Nationales Herz-Netz als wichtiges Puzzlestück im EU Safe Hearts Plan8. April 2026 Das Nationale Herz-Netz soll der kardiovaskulären Versorgung in Deutschland zugutekommen, wie DGK-Präsident Stefan Blankenberg berichtete. (Foto: ©Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) Im Rahmen des EU Safe Hearts Plan kommt dem Nationalen Herz-Netz (NHN) eine Schlüsselrolle zu: Es soll erstmals umfassende Versorgungsdaten bündeln, Lücken aufdecken und so die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gezielt verbessern. von Dr. Aileen Hochhäuser Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben massive Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, die Gesellschaft und die Wirtschaft in der Europäischen Union. Rund 62 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürger sind von einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betroffen, rund 1,7 Millionen versterben daran jährlich. Die wirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen belaufen sich auf rund 282 Milliarden Euro pro Jahr. Der im Dezember 2025 vorgestellt Safe Hearts Plan der EU-Kommission soll gegensteuern. Der EU-weite Aktionsplan zielt darauf ab, Prävention, Früherkennung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern, um die vorzeitige Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis 2035 um 25 Prozent zu senken (wir berichteten). „Damit ist ein politischer Rahmen geschaffen – entscheidend wird jedoch sein, wie konsequent die Maßnahmen auf nationaler Ebene umgesetzt werden“, hob Prof. Stefan Blankenberg, amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), im Rahmen der jüngst gestarteten Jahrestagung der Fachgesellschaft in Mannheim hervor. Für Deutschland sei damit jetzt der Zeitpunkt, nationale Antworten zu definieren. Diese sollen im Rahmen des Nationalen Herz-Kreislauf-Plans für Deutschland angepasst und implementiert werden – und zwar bereits bis 2027, wenn die DGK ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Umsetzung des Safe Hearts Plan in Deutschland Der EU Safe Hearts Plan basiert auf drei Säulen: der Prävention, der Früherkennung und der gerechten Versorgung. Im Sinne der Prävention sind Programme zur Förderung eines gesunden Lebensstils, die verstärkte Tabak- und Zuckerkontrolle durch Steuererhöhungen und eine Förderung gesunder Ernährung vorgesehen. Im Zentrum der Früherkennung stehen standardisierte EU-Gesundheitschecks. Ziel sind regelmäßige Screenings kontrollierbarer Risikofaktoren sowie von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker – die „3Bs“, die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nach Ansicht von Blankenberg zu Recht zur nationalen Gesundheits-Offensive erklärt hat. Für Blankenberg ist es besonders wichtig, dass diese Screenings hierzulande niederschwellig angeboten werden. Dazu zählt er explizit die Durchführung außerhalb von Arztpraxen, beispielsweise in Apotheken. Positiv bewertet Blankenberg auch die derzeitige Debatte zur Anpassung der Tabaksteuer und der Einführung einer Steuer auf zuckergesüßte Getränke, wie sie aktuelle Empfehlungen zur Stabilisierung der Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen vorschlagen (wir berichteten). Hierzulande brächte eine Anhebung der Tabaksteuer auf den europäischen Durchschnitt bereits Mehreinnahmen von mehreren Hundertmillionen Euro, wie Blankenberg ausführte. „Der Erlös käme der Gesellschaft zugute – in Form einer Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge sowie einer geringeren Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so der DGK-Präsident. Auch in der Versorgungslandschaft sieht Blankenberg großes Verbesserungspotenzial in Deutschland. „Noch immer verlaufen Behandlungsprozesse zu fragmentiert, Informationen werden nicht konsequent genutzt und Erkenntnisse aus der Praxis nur begrenzt systematisch ausgewertet“, kritisiert er. Hier liege einer der zentralen Hebel zur Verbesserung – „es braucht einen Wendepunkt“, so Blankenberg. Genau hier setzt das kürzlich initiierte Nationale Herz-Netz (NHN) an. Dabei handelt es sich um eine 100 prozentige Tochtergesellschaft der DGK, die als gemeinnützige GmbH von der Friede-Springer-Stiftung unterstützt wird. Von Daten zur Versorgung: NHN als zentrales Puzzlestück Hintergrund ist, dass der EU Safe Hearts Plan die Integration digitaler Lösungen, einschließlich von KI-Technologien, sowie die bessere Nutzung von Gesundheitsdaten und die Schließung von Forschungs- und Innovationslücken hervorhebt. In Deutschland existiert bislang keine systematische Erfassung der Daten von Herz-Kreislauf-Patienten. Diese Lücke soll das NHN als fundamentales Puzzlestück auf nationaler Ebene schließen. Geplant ist, dass das medizinische Register eine umfassende Analyse routinemäßig erhobener Krankenhausdaten liefert – perspektivisch soll es auf den ambulanten Bereich ausgeweitet werden. „Zeitgleich schafft das Datensystem die Grundlage für einen künftig stärkeren, auch grenzüberschreitenden Austausch von Versorgungsdaten in Europa und soll auch über Deutschland hinaus Impulse setzen“, betont Blankenberg. In einer Pilotphase sollen dafür pseudonymisierte Daten zunächst in drei deutschen Modellregionen erhoben werden. Dazu zählen Berlin, das Ruhrgebiet sowie Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Anhand dieser erhofft man sich, differenzierte Erkenntnisse in stark frequentierten Städten bis hin zu ländlichen Regionen und Mischgebieten zu erhalten. Im Anschluss soll das Datensystem bundesweit ausgerollt werden. Ziel ist, die aktuell fragmentierten kardiovaskulären Versorgungsdaten erstmals zu einem harmonisierten, sektorenübergreifenden und validen Bild zusammenzusetzen. Laut DGK kommt dabei ein eigens konzipiertes KI-Programm zur Datenauswertung zum Einsatz, das speziell für das NHN entwickelt wird. „Auf dieser Basis können beispielsweise Versorgungslücken zielgenau identifiziert, Behandlungsverläufe besser nachvollzogen und evidenzbasierte Verbesserungen nachhaltig umgesetzt werden. So entsteht ein kontinuierlicher Rückfluss von Erkenntnissen in die Versorgung, eine Art ,Learning-Health-System‘, das sowohl die Behandlungsqualität verbessern als auch entscheidende Impulse für die Forschung und gesundheitspolitische Steuerung und damit potenziell für die Senkung der Kosten innerhalb des Gesundheitssystems liefern kann“, resümiert Blankenberg. „Denn erst wenn wir Daten konsequent nutzen, entsteht eine bessere, effizientere Versorgung – und genau hier setzt das NHN an“, ergänzt er.
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