Nahrungsmittelallergien: Entscheidende Genloci identifiziert27. Februar 2018 © Bozena Fulawka – fotolia.com Studien zur Epidemiologie der Nahrungsmittelallergien in Deutschland liegen laut der Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien der DGAKI nur begrenzt vor. Eine Untersuchung von 2004 ergab eine Prävalenz der Nahrungsmittelallergie, gesichert durch doppelblinde, placebokontrollierte Nahrungsmittelprovokation, von 3,7 % bei Erwachsenen und von 4,2 % bei Kindern. Eine Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DGES), durchgeführt im Zeitraum 2008 bis 2012, ergab eine Lebenszeitprävalenz der Nahrungsmittelallergie von 6,4 % bei Frauen und 2,9 % bei Männern sowie für die Gesamtkohorte der Erwachsenen von 4,7 % (95-%- Konfidenzintervall 4,1-5,4). Aufgrund der Heterogenität der Symptome ist eine verlässliche Diagnose häufig schwierig zu treffen. In einer aktuellen Studie berichten Allergologen der Charité von ihrer genomweiten Assoziationsstudie zur Nahrungsmittelallergie; die 497 Diagnosefälle und die 2387 Kontrollen waren durch orale Nahrungsmittelprovokation gesichert worden. Die Forscher identifizierten 5 Genloci von genomweiter Signifikanz: – den Gencluster von Monophylum B Serpin (SERPINB) bei 18q21.3 – den Zytokin Gencluster bei 5q31.1 – das Fillagrin-Gen – den C11orf30/LRRC32-Genlocus – die Region des humanen Leukozyten-Antigens (HLA). Nach Stratifizierung der Resultate in Bezug auf das auslösende Nahrungsmittel zeigte sich, dass der HLA-Locus spezifisch für Ernussallergie ist, während die anderen 4 Loci das Risko für alle anderen Nahrungsmittelallergien erhöhen. Varianten im Gencluster SERPINB gehen mit einer SERPINB10-Expression in den Leukozyten einher. SERPINB-Gene werden besonders stark in der Speiseröhre exprimiert. Alle identifizierten Genloci sind an der immunologischen Regulation sowie der epithelialen Barrierefunktion beteiligt, wodurch die Rolle der beiden Mechanismen bei Nahrungsmittelallergien besonders hervorgehoben wird. Autor: Marenholz et al. Korrespondenz: Clinic for Pediatric Allergy, Experimental and Clinical Research Center, Charité University Medical Center, Berlin, Germany Studie: Genome-wide association study identifies the SERPINB gene cluster as a susceptibility locus for food allergy Quelle: Nat Commun. 2017 Oct 20;8(1):1056. Web: dx.doi.org/10.1038/s41467-017-01220-0