Nahrungsmittelallergien: Entscheidende Genloci identifiziert

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Studien zur Epidemiologie der Nahrungsmittelallergien in Deutschland liegen laut der Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien der DGAKI nur begrenzt vor. Eine Untersuchung von 2004 ergab eine Prävalenz der Nahrungsmittelallergie, gesichert durch doppelblinde, placebokontrollierte Nahrungsmittelprovokation, von 3,7 % bei Erwachsenen und von 4,2 % bei Kindern. Eine Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DGES), durchgeführt im Zeitraum 2008 bis 2012, ergab eine Lebenszeitprävalenz der Nahrungsmittelallergie von 6,4 % bei Frauen und 2,9 % bei Männern sowie für die Gesamtkohorte der Erwachsenen von 4,7 % (95-%- Konfidenzintervall 4,1-5,4). Aufgrund der Heterogenität der Symptome ist eine verlässliche Diagnose häufig schwierig zu treffen.

In einer aktuellen Studie berichten Allergologen der Charité von ihrer genomweiten Assoziations­studie zur Nahrungsmittelallergie; die 497 Diagnosefälle und die 2387 Kontrollen waren durch orale Nahrungsmittelprovokation gesichert worden. Die Forscher identifizierten 5 Genloci von genomweiter Signifikanz:
– den Gencluster von Monophylum B Serpin (SERPINB) bei 18q21.3
– den Zytokin Gencluster bei 5q31.1
– das Fillagrin-Gen
– den C11orf30/LRRC32-Genlocus
– die Region des humanen Leuko­zyten-Antigens (HLA).

Nach Stratifizierung der Resultate in Bezug auf das auslösende Nahrungsmittel zeigte sich, dass der HLA-Locus spezifisch für Ernussallergie ist, während die anderen 4 Loci das Risko für alle anderen Nahrungsmittelallergien erhöhen. Varianten im Gencluster SERPINB gehen mit einer SERPINB10-Expression in den Leuko­zyten einher. SERPINB-Gene werden besonders stark in der Speise­röhre exprimiert.

Alle identifizierten Genloci sind an der immunologischen Regulation sowie der epithelialen Barrierefunktion beteiligt, wodurch die Rolle der beiden Mechanismen bei Nahrungsmittelallergien besonders hervor­gehoben wird.

Autor: Marenholz et al.
Korrespondenz: Clinic for Pediatric Allergy, Experimental and Clinical Research Center, Charité University Medical Center, Berlin, Germany
Studie: Genome-wide association study identifies the SERPINB gene cluster as a susceptibility locus for food allergy
Quelle: Nat Commun. 2017 Oct 20;8(1):1056.
Web: dx.doi.org/10.1038/s41467-017-01220-0