Naturbaden: Haut- und Magen-Darm-Probleme trotz guter Wasserqualität14. September 2026 Symbolbild: © koldunova – stock.adobe.com Baden in Flüssen und Seen führte in einer aktuellen Studie vermehrt zu Hautproblemen und Magen-Darm-Erkrankungen. Das war auch der Fall, wenn die europäischen Standards für Badegewässer erfüllt waren. Das internationale Team analysierte die Daten von 2368 Freiwilligen, die an einer randomisierten kontrollierten Studie an vier Süßwasserbadestellen in Ungarn teilnahmen. Die Teilnehmenden wurden randomisiert entweder einer Gruppe zugeteilt, die zehn Minuten lang baden sollte, einschließlich mindestens dreier vollständiger Kopftauchgänge, oder einer Kontrollgruppe, die am Ufer blieb, ohne das Wasser zu betreten. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Team im August 2026 im „International Journal of Hygiene and Environmental Health“. Das adjustierte relative Risiko für Hauterkrankungen betrug 2,17 (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,55–3,03). Der Zusammenhang bestand unabhängig von den mikrobiellen Indikatoren. „Wir stellten fest, dass Badende im Vergleich zu Personen, die trocken blieben, mehr als doppelt so häufig unter Hautbeschwerden wie Exanthemen, Ulzerationen oder Juckreiz litten“, so Studienleiter Prof. Paul Hunter von der University of East Anglia, Norwich (Vereinigtes Königreich). „Wir stellten außerdem fest, dass das Risiko für gastrointestinale Erkrankungen mit steigenden Konzentrationen von Escherichia coli und anderen Viren, die Bakterien im menschlichen Darm infizieren, im Wasser zunahm; dies weist auf fäkale Verunreinigungen hin.“ Laut Hunter liefere die Untersuchung einige der bislang stärksten Hinweise darauf, dass Kontaminationen an Süßwasser-Erholungsgewässern bei Badenden zu tatsächlichen Erkrankungen führen können. Erkrankung trotz erfüllter Standards für Badegewässer Obwohl alle vier Studienorte zum Zeitpunkt der Untersuchung die europäischen Standards für Badegewässer erfüllten, stellten die Forschenden weiterhin einen Zusammenhang zwischen höheren Konzentrationen mikrobieller Kontamination und Erkrankungen fest. Die Studie ergab, dass das Risiko für gastrointestinale Erkrankungen mit jeder Verzehnfachung der E.-coli-Konzentration um etwa 73 Prozent (95%-KI 1,13–2,65) anstieg, während höhere Konzentrationen der als somatische Coliphagen bezeichneten Viren mit einem Risikoanstieg um 46 Prozent (95%-KI 1,04–2,04) verbunden waren. Das Team erklärt, dass diese Organismen das Erkrankungsrisiko in Flüssen und Seen offenbar besser anzeigen als intestinale Enterokokken, eine Bakteriengruppe, die in einigen internationalen Empfehlungen zur Wasserqualitätsüberwachung derzeit besonders berücksichtigt wird. Die Forschenden weisen außerdem darauf hin, dass Süßwasser- und Küstengewässer möglicherweise unterschiedliche Standards erfordern, da sich bakterielle Indikatororganismen in den beiden Umgebungen unterschiedlich verhalten. Insgesamt niedrige Erkrankungsraten und milde Verläufe Ein bemerkenswertes Ergebnis war, dass Hautbeschwerden bei Badenden unabhängig von den gemessenen Konzentrationen fäkaler Indikatoren zunahmen. „Dies könnte durch die Exposition gegenüber natürlich vorkommenden Organismen bedingt sein, die nicht mit Abwasserverunreinigungen zusammenhängen“, so Hunter. Die Zerkariendermatitis, auch als Badedermatitis bekannt, werde durch von Wasservögeln ausgeschiedene Parasiten verursacht, die in die menschliche Haut eindringen und ein juckendes Exanthem auslösen können. „Auch landwirtschaftliche oder industrielle Kontaminanten könnten eine Rolle spielen“, fügt Hunter hinzu. Die Erkrankungsraten waren in der Studie insgesamt relativ niedrig und die meisten Erkrankungen hatten einen kurzen und milden Verlauf. „Etwas mehr als zwei Prozent der Teilnehmenden entwickelten eine gastrointestinale Erkrankung, und bei einem ähnlichen Anteil traten Hautbeschwerden auf. Atemwegs-, Ohren- und Augeninfektionen waren selten“, so Hunter. Dennoch kam das Team zu dem Schluss, dass höhere Konzentrationen von E. coli und verwandten Indikatoren eindeutig mit einem größeren Risiko für gastrointestinale Erkrankungen assoziiert waren. Dies liefert Hinweise darauf, dass die Überwachung dieser Mikroorganismen weiterhin für den Schutz der öffentlichen Gesundheit von Bedeutung ist. (ins)
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