kongresses Viszeralmedizin im Herbst diskutieren.

Die Immuntherapie bei Krebserkrankungen galt schon lange als Hoffnung in der Onkologie, zeigte aber bis vor Kurzem nur bescheidene klinische Erfolge. Inzwischen wird die Immuntherapie unter Verwendung von Checkpoint-Inhibitoren etwa beim schwarzen Hautkrebs oder beim Lungenkarzinom mit großem Erfolg eingesetzt. 

Bei bestimmten Formen des Mastdarmkrebs scheint dieses Prinzip auch zu funktionieren, wie die US-Studie zeigt. Dennoch dämpfen Experten verfrühte Hoffnungen. „Wenngleich die kürzlich vorgestellten Ergebnisse zum Mastdarmkrebs sehr beeindruckend sind, müssen sich diese erst noch in einer längeren Nachbeobachtungszeit und in weiteren Studien mit mehr Proband*innen bestätigen“, betont Prof. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim. Und: Die Immuntherapie wirkt nicht bei allen Tumoren gleich gut. „Wir wissen, dass beispielsweise Tumoren, bei denen bestimmte DNA-Reparaturmechanismen defekt sind (Mikrosatelliteninstabilität), besonders gut auf Checkpoint-Inhibitoren ansprechen“, berichtet Ebert. Bei Mastdarmkrebs weisen etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten einen Tumor mit dieser Eigenschaft auf. Bei ebendieser Patientengruppe wurden auch die aktuellen spektakulären Ergebnisse erzielt.

Ähnliches gilt für den fortgeschrittenen Magen- und Speiseröhrenkrebs. Auch bei dieser Krebsart kommt die Immuntherapie nur bei einer bestimmten Untergruppe der Tumoren infrage: Es müssen bestimmte Oberflächenrezeptoren und Moleküle – PD-1 oder PD-L1 – in ausreichender Menge vorhanden sein, an denen die Checkpoint-Inhibitoren ihre Wirkung entfalten können. „Das trifft beim Magen- und Speiseröhrenkrebs immerhin auf etwa 60 Prozent der Tumoren zu“, erklärt Ebert. „Für bestimmte Formen des fortgeschrittenen Speiseröhrenkrebses beispielsweise verlängert die Immuntherapie in Kombination mit einer Chemotherapie das Gesamtüberleben von 8,8 auf 13,9 Monate.“ Seit 2021 ist die Kombination aus Immun- und Chemotherapie bei fortgeschrittenem und inoperablem Magen- und Speiseröhrenkrebs die erste Behandlungsoption.

Und auch beim fortgeschrittenen, nicht mehr operablen Leberzellkrebs hat sich eine Kombinationstherapie aus einem Checkpoint-Inhibitor mit einem anti-VEGF-Antikörper als effektiver – also mit längerem progressionsfreiem und Gesamtüberleben – erwiesen, als die bisherige für diese Patientengruppe gewählte Therapie. Leider zeigt die Immuntherapie gerade bei der Tumorart mit der aktuell schlechtesten Prognose, dem Bauspeicheldrüsenkrebs, trotz vieler Studien bisher keine Effekte.

„Die Immuntherapie verändert und verbessert die Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Krebs deutlich“, so Ebert. „Nichtsdestotrotz sollten durch die aktuell aufsehenerregenden Ergebnisse beim Mastdarmkrebs keine unrealistischen Hoffnungen geweckt werden – gerade bei Tumoren im Magen-Darm-Trakt ist die Lage komplex, und derzeit ermöglicht die Therapie in den meisten Fällen vor allem ein längeres progressionsfreies Überleben, und keine Spontanheilungen.“